Neue landwirtschaftliche Methoden führen zu finanzieller Unabhängigkeit.
Sita Pulami Magar baut auf ihrem kleinen Stück Land eine Vielzahl an Gemüsesorten an. Den Überschuss verkauft sie auf dem Markt. © Karl Kübel Stiftung / ICDC
Durch die Teilnahme an einer Bäuerinnengruppe erhielt sie Schulungen zur Viehzucht. Zusätzlich zur Landwirtschaft widmet sie sich nun auch der Schweinehaltung... © Karl Kübel Stiftung / ICDC
... sowie der Ziegenhaltung. © Karl Kübel Stiftung / ICDC
Sita Pulami Magar hat geschafft, was sie noch vor Jahren für unmöglich hielt: Sie kämpfte sich aus einer herausfordernden Lebenssituation heraus, mit Mut und Tatkraft, das Ziel stets vor Augen. Heute ist die 37-jährige Nepalesin finanziell unabhängig und eine Quelle der Inspiration für die Frauen in ihrer Gemeinde im Dhading Distrikt.
Der Weg dorthin war nicht leicht. Jahrelang lebte Sita von ihrem Mann Bishnu Magar räumlich getrennt, der versuchte, im Ausland Geld zu verdienen, um seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Sita blieb mit ihren zwei Söhnen und der täglichen Sorge ums Überleben zurück. Die drei lebten von der Hand in den Mund, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse brachten keinen Überschuss und es gab keine Möglichkeit, Geld anzusparen. Regelmäßig lieh sich Sita Geld bei ihren Nachbarn und verschuldete sich so immer mehr.
Der Wendepunkt
Das änderte sich mit dem Projekt, das wir gemeinsam mit unseren lokalen Partnern ICDC und NEEDS in ihrer Gemeinde und weiteren Regionen umsetzen. Ein zentrales Ziel ist es, Kleinbauern – insbesondere Frauen – durch einkommensschaffende Maßnahmen zu stärken, etwa durch die Gründung kooperativer Gruppen. Sita schloss sich einer dieser Bäuerinnengruppen an und erhielt Schulungen zu kommerzieller Landwirtschaft, Bodenmanagement, idealer Saatgutwahl, Gemüseanbau außerhalb der Saison, Verkauf von Produkten auf Märkten sowie Viehzucht. Voller Motivation setzte sie das Erlernte in die Praxis um.
Auf ihrem kleinen Stück Land pflanzt sie jetzt viele verschiedene Gemüsesorten an: Tomaten, Weißkohl, Blumenkohl, Bohnen, Chilis und mehr. Mit der Ernte kann sie nicht nur ihre Familie versorgen, sondern gleichzeitig den erwirtschafteten Überschuss auf dem Markt in Galachi verkaufen. Damit wächst nicht nur das Haushaltseinkommen, sondern auch ihr Selbstvertrauen. Von diesem Erfolg angespornt weitete sie ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten weiter aus und wagte sich an die Schweine- und Ziegenhaltung. Auch mit diesem Standbein erzielt sie inzwischen einen gewinnbringenden Überschuss.
Die Projektgebiete in Galchhi und Kanchanpur sind ländlich geprägt, weitgehend hügelig oder von Überschwemmungen bedroht. Viele Haushalte sind von Armut, Ernährungsunsicherheit und unzureichendem Zugang zu sauberem Trinkwasser betroffen. Die Landwirtschaft ist vorwiegend subsistenzorientiert, Produktivität und Einkommen sind niedrig. Frauen tragen eine besonders hohe Arbeitslast. Mit unserem Projekt verbessern wir die Lebensbedingungen von rund 7.300 Menschen.
Heute verdient Sita monatlich genug, um alle Haushaltskosten selbst tragen zu können. Ihr Ehemann ist inzwischen aus dem Ausland zurückgekehrt und unterstützt seine Frau nun bei der Arbeit.
Sita ist sich bewusst, dass ihr Erfolg anderen Mut machen kann. Und genau das tut sie: offen, bodenständig und herzlich. Sie spricht über ihre Erfahrungen und ermutigt andere Frauen, neue einkommensschaffende landwirtschaftliche Aktivitäten auszuprobieren. Sie ist auf ihren Erfolg sehr stolz: „Früher musste ich selbst für kleine Ausgaben Geld leihen. Heute decke ich alle Haushaltskosten mit meinem eigenen Einkommen. Ich bin selbstbewusst, stolz und selbstständig.“
Sitas Geschichte zeigt, wie unsere Projekte Leben verändern können, wie sie auf den einzelnen Menschen und eine ganze Gemeinschaft wirken kann.