Gemeinsam kochen, essen, lachen und Hauptsache Gemeinschaft: So feiert man Weihnachten in Tansania.
Sokoita, die von Mai bis Dezember 2025 als weltwärts-Freiwillige die Behindertenhilfe Bergstraße unterstützte, freut sich auf das Weihnachtsfest mit der gesamten Familie in Tansania. © privat
Für die weltwärts-Freiwilligen aus Indien, Tansania und von den Philippinen heißt es Abschied nehmen. Zum Abschluss wurde noch ein typisch deutscher Weihnachtsmarkt besucht. © privat
Von Mai bis Dezember 2025 war Sokoita Sirom Ngoitoi als weltwärts-Freiwillige an der Bergstraße. Die Tansanierin unterstützte die Darmstädter Tafel und hat uns kurz vor ihrer Heimreise verraten, wie sie mit ihrer Familie in Tansania traditionell das Weihnachtsfest verbringt.
Sokoita: „Weihnachten in Loliondo, meiner Heimatstadt im Norden von Tansania, ist das Ereignis des Jahres – der Super Bowl unter den Feiertagen. Die Schulen sind geschlossen, die Büros machen zu und die Menschen aus den Städten wandern voller Vorfreude zurück in ihre Heimatdörfer, wie Vögel, die nach Süden fliegen, um Wärme zu finden. Nur dass diese „Vögel“ Säcke voller Kleidung tragen und Unmengen an haltbaren Lebensmitteln einkaufen, da ein paar Tage vor Weihnachten die Preise wegen der hohen Nachfrage steigen.
Weihnachten ist mehr als nur ein Feiertag. Es ist ein Familientreffen mit Menschen, die man seit Langem nicht mehr gesehen hat. Freunde aus der Kindheit tauchen wieder auf, Tanten kommen mit Geschichten, für die man nicht bereit ist, und Onkel stellen die unvermeidliche Frage: „Und, wann heiratest du?“ Tatsächlich ist Weihnachten so groß, dass viele Hochzeiten, Taufen und andere Feiern verschoben werden, um alles zu einem einzigen riesigen Event zusammenzulegen. Und natürlich bekommt jedes Kind neue Kleidung zu Weihnachten – ein unausgesprochenes nationales Gesetz – und freut sich riesig darauf, dieses neue Outfit am Weihnachtstag zu tragen.
Das Weihnachtseinkauf-Fieber
Für mich beginnt das Fest normalerweise am 24. Dezember. Das ist der Einkaufstag, auch bekannt als „der Tag, an dem wir den ganzen Markt leer kaufen“. Wir decken uns mit Reis, Kartoffeln, Kochbananen, Zwiebeln, Tomaten, Karotten, roter Paprika und allen möglichen Früchten ein – Bananen, Mangos, Orangen, im Grunde alles Essbare. Warum? Weil wir an Weihnachten mehr als 100 Menschen bewirten. Nachbarn, Cousins, zufällige Leute aus der Umgebung – wenn du an unserem Tor vorbeikommst, bist du praktisch eingeladen. Zur Weihnachtszeit ist übrigens auch Mangosaison. Und jeder, der uns Tansanier kennt, weiß: Wir mögen Mangos nicht nur, wir behandeln sie wie einen nationalen Schatz.
Das Menü besteht aus Reis, Kartoffeln, frittierten Bananen und Pilau. Pilau ist Reis, der mit Fleisch auf eine besondere Art gekocht wird, bis er braun wird und himmlisch duftet. Und wir schlachten eine Ziege, ein Schaf oder sogar eine Kuh, je nachdem, wie viele Gäste wir erwarten.
Ist der Einkauf am 24. Dezember erledigt, bereiten wir so viel wie möglich vor. Gegen 22 Uhr gehen wir dann in die Kirche. Dort wird gesungen, getanzt und es gibt eine kurze Predigt, während wir auf Mitternacht warten. Wenn die Uhr Mitternacht schlägt, explodiert das ganze Dorf vor Jubel und Feuerwerkskörpern. An Weihnachten soll niemand traurig, allein oder niedergeschlagen sein. Deshalb sind die Lieder fröhlich und es wird viel getanzt, damit der Körper in Bewegung kommt.
Von der Kirche bis zur fröhlichen Gemeinschaft
Die eigentliche Weihnachtsfeier folgt dann am 25. Dezember. Dann stehe ich früh auf und schließe mich dem Küchenteam an. Wir müssen Kartoffeln schälen (eine nie endende Arbeit), organisieren, wer was macht, und beim Zubereiten von Kachumbari helfen – unserer Version eines frischen Salates aus Papayas, Mangos, Tomaten, Zwiebeln und ganz viel Liebe. Andere schälen Bananen, manche sind für das Fleisch zuständig, und wieder andere kochen. Da die meisten Köchinnen und Köche junge Leute wie ich sind, wird das Ganze zu einer Art Teambuilding mit Klatsch, Gelächter und Geschichten. Wir arbeiten, beschweren uns und machen gleichzeitig Witze.
Währenddessen sind die älteren Familienmitglieder in der Kirche. Wenn sie zurückkommen, ist das Essen fertig, die Gäste treffen ein und der Hof ist voller Lärm und Aufregung. Wir servieren das Essen, begrüßen Menschen, die wir seit Ewigkeiten nicht gesehen haben, und tauschen Neuigkeiten aus. Nach dem Essen wird das Abwaschen zur Gemeinschaftsaufgabe – ob man will oder nicht. Am Abend, wenn sich alles beruhigt hat, gehe ich mit meinen Freunden aus, wir feiern, reden, lachen, teilen Geschichten und beenden den Tag auf die bestmögliche Weise.
Dieses Jahr ist besonders, denn sicherlich erwarten meine Familie, Freunde und Verwandte schon ganz gespannt darauf, von meinen Erfahrungen in Deutschland zu hören – genauso wie ich wissen möchte, was passiert ist, während ich weg war. Und so sieht Weihnachten in meiner Heimat aus: voller Essen, Familie, Lachen, Geschichten und genau der richtigen Menge Chaos.“