"Die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen müssen stärker berücksichtigt werden"

Dr. Katharina Gerarts hat am 1. Dezember 2020 ihr Amt als Vorständin bei der Karl Kübel Stiftung angetreten. Im Interview erzählt die 36-Jährige, was sie an der neuen Stelle reizt.

Dr. Katharina Gerarts freut sich auf ihr neues Amt als Vorständin. © Karl Kübel Stiftung / Thomas Neu

Dr. Katharina Gerarts hatte zuletzt eine Professur für Kindheitswissenschaften an der Ev. Hochschule Darmstadt inne und war von 2017 bis 2019  ehrenamtliche Beauftragte für Kinderrechte bei der Hessischen Landesregierung.

Was hat Sie an der Vorstandsstelle gereizt?

Katharina Gerarts: Mein Wunsch ist, in einer hohen Selbstwirksamkeit für das Wohlbefinden von Kindern und Familien zu sorgen. Als Vorständin der Karl Kübel Stiftung sehe ich hierfür große Chancen, etwas in Bewegung zu setzen, was Kindern in ihrer Entwicklung auch nachhaltig und langfristig hilft.

Was macht für Sie die Karl Kübel Stiftung aus?

Gerarts: Die Karl Kübel Stiftung ist für mich eine äußerst professionell arbeitende Organisation, die die Arbeit für Kinder und Familien im In- UND im Ausland vorantreibt. Ihr Stiftungszweck, nämlich Familien und Kinder in den Blick zu nehmen, ist universell und überdauernd. Das finde ich sehr reizvoll und besonders.

Sie machen sich schon seit Langem für Kinderrechte stark. Was muss sich Ihrer Ansicht nach dringend in Deutschland diesbezüglich ändern und wie kann die Karl Kübel Stiftung dazu beitragen?

Gerarts: Meiner Ansicht nach müssen die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen, also ihre Meinung zu allen sie betreffenden Maßnahmen und Belangen, deutlich stärker berücksichtigt werden. Das ist so auch im Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten. Die Karl Kübel Stiftung macht sich für das Empowerment von Kindern und Familien stark. Kinder erfahren über die Projekte der Stiftung, hierzulande und weltweit, dass sie wichtig sind, ernst genommen werden und ihre Bedürfnisse zählen.

Auch Familien benötigen Unterstützung. Was muss sich für sie in Deutschland dringend ändern?

Gerarts: Familien leben in herausfordernden Zeiten, die Ansprüche an Familien sind gewachsen, sei es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch bei der Erziehung, in der wir viel mehr auf Augenhöhe mit Kindern und Jugendlichen interagieren wollen. Es ist für Familien nicht immer leicht, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Karl Kübel Stiftung setzt sich unter anderem über ihre Fortbildungs- und Beratungsinstitute dafür ein, dass die Rahmenbedingungen, in denen Familien mit ihren Kindern leben, förderlich sind.

In den vergangenen Wochen haben Sie bereits einen Einblick in die Arbeit der Stiftung erhalten. Wo sehen Sie Herausforderungen für die Zukunft?

Gerarts: Die Karl Kübel Stiftung hat sich in den letzten Jahren unheimlich entwickelt, hat ihr Portfolio ausgebaut und ist auch in ihrer Wirksamkeit gewachsen. Mir ist sehr daran gelegen, den Kern – für das Wohlbefinden von Kindern und Familien zu sorgen – zu bewahren und gleichzeitig für die sich verändernde Welt und Gesellschaft attraktiv zu beschreiben. Damit einher geht, dass wir unser Stiftungsprofil auch für Außenstehende verdeutlichen und bekannt machen.

Haben Sie schon konkrete Ideen für die nächste Zeit?

Gerarts: Zunächst einmal gilt es, die Stiftung weiter gut zu kennenzulernen. Ich habe aber für die mir zugeordneten Bereiche, die Inlandsarbeit sowie die Fortbildungs- und Beratungsinstitute, schon konkrete Ideen, wie wir unsere Profilschärfung vorantreiben und im Sinne des Stifters weiter agieren können. Wenn die Pandemie es wieder zulässt, möchte ich unbedingt meine Netzwerkarbeit aufnehmen. Denn eins ist ganz klar: Wenn viele Akteure und Akteurinnen an einem Strang ziehen, lässt sich ein Ziel umso besser und schneller erreichen.

Sie sind Mutter von zwei Kindern (8 und 11 Jahre). Wie haben Sie den Beginn der Corona Pandemie erlebt?

Gerarts: Besonders die Zeit des Lockdowns sowie das damit verbundenen Homeschooling und Homeoffice waren durchaus anstrengend, für alle Beteiligten. Die Schließung der Schulen und aller Freizeitorte hat gezeigt, wie sehr Familien mittlerweile auf die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen angewiesen sind. Hier sollte es aber nicht nur um eine Betreuung, sondern um eine qualitativ hochwertige und ganzheitliche Bildung von Kindern und Jugendlichen gehen. Ich befürchte, dass uns die Corona-Krise hier zurückgeworfen hat. Ich wünsche mir, dass die Krise auch als Chance wirken kann, sei es im Bereich der Digitalisierung, aber auch in einem neuen Verständnis von Bildung und Betreuung.

Hat sich in der Zwischenzeit diesbezüglich etwas getan?

Gerarts: Die Schulen und Kitas sind zwar größtenteils wieder beziehungsweise noch geöffnet, Freizeitaktivitäten sind aber nach wie vor nur sehr eingeschränkt möglich. Für Kinder und Jugendliche ist es schwer, ihre für sie so wichtigen Freundschaftsbeziehungen zu pflegen. Wir können momentan noch nicht abschätzen, welche Konsequenzen der Lockdown und alle darauffolgenden Maßnahmen für Kinder und Jugendliche haben; Bisherige Studien zeigen, dass wir es hier auch mit sehr heterogenen Auswirkungen zu tun haben, je nachdem, mit welchen Ressourcen Familien ausgestattet waren und sind. Insofern gibt es noch viel zu tun und ich bin sicher, dass die Karl Kübel Stiftung sich in ihren Projekten auch hier wirkungsvoll einsetzen wird.

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