Kürzere Wege zur Maismühle eröffnen neue Chancen
Die neuen Maismühlen ermöglichen mehr selbstbestimmte Zeit. © Karl Kübel Stiftung / Cords
Siebeneinhalb Stunden zu Fuß zur nächsten Maismühle – diese Strapaze mussten viele Maasai-Frauen in unserem Projektgebiet in Tansania auf sich nehmen, wenn sie Mehl mahlen wollten. Heute gibt es vier zusätzliche Mühlen, um die sich die Frauen kümmern, und die Laufstrecken betragen nur noch ein Bruchteil der Entfernung. Doch das ist nicht die einzige Maßnahme, die wir zusammen mit unserer Partnerorganisation CORDS umsetzen, um die Maasai-Frauen zu unterstützen.
In den patriarchalen Strukturen, in denen sie leben, haben sie wirtschaftlich, rechtlich und auch in Sachen gesellschaftliche Teilhabe einen schweren Stand Denn die Rollenverteilung in den elf von Viehzucht lebenden Gemeinden im Norden Tansanias ist klar: Männer streifen mit den Tieren über das Land, während Frauen sich um Familie und Landwirtschaft kümmern. Sie bauen Hütten, versorgen die Gemeinschaft mit Wasser aus teils weit entfernten Wasserquellen, kochen, sammeln Feuerholz und melken die Tiere.
Obwohl sie die Gemeinschaft tragen, werden gerade Frauen im ländlichen Raum bei Entscheidungsfindungen laut eines Berichts der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2021 oft übergangen. Auch ihre Rechte, Land zu besitzen, sind demnach eingeschränkt.
Hier setzt das Projekt mit unserem Partner CORDS (Community Research and Development Services) an: Die Projetmitarbeiter sprechen offen über Geschlechtergerechtigkeit und ermutigen Frauen, ihre Rechte einzufordern. Außerdem teilen sie Wissen über den Klimawandel und leisten Hilfestellung bei der Überwindung von Armut. Um diesem Ziel näherzukommen, erlernen Frauen neue Fertigkeiten, mit denen sie Geld verdienen können – etwa Schmuck herstellen. Sie gründen Mikrokreditgruppen und vergeben untereinander Kredite und in gemeinsamen Schulungen mit Männern erfahren sie, wie sie sich an den Klimawandel anpassen und Widerstandskraft aufbauen können. Insgesamt profitieren 4.000 Menschen.
Auch Rose Lemomo und Neema Kirusha haben an zahlreichen Kursen teilgenommen. Angesprochen auf die größte Verbesserung in ihrem Leben sagen beide, ohne zu zögern: „Die Maismühle.“ Bevor sie errichtet wurde, mussten sie zwölf Kilometer hin und zurück bewältigen, wenn sie Mais mahlen wollten. „Das war eine ganztägige Angelegenheit“, erinnert sich Rose. „Wir brachen früh am Morgen mit dem Mais auf, verbrachten Stunden damit, in der Reihe zu warten, und kamen spät am Abend wieder nach Hause.“ Die Reise war nicht nur ermüdend, sondern auch gefährlich, denn sie begegneten Wildtieren wie Büffeln und Hyänen. Heute ist das anders Neema läuft nur noch 200 Meter zur nächsten Mühle und Rose 2,5 Kilometer. Auch wenn es noch viel zu tun gibt, überwiegt der Optimismus: „Die Mühle hat uns unsere Zeit zurückgegeben“, freuen sich beide.