Brückenschulen eröffnen Kindern wieder Perspektiven

Seit fast 20 Jahren fördert die Karl Kübel Stiftung sogenannte Brückenschulen in Indien. Ziel ist es, Kindern den Besuch einer Regelschule zu ermöglichen.

Mathematik gehört zu Manis Lieblingsfächern. © Karl Kübel Stiftung

Als Mani* zwölf Jahre alt ist, ändert sich sein Leben radikal: Er kann nicht mehr zur Schule gehen, sondern muss im Steinbruch arbeiten, damit die Familie überleben kann. „Mein Vater hatte einen Unfall und  konnte deshalb nicht mehr arbeiten. Meine Mutter ist krank“, erzählt Mani, der in sehr armen Verhältnissen in einem kleinen Dorf in Nordindien aufwächst.

Seine Brüder arbeiten ebenfalls im Steinbruch, um das Überleben der Familie zu sichern. Es ist eine harte Zeit für Mani, er wird von seinem Chef beschimpft und manchmal sogar geschlagen. Zwei Jahre schuftet er von früh bis spät im Steinbruch. Als Mitarbeiter unserer Partnerorganisation Prayatn ihn entdecken, gibt es wieder Hoffnung für Mani auf eine bessere Zukunft: Er besucht fortan eine sogenannte Brückenschule. Gleichzeitig unterstützt Prayatn die Eltern von Mani über ein Kleinkreditprogramm, sodass sie mit Kleingewerbe oder Viehzucht ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften können.

Seit fast 20 Jahren unterstützt die Karl Kübel Stiftung Brückenschulen in Indien. Dort werden ehemalige Kinderarbeiter sowie zunehmend auch Kinder, die aus familiären oder wirtschaftlichen Gründen nicht am Regelunterricht teilnehmen können, unterrichtet. Ziel ist es, dass sie nach einer gewissen Zeit – das schwankt zwischen sechs Monaten und bis zu drei Jahren – wieder eine ganz normale Schule besuchen.

Kinder erhalten gezielte pädagogische Förderung

Fast alle Kinder sind wie Mani oft jahrelang nicht mehr zur Schule gegangen. In den Brückenschulen werden sie durch gezielte pädagogische Förderung wieder an die Klassenstufe herangeführt, die ihrem Alter entspricht. Sie absolvieren die jeweiligen Jahrgangsprüfungen und werden so wieder in das Schulsystem integriert. Eine Brückenschule baut praktisch eine Brücke zwischen Kinderarbeit und der Rückkehr ins Regelschulsystem.

Die Mädchen und Jungen lernen in den Brückenschulen aber nicht nur Schulfächer wie Mathe, Hindi oder Biologie, sondern sie werden auch in ihren musischen und sportlichen Talenten gefördert. So stehen Tanz, Theater, Sport, Computer-Unterricht, freie Rede etc. jede Woche mit auf dem Programm.  

Mani setzt sich heute für Kinderrechte ein

„Ich habe in der Zeit viel Selbstvertrauen gewonnen“, erzählt Mani, den der Besuch der Brückenschule in vielfacher Hinsicht geprägt hat. Er erkennt, wie wichtig der respektvolle Umgang miteinander ist:  „Wenn ich andere respektiere, respektieren sie mich auch.“ Außerdem setzt er sich jetzt für Kinderrechte und Kindesschutz ein.

Die meisten Mädchen und Jungen lernen aber nicht nur in den Brückenschule, sie leben auch in dem angeschlossenen Internat. Ihre Familien, soweit vorhanden, besuchen sie regelmäßig zu Feiertagen, religiösen Festen, Feiern und in den Schulferien.

Sobald sichergestellt werden kann, dass die Eltern für den weiteren Schulbesuch sorgen können, gehen die Kinder wieder in ihre Familien zurück. Im Durchschnitt werden Kinder drei Jahre in den Brückenschulen betreut. Es kommt aber auch vor, dass eine Familie verstorben ist oder ein Elternteil – zumeist alleinstehende Mütter – die Versorgung und Förderung der Kinder nicht mehr sicherstellen können. In diesen Fällen werden die Kinder bis zum Abschluss der Schul- und Berufsausbildung, vielfach bis in eine wirtschaftlich sichere Anstellung/Beschäftigung begleitet.

Mani besucht sechs Monate die Brückenschule und holt schnell auf. Er nimmt erfolgreich an der Jahrgangsprüfung teil und wird anschließend in die 7. Klasse einer Regelschule aufgenommen, wo Mani fleißig weiter lernt. Sein Ziel: „Ich möchte gern Tierarzt werden!“

Die Stiftung fördert aktuell drei Brückenschulen

Die Karl Kübel Stiftung fördert, ausschließlich aus Spendenmitteln, derzeit drei Brückenschulen in Indien:

  • Abhaya Student Shelter in der Nähe von Coimbatore mit ca. 30 Mädchen, die zumeist aus HIV/Aids-betroffenen Familien stammen.
  • Brückenschule Chatanahalli in der Nähe von Tarikere, Karnataka, mit ca. 35 Kindern
  • Brückenschule Hassan in Hassan, Karnataka, mit ca. 30 Kindern

Neben diesen Schulen unterstützt die Karl Kübel Stiftung weitere Bildungsprojekte in ihren Partnerländern, damit Kinder eine qualifizierte Bildung erhalten. Es gibt z.B. Projekte zur frühkindlichen Förderung, zur Förderung besonders benachteiligter Kinder und Programme zur Aufklärung über Hygiene. Darüber hinaus ermöglichen wir in vielen Projekten jungen Menschen eine qualifizierte Berufsausbildung.

*Name geändert

Unterstützen Sie unsere Bildungsprojekte, damit noch mehr Kinder eine Schulbildung erhalten!

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