Ziel: Neues Beratungsangebot für Pflegefamilien langfristig etablieren

Karl Kübel Stiftung ermöglicht Fachkräften eine Fortbildung im ABC-Ansatz

Eine Frau kniet vor einem Kind auf dem Sofa und wendet sich ihm fürsorglich zu

Pflegekinder sind eine besonders vulnerable Gruppe und Pflegefamilien stehen vor vielfältigen Herausforderungen. © Halfpoint über iStock

Unsere Stiftung initiiert die Fortbildung von Fachkräften, damit sie Pflegefamilien nach dem Beratungsansatz „Attachment and Biobehavioral Catch-up“ (ABC) unterstützen können. Der Ansatz fördert positive Bindungsbeziehungen in Pflegefamilien. Ziel ist es, das ABC-Programm langfristig im deutschsprachigen Raum zu etablieren.

Pflegekinder sind eine besonders vulnerable Gruppe, da sie die Trennung von ihrer Herkunftsfamilie bewältigen müssen und viele von ihnen unzureichende Fürsorge (Vernachlässigung, Misshandlung) erfahren haben. Pflegefamilien bieten diesen Kindern die Chance, neue positive Beziehungserfahrungen zu machen, ein Gefühl von emotionaler Sicherheit zu entwickeln und einen sicheren, zuverlässigen Lebensort zu erfahren. 

Die Herausforderungen vor denen Pflegeeltern stehen, wenn sie ein Kind aufnehmen, sind allerdings vielfältig und komplex. Sie müssen das Pflegekind bei der Verarbeitung von Traumata, Trennung und Bindungsproblemen unterstützen, es in die Familie integrieren und die Integration in die soziale Umgebung fördern.

In der Beratung und Begleitung von Pflegefamilien hat sich gezeigt, dass vor allem Beratungsansätze, die eine positive Bindungsentwicklung fördern, ein großer Zugewinn für alle Beteiligten sind.

Das Beratungsangebot „Attachment and Biobehavioral Catch-up“ (ABC) der amerikanischen Bindungsforscherin Mary Dozier gilt in den USA als der am besten erprobte bindungsbasierte Ansatz für Familien mit Pflegekindern im Alter von sechs bis 48 Monaten. Die positive Wirkung der Beratung zeigte sich in vielfältigen Bereichen, vor allem in der kindlichen Fähigkeit zum Aufbau positiver Bindungsbeziehungen sowie in den selbstregulativen Kompetenzen der Kinder. Darüber hinaus wirkte es sich positiv auf die Feinfühligkeit der Pflegeeltern im Umgang mit dem Pflegekind aus. Eine Pilotstudie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in Deutschland bestätigte die Ergebnisse. 

Angesichts der guten Resultate möchte die Karl Kübel Stiftung den ABC-Ansatz gern im deutschsprachigen Raum langfristig etablieren. Im Zuge des dreijährigen Projekts werden im Odenwald-Institut der Stiftung Fachkräfte zu ABC-Berater*innen für die Altersbereiche Infant (6-24 Monate) und Early Childhood (24 - 48 Monate) fortgebildet, damit sie Pflegefamilien entsprechend beraten und begleiten können. Das ABC-Projekt ist eine ideale Ergänzung der Angebote im Bereich Frühe Hilfen und zahlt unmittelbar auf das Stiftungsziel ein: Eltern zu unterstützen, damit sie ihre Kinder liebevoll umsorgen und fördern können. Unser Stifter Karl Kübel wusste um die Bedeutung einer guten Eltern-Kind-Beziehung und wie prägend gerade die ersten Lebensjahre für ein Kind sind. 

Das Konzept dieses innovativen Projekts hat auch die Dietmar Hopp Stiftung und die N&B Stiftung überzeugt. Sie fördern es finanziell, wissenschaftlich begleitet wird es vom DJI. Dadurch kann die Fortbildung zur ABC-Beratung im Rahmen des Modellprojekts kostenlos angeboten werden.

Angesichts des Mangels an Pflegefamilien in Deutschland – Schätzungen des Bundesverbandes der Adoptiv- und Pflegefamilien zufolge fehlen jährlich 4.000 Pflegefamilien – sind gute Beratungsangebote wie das ABC-Programm wichtig und notwendig. Denn je besser Pflegefamilien unterstützt werden, desto größer die Chance, dass mehr Familien ein Kind kurz- oder langfristig aufnehmen, auch wird der Abbruch des Pflegeverhältnisses unwahrscheinlicher, das Pflegeverhältnis wird stabilisiert. 

Weiterführende Informationen
 

Für Fachkräfte und Institutionen: Informationen über die Fortbildung zur ABC-Beratung

Interessiert an der Forschung: Hier geht´s zum DJI.

Ansprechpartnerin

Annemieke Hellriegel 
Tel.: (06251) 700552
E-Mail: a.hellriegel@kkstiftung.de

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