Einkommenssicherung und Gemeindeaufbau in Myanmar

Die Karl Kübel Stiftung engagierte sich von 2017 bis 2021 im südostasiatischen Myanmar für Nahrungsmittelsicherheit, Ressourcenschutz und Gemeindeaufbau.

In unserem Projekt in Myanmar lernten die Menschen z.B. Lehmöfen zu bauen. Diese verursachen weniger Rauch und sparen Holz. © Karl Kübel Stiftung / Kyaung Htar Mi Khin

2017 startete unser Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen von 672 Familien in zwölf Dörfern an der Küste Myanmars. Das Projekt „Nahrungsmittelsicherheit, Gemeinde- und Zivilgesellschaftsentwicklung“ verfolgte das Ziel, die Lebensbedingungen der Kleinbauer*innen und Landlosen in den zwölf Dörfern dauerhaft verbessern.

Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort wollten wir das Einkommen der Menschen in dem zweitgrößten Land Südostasiens nachhaltig sichern und sie dabei unterstützen, ihre natürlichen Ressourcen zu schützen. Unser Vorhaben wurde zu 75 Prozent vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert.

Ausgangslage in Myanmar

Die einstige Kornkammer Südostasiens zählte nach 50 Jahren Militärdiktatur zu den ärmsten Ländern der Region. Von 51,49 Millionen Einwohnern lebte mindestens ein Viertel unterhalb der Armutsgrenze. Seit 2011 befand sich Myanmar in einem Demokratisierungsprozess. Das politische Bewusstsein war bislang kaum entwickelt. Insbesondere an den Grenzen des Landes kam es nach wie vor zu ethnischen Konflikten.

Wir waren in Myanmar von 2017 bis 2021 tätig und förderten mit unserem Projekt rund 5.200 Menschen (direkte Zielgruppe).

Unser Projektgebiet

Die Familien im Projektgebiet im Rakhine State waren größtenteils in der Landwirtschaft tätig und lebten unterhalb der Armutsgrenze. Viele Haushalte waren hoch verschuldet. Veraltete Anbautechniken, schlechtes Saatgut und krankes Nutzvieh führten zu geringen Erträgen. Durch die Abholzung der Wälder schritt die Bodenerosion fort.

Effizienter Heizen mit selbstgebauten Lehmöfen

Eine erfahrene lokale Partnerorganisation führte in zwölf Dörfern nachhaltige Produktionsmethoden ein, nahm Infrastrukturinvestitionen vor und führte Maßnahmen zum Ressourcenschutz durch. Beispielsweise wurden die Menschen in den Projektgebieten geschult, selbst Lehmöfen zum energieeffizienten Kochen herzustellen. Dies spart zum einen Holz und schützt so die Wälder. Zum anderen müssen die Frauen und Mädchen, die traditionell für das Sammeln von Feuerholz verantwortlich sind, weniger Zeit aufwenden. Mit den Infrastrukturinvestitionen können die Menschen zum Beispiel einen neuen Brunnen bauen oder einen kleinen Staudamm errichten.

Zivilgesellschaft stärken

Das Projekt beschränkte sich jedoch nicht auf die Einführung nachhaltigerer Produktionsmethoden, sondern trug durch den Aufbau von Selbsthilfegruppen, Dorfentwicklungskomitees und lokalen NGOs zur Organisationsentwicklung und Verbesserung der politischen Teilhabemöglichkeiten der Menschen bei. So werden Entwicklungsprozesse in Gang gesetzt, die auch nach Projektende weiterwirken.

Der Projektpartner Kyaung Htar Mi Khin (KHMK) koordinierte die Durchführung des Projekts vor Ort. Die 2005 gegründete Organisation mit Sitz in Yangon besitzt langjährige Erfahrung, um Projekte im Bereich Sozialstrukturaufbau, Demokratisierung und Landwirtschaft durchzuführen.

Projektende

Mit Beginn des Militärputsches Anfang Februar 2021 verschlechterten sich die politischen Rahmenbedingungen im Projektgebiet dramatisch. Reisebeschränkungen, Ausgangssperren und eine anhaltende, schlechte Sicherheitslage erschwerten die Umsetzung der entwicklungspolitischen Maßnahmen. Nach 2021 konnte das Projekt aufgrund der konfliktbehafteten Gegebenheiten nicht weitergeführt werden.