Zu Besuch bei Honigbauern im äthiopischen Hochland

Moderne Bienenkästen und eine effektive Honigproduktion haben die Existenz äthiopischer Bauernfamilien langfristig gesichert. Der bewährte Ansatz zur Einkommenssicherung und zum Artenschutz kommt nun in einer weiteren Projektregion zum Einsatz.

Wandel der Honigproduktion im Hochland von Guassa

Wie neue Erntemethoden zur Ernährungssicherung beitragen

Demerech und ihr Mann Abate aus dem Ort Mateky im Hochland von Guassa in Äthiopien leben in ihrem "Grashaus", in der lokalen Sprache Sabeth genannt, unmittelbar am Rande des Rift Valley. Hier fällt das Gelände von über 3.300 Metern um über 500 Meter steil ab. Ackerbau ist nur auf sehr kleinen terrassierten Flächen oder flacheren Bergvorsprüngen möglich. In der Vergangenheit haben der Verdienst und der Ertrag aus der kargen Ernte kaum gereicht, um die Familie zu ernähren. Das hat sich grundlegend geändert.

Seit die Karl Kübel Stiftung zusammen mit der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft ein Entwicklungsprojekt für 660 Kleinbauernfamilien in der Region durchgeführt hat, geht es Demerech und ihrer Familie wesentlich besser. Sie hat an einem Programm zur Umstellung der Bienenhaltung und Honigproduktion teilgenommen, das Teil des Projektes war. Dabei wurden 180 Kleinbauern und -bäuerinnen erfolgreich in moderner Honigproduktion geschult.

Umstellung auf nachhaltige Bienenhaltung

Die Honigproduktion hat in Äthiopien eine lange Tradition, wird aber vielfach sehr extensiv und mit einfachsten Mitteln betrieben. Bei der traditionellen Honiggewinnung werden die Bienenvölker aus hohlen Baumstämmen oder Strohkästen durch Ausräuchern vertrieben. Das schädigt die Bienenvölker oder vernichtet sie sogar. Das Ergebnis ist eine geringe Ertragsleistung. Zudem ist die Qualität des Honigs gering und erzielt einen niedrigen Verkaufspreis.

Ideale Bedingungen für Bienenhaltung

Die Stiftung hat in dem Projekt die Verbreitung moderner Bienenkästen unterstützt und gleichzeitig Schulungen der Bauern durchgeführt. Die Bienen finden hier ideale Voraussetzungen. Bedingt durch die Höhe gedeihen hier in einer völlig unbelasteten Natur vorwiegend Kräuter, die dem Honig ihren eigenen Geschmack verleihen. "Wir haben selbst den Honig direkt aus der Wabe gegessen, ein unvergleichlicher Geschmack", erzählt Ralf Tepel, Vorstandsmitglied der Karl Kübel Stiftung.

Deutliche Ertragssteigerungen

Heute fast zwei Jahre nach Projektende sind die Ergebnisse beeindruckend. Stolz erzählen Demerech und ihr Mann, dass mit den neuen Bienenkästen die Produktion von sechs Kilogramm Honig pro Monat und Kasten um mehr als das Doppelte gesteigert werden konnte. Zudem ist der Honig von viel höherer Qualität, so dass sich damit jetzt wesentliche bessere Preise erzielen lassen. Zwischen 180 und 200 Birr bekommt die Familie pro Kilogramm Honig, das sind umgerechnet etwa 70 Euro pro Monat und Bienenkiste.

Honigproduktion sichert vielen Familien die Existenz

Die Familie bewirtschaftet mittlerweile fünf Bienenkisten. Auch wenn die Haupthonigernte hier im Hochland auf vier bis fünf Monate beschränkt ist, kann die Familie in dieser Zeit genug Honig ernten, um die Familien das ganze Jahr über zu versorgen. Alle vier Kinder der Familie gehen zu Schule. Demerch: „Aus den überschüssigen Einkünften aus dem Honigverkauf haben wir Geflügel und Ziegen gekauft, die wir teilweise aufgezogen und wiederverkauft haben, ein gutes Geschäft!“ Auch für Abate ist die Bienenhaltung ein Segen, denn die karge Landwirtschaft betreibt er nur noch nebenbei. „Die Honigproduktion ist heute unser Hauptverdienst."

Folgeprojekt führt erfolgreichen Ansatz fort

Die verbesserte, umweltverträgliche Honigproduktion ist nur ein Aspekt eines ganzen Maßnahmenpakets, mit dem einerseits die Lebensqualität der verarmten Kleinbauernfamilien verbessert und die Artenvielfalt geschützt werden konnte. Der erfolgreiche Ansatz wurde daher 2017 auf eine weitere Projektregion im Äthiopischen Hochland übertragen. Bis Ende 2021 führen wir dort in Kooperation mit der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft in der Region Bale Berge für 3.600 Familien einkommensschaffende Maßnahmen durch. Die beteiligten verarmten Kleinbauernfamilien werden in einer nachhaltigen, an den Klimawandel angepasste Land- und Weidenutzung geschult. Sie erhalten u.a. eine Einführung in den Obstanbau, erfahren, wie sie den Futteranbau intensivieren können und erlernen wie Demerch und Abate die moderne Bienenhaltung.

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