Kaffeeanbau fördern und neue Einkommensquellen erschließen

Die indigene Bevölkerung in Negros Oriental (Philippinen) leidet unter den Folgen des Klimawandels und dessen Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Die Menschen im Bezirk Canggohob im Hügelland von Negros Oriental (Philippinen) haben es schwer und leben in großer Armut. Ein Projekt der Karl Kübel Stiftung und der Förderung Pagbag-O gibt ihnen neue Hoffnung.

Durch die Entwaldung in den zurückliegenden Jahrzehnten haben die Waldbestände im Canggohob und Umgebung stark abgenommen. Nur sieben Prozent der früheren Waldfläche ist erhalten geblieben! Die Folge: mehr Trockenperioden, Wasserknappheit, Hangrutsche und Erosion, Starkregen. Dadurch wird die Landwirtschaft zusehends geschwächt.

In der Region baut die indigene Bevölkerung, die dem Stamm der Ata angehören, seit Langem Kaffee an. Die Plantagen (Agroforstwirtschaft) sind allerdings in die Jahre gekommen: Die Baumbestände vereinnahmen inzwischen viel Licht, Wasser und Nährstoffe, sodass die Erträge der Kaffeepflanzen gesunken sind. Da die Bohnen weder bei der Ernte noch bei der Weiterverarbeitung ausselektiert werden, vermischen sich die mit guter mit denen minderer Qualität. Das Resultat ist ein Kaffee, der keine hohen Verkaufspreise erzielen kann.

Hinzu kommt, dass der Kaffee über Mittelsmänner verkauft wird, die generell einen sehr niedrigen Preis diktieren. Aus diesem Grund liegt das durchschnittliche jährliche Einkommen der Familien im Bezirk Canggohob mit rund 580 Euro weit unter der Armutsgrenze 2.000 bis 2.200 Euro. Andere landwirtschaftliche Produktionen, wie z.B. Gemüseanbau, gibt es in der Region so gut wie nicht.

Die Wasserversorgung sowohl für den täglichen Bedarf der Bevölkerung als auch für die Bewässerung der Felder, wird von einer Wasserquelle getragen, die stark in ihrer Kapazität nachgelassen hat. Aus diesem Grund kann die fast ausschließlich von Regen abhängige Landwirtschaft in der Trockenzeit nicht die Erträge liefern, die eigentlich notwendig wären, um die Bevölkerung ausreichend zu versorgen.

Um die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern und den Menschen ein ausreichendes Einkommen zu ermöglichen, haben wir mit der Förderation Pagbag-O im Juni 2020 ein Projekt im Bezirk Canggohob gestartet, das bis Ende 2023 läuft.

Insgesamt 200 Haushalte (ca. 1.000 Personen) in sieben Dörfern profitieren künftig von einer besseren Wasserversorgung. Die Hälfe der Haushalt wird darüber hinaus gefördert, um die landwirtschaftliche Produktion zu erhöhen und die Produkte besser vermarkten zu können. Dazu werden u.a. folgende Maßnahmen umgesetzt: 

  • Auf 15 ha werden neue Kaffeepflanzen gesetzt (Agroforstwirtschaft) und 30 ha alte Plantagen werden zurückgeschnitten und gedüngt (Naturdünger)
  • Die Bäuer*innen werden in neuen Anbaumethoden von neuen Gemüsesorten geschult, z.B. Chinakohl, Süßkartoffel.
  • 20 Haushalte erhalten eine Kuh als zusätzliche Einkommensquelle
  • Es wird eine Quellfassung angelegt, damit über Leitungen das Wasser an zentrale Wasserstellen geleitet werden kann. Dadurch kann eine ganzjährige Wasserversorgung gewährleistet werden.
  • Die Kleinbäuer*innen werden geschult, um die Qualität ihres Kaffees zu erhöhen und einen höheren Preis dafür erlangen zu können.
  • Die Bäuer*innen bilden Komitees, die die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte organisieren. Außerdem werden lokale Fachkräfte dazu weitergebildet.

Um die Teilhabe der indigenen Bevölkerung bei Entwicklungsprozessen auf Kommunal-, Kreis- und Distriktebene zu stärken, sind regelmäßige Versammlungen mit Repräsentanten der Dörfer und der Regierung geplant. Außerdem werden Vereinbarungen mit unterstützenden Organisationen und Regierungsdepartments geschlossen, um so die Absatzmärkte und Dörfer besser vernetzen zu können. 

*Agroforstwirtschaft: Elemente des Ackerbaus und der Tierhaltung werden mit denen der Forstwirtschaft kombiniert. Bezogen auf das Projekt bedeutet das: Auf den Plantagen stehen Kaffeepflanzen und auch andere Sträucher und Bäume. 

Schnellnavigation
Zur Suche