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Karl Kübel

Karl Kübel - Unternehmer und Stifter

Karl Kübel - Stationen des engagierten Lebens

Karl Kübel, sozial engagierter Unternehmer und gläubiger Christ, starb am 10. Februar 2006 in seinem Wohnhaus auf der Tromm im südhessischen Wald-Michelbach im Alter von 96 Jahren. Der Name Karl Kübel steht seit Jahrzehnten für die seltene Kombination aus Unternehmergeist und sozialem Engagement: Nach dem zweiten Weltkrieg baute er mit den »3K«-Möbelwerken eines der führenden europäischen Möbelunternehmen auf. 1972 gründete er die nach ihm benannte Stiftung und brachte in sie das 1973 verkaufte Industrie-Unternehmen »3K« sowie den größten Teil seines Privatvermögens ein.

Die Verdienste Karl Kübels sind immer wieder von führenden Repräsentanten des öffentlichen Lebens hervorgehoben worden. Zuletzt würdigten prominente Gratulanten sein Leben und Werk anlässlich seines 95. Geburtstages am 6. September 2004 in ihren Glückwünschen: Für Kardinal Karl Lehmann, der Bischof von Mainz und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, war Karl Kübel »ein bewundernswerter Unternehmer, der die ganz seltene Entscheidung getroffen hat, den allergrößten Teil seines Vermögens in seine Stiftung zugunsten von Familien einzubringen. Seine Großzügigkeit zeigt sich auch darin, dass er nicht nur in Deutschland, sondern auch in Entwicklungsländern Familien fördert.«

Für den Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Prof. Peter Steinacker, konnte das Handeln Karl Kübels – ebenfalls zu seinem 95. Geburtstag -gerade mit Blick auf die Wirtschaft als Richtschnur dienen: »Vorbildlich an ihm ist, dass er in seiner christlichen Verantwortung als Unternehmer in unserer Gegenwart in den Chefetagen ein wirkliches Beispiel ist.«

Laut Matthias Wilkes, dem ehrenamtlichen Stiftungsratsvorsitzenden der Karl Kübel Stiftung, »ist die Rolle des Stifters und Unternehmers in dieser Form in Deutschland wohl einmalig. Er ist jemand, der nicht nur im unternehmerischen Bereich außerordentlichen Erfolg hatte, sondern er hat diesen Erfolg gleichzeitig auch der Gesellschaft wieder zur Verfügung gestellt - und dies mit einer einmaligen Radikalität.«

Christlich geprägtes Unternehmertum

Die Grundlagen für das engagierte Unternehmertum gehen auf die frühe Kindheit zurück: 1909 wurde Karl Kübel als achtes von neun Kindern des Schreinermeisters Carl Kübel und dessen Frau Maria in Duisburg geboren. Früh prägte ihn die Religiosität seiner Eltern, die sich stets für notleidende Menschen einsetzten. Wichtigen Einfluss hatte auch die Zeit im osthessischen Hünfeld, der Heimat seiner Mutter, wo er zeitweise die Schule besuchte. Kübel war Messdiener und gehörte der katholischen Jugendbewegung an.

Besonders beeindruckten ihn die Ideen von und die Begegnungen mit dem Religionsphilosophen Romano Guardini: Dessen Postulat, »das menschliche Tun als Teilnahme an der Schöpfung zu begreifen«, wurde für ihn zur Richtschnur.

»Tief verwurzelt im ökumenischen Glaubensgrund des Christentums« nahm er  seine berufliche Laufbahn auf: Mit 14 Jahren begann er eine Lehre als Eisenwarenhändler in Oberhausen. Bereits 1932 machte er sich in Worms mit einem kleinen Betrieb selbstständig. Sein Startkapital betrug 5.000 Reichsmark, und die Firma war anfangs in einer Garage untergebracht.

Er handelte zunächst mit Möbelbeschlägen und war damit erfolgreich: Nach und nach gründete er sieben Möbelwerke, und innerhalb von 40 Jahren schuf er eines der führenden Möbelunternehmen Europas  - die »3K«-Gruppe. Wegen des Geschäftsprinzips, der erschwinglichen Massenfertigung, wird die »3K«-Gruppe bis heute auch als »deutscher Vorläufer von IKEA« bezeichnet. In Spitzenzeiten arbeiteten dort 3.800 Menschen. Schon in den fünfziger Jahren bot Karl Kübel seiner Belegschaft eine Gewinnbeteiligung an, und verwirklichte damit die Idee der katholischen Soziallehre vom »Mitwirken, Mitverdienen, Mitbesitzen«.

Frühes Engagement für Mitmenschen im In- und Ausland

Neben der Möbelbranche widmete Kübel sich einer weiteren Aufgabe, dem sozialen Wohnungsbau. Dazu gründete er die Siedlungsbaugesellschaft »das familiengerechte heim« (dfh). Gleichzeitig engagierte er sich zugunsten der so genannten Dritten Welt: Ab 1966 förderte er Programme in Tansania, Kenia, Afghanistan, Bolivien und Indien.

Karl Kübel war bereits in seiner Zeit als Unternehmer davon überzeugt, dass die Eltern-Kind-Beziehung das Leben entscheidend prägt: In der Familie entfaltet sich die Persönlichkeit der jungen Menschen. In dieser für sie ersten sozialen Gruppe bauen Kinder ihre Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit auf und üben, Gesellschaft und Umwelt verantwortlich mitzugestalten. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können Eltern das Verantwortungsbewusstsein der Heranwachsenden stärken, ihre Urteilsfähigkeit schärfen und tragende Werte vermitteln.

Stiftung als Höhepunkt seines Lebenswerks

Den Gesamterlös aus dem Unternehmensverkauf und den Großteil seines Privatvermögens von 72 Millionen DM brachte Karl Kübel in die 1972 gegründete Stiftung ein. Diese hat ihren Sitz im südhessischen Bensheim und macht sich seither für die Belange von Familien stark, so »dass mehr Eltern in der Welt der leiblich-seelisch-geistige Nährboden für ihre Kinder sein können«. Die Stiftung beschäftigt heute weltweit mehr als 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist umfangreich gemeinnützig aktiv: 2005 hat sie in den drei Bereichen ihrer gemeinnützigen Aktivitäten - der Entwicklungszusammenarbeit in Indien, den Philippinen und im Kosovo, den drei Bildungsinstituten und der Familienarbeit in Deutschland - mehr als neun Millionen Euro investiert.

Als Identifikationsfigur stets präsent

Aus der Hand des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker erhielt Karl Kübel 1988 das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 1995 überreichte ihm Amtsnachfolger Roman Herzog die »Medaille für Verdienste um das Stiftungswesen« des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Seit Dezember 1995 tragen die Kaufmännischen Schulen des Kreises Bergstraße seinen Namen. Im Juni 1997 wurde Karl Kübel der Ehrenring der Stadt Worms überreicht, und im Dezember 1997 erhielt er die Ehrenplakette der Stadt Bensheim. Im Juni 2004 wählte ihn die Leserschaft einer großen regionalen Tageszeitung in Südhessen zum »Besten der Bergstrasse«. Eine letzte öffentliche Ehrung nahm er im Januar 2005 entgegen: Damals verlieh ihm der Heimat- und Carneval-Verein (HCV) Bürstadt den bekannten Courage-Orden.

Karl Kübel nutzte diese Anerkennungen stets, um weiter für seine gesellschaftlichen Anliegen zu werben. Rückblickend sagte er einmal, dass seine Grundeinstellung gegenüber den Mitmenschen am zutreffendsten mit dem Motto »womit kann ich dienen« beschrieben werden kann.

Karl Kübel, so der Stiftungsratsvorsitzende Matthias Wilkes, hat in der Stiftung bis zuletzt eine wichtige und prägende Rolle gespielt: »Er hat die Stiftung  bis zu seinem Tode geprägt. Seine Person wird in der Stiftung heute und in der Zukunft lebendig bleiben.«

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