Aus der Kinderarbeit in ein selbstbestimmtes Leben

Shruthi Bai hat es geschafft!

Indien ist ein Land der Gegensätze. Rund ein Drittel aller Inder*innen lebt unterhalb der Armutsgrenze. Obwohl es seit 2012 eine Schulpflicht gibt und der Staat allen Kindern zwischen sechs und 14 Jahren das Recht auf einen kostenlosen Schulbesuch einräumt, brechen viele Kinder vorzeitig die Schule ab oder gehen erst gar nicht hin. Häufigster Grund: Sie müssen arbeiten, um das Überleben der Familie zu sichern.

Ähnlich erging es Shruthi Bai aus Pirumenahalli in Südindien. Als Achtjährige wurde sie von ihren Eltern aus der Schule genommen, um sich um den Haushalt und ihre Geschwister zu kümmern. Der Vater, Alkoholiker, konnte sich den Schulbesuch der Tochter nicht mehr leisten. Gemeinsam mit seiner Frau arbeitete er tagsüber als Tagelöhner auf den Feldern. Das Einkommen reichte gerade für eine warme Mahlzeit pro Tag für die fünfköpfige Familie. Shruthi Bais Eltern sind nie in die Schule gegangen. Die Meinung, dass ein Mädchen keine Bildung braucht, ist in Indien leider weiterhin verbreitet. Wenn es arbeitet, ist sein Nutzen für die Familie weit höher.

Shruthi Bai war traurig, dass sie nicht mehr die Schule besuchen durfte. Mithilfe eines der von der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie geförderten Projekte gelang es ihr schließlich, ihre Eltern davon zu überzeugen, sie auf eine sogenannte Brückenschule zu schicken. Dort werden ehemalige Kinderarbeiter an das Regelschulniveau herangeführt, damit sie später wieder in die staatlichen Schulen integriert werden können. Die Karl Kübel Stiftung fördert hier zusammen mit Spendern die Betreuung, Verpflegung und Unterkunft der Kinder inklusive Schulgeld, Kleidung und medizinischer Versorgung.

In der Brückenschule schöpft das Mädchen wieder Hoffnung

Shruthi Bai blüht in der Brückenschule wieder auf und lernt fleißig. Bereits nach wenigen Monaten wechselt sie in eine Regelschule und besteht im weiteren Verlauf ihren High-School-Abschluss mit Bravour. Möglich ist das, weil sie weiterhin von der Karl Kübel Stiftung unterstützt wird. Shruthi Bai wechselt auf eine weiterführende Schule und macht anschließend eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester. Heute arbeitet die 27-Jährige an einem von der Regierung geführten Krankenhaus und verdient ihren Lebensunterhalt selbst – völlig unabhängig von einem Mann. Mit ihrem Lohn kann sie nicht nur sehr gut leben, sondern auch Geld an die Familie in ihrem Heimatdorf schicken.

Der Besuch einer Brückenschule, in der die Kinder neben klassischen Schulfächern auch in ihren persönlichen Talenten gefördert werden, es z.B. Angebote wie Theater, Tanz und Malen gibt, hat aus einem Mädchen ohne Perspektive eine starke, selbstbewusste junge Frau gemacht. Eine Frau, die heute ein selbstbestimmtes Leben in Würde führen kann. Shruthi Bai ist froh, dass sie diese Chance bekommen hat.

Neben dem Schulbesuch ist eine qualifizierte Ausbildung wichtig

Ihr Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, Kindern sowohl den Besuch einer Schule als auch den Abschluss einer qualifizierten Ausbildung zu ermöglichen. Neben Brückenschulen fördert die Karl Kübel Stiftung daher auch Berufsbildungszentren in Indien, in denen junge Menschen Berufe erlernen z.B. im Bereich Computertechnik, Fahrzeugmechanik, EDV und Catering. Nach erfolgreichem Abschluss haben sie Möglichkeit, einen qualifizierten Job zu erlangen und die eigene Familie zu ernähren.

Unterstützen auch Sie die Bildungsarbeit der Karl Kübel Stiftung in Indien und verhelfen Sie weiteren Kindern wie Shruthi Bai zu einem selbstbestimmten Leben!

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