Kosovo - für ein friedliches Miteinander

Im Kosovo engagieren wir uns für die Wiedereingliederung von Roma-Familien

Unser Engagement im Kosovo fällt auf den ersten Blick aus unserer Auslandsarbeit heraus – handelt es sich doch beim Kosovo nicht um ein klassisches Entwicklungsland, sondern um einen Staat mitten in Europa. Die Entscheidung, sich hier zu engagieren, geht noch auf den Stifter Karl Kübel (1909 -2006) zurück. Dieser entschied angesichts der Gräueltaten im Kosovokrieg spontan, sich quasi „vor der eigenen Haustür“ im Jahr 2000 mit seiner Stiftung für ein friedliches Miteinander zwischen den Volksgruppen einzusetzen. Ihm war es wichtig, Konflikte und Traumata insbesondere bei Kindern möglichst schnell aufzuarbeiten und so zu einer friedlichen, demokratischen, multiethnischen Gesellschaft beizutragen.

Roma-Rückkehrenden gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen

Was als Hilfspaket für kriegstraumatisierte Kinder begann, hat heute seinen Fokus auf der Unterstützung stark diskriminierter Roma-Familien. Besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen gehört zu unseren Zielen und zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Stiftungsarbeit.

Wir sind im Kosovo seit 2000 tätig. Mit derzeit zwei laufenden Projekten fördern wir aktuell rund 4.300 Menschen.

Viele Angehörige der Roma-Gemeinschaft sind vor und nach dem Kosovo-Konflikt in den 90er Jahren und während der Flüchtlingskrise 2015 angesichts der Armut und Perspektivlosigkeit in Richtung EU, insbesondere nach Deutschland, geflohen. Aufgrund der verschärften Asylbestimmungen wurde rund ein Viertel der Geflohenen mittlerweile wieder in den Kosovo rückgeführt – oft völlig unvermittelt ohne vorherige Ankündigung.

Leben in der Warteschleife

„Insbesondere für die Rückkehrer*innen der Roma-Gemeinschaften ist es schwer, im Kosovo Fuß zu fassen“, berichtet Projektreferentin Sigrid Maurer. Im mehrheitlich von Albaner*innen bewohnten Land sind die Roma nach wie vor in allen Bereichen benachteiligt. „Es ist eine fast ausweglose Lage, in der sich die Roma-Rückkehrer*innen befinden“, betont Maurer. „Sie haben oft keinen festen Ort zum Wohnen, keine Arbeit und keine Perspektive.“

Oft sind die Rückkehrer*innen provisorisch auf engstem Raum untergebracht. Wie Faridin Dogani und seine fünfköpfige Familie, denen ein baufälliges, leerstehendes Haus zugewiesen wurde. Es regnet durchs Dach, das ganze Haus ist einsturzgefährdet. Dogani würde das Haus gerne renovieren – er ist gelernter Verputzer –, doch das lässt die Gemeindeverwaltung nicht zu, weil ihm das Haus nicht gehört.

Extrem hohe Arbeitslosigkeit in den Roma-Mahallas

Wie rund 97 Prozent der Roma-Rückkehrenden in den Projektgebieten hat auch Dogani nach seiner Rückkehr keine Arbeit gefunden. Viele sind auf die Unterstützung durch Familienangehörige angewiesen und müssen mit weniger als zwei Euro pro Tag auskommen. Das reicht kaum zum Leben. Entsprechend schlecht ist der Gesundheitszustand bei den Bewohner*innen der sogenannten Roma-Mahallas (Roma-Nachbarschaften).

Zu viele Neuanfänge erschweren Roma-Kindern den Schulbesuch

Jedes zehnte Kind zwischen fünf und 14 Jahren in den Projektgebieten geht nicht regelmäßig zur Schule. Einer von ihnen ist Hasan, der älteste Sohn der Familie Dogani. Er musste die Schule abbrechen, als die Familie das Land verließ und hat nach der Rückführung in das Kosovo keinen Anschluss mehr gefunden. Viele Rückkehrer-Kinder sprechen, wie Hasan, besser Deutsch als die Landessprache Albanisch. Ohne Schulabschluss und qualifizierte Bildung haben Kinder wie Hasan keine Zukunft. Hier setzen unsere Maßnahmen zur Wiedereingliederung von Roma-Rückkehrenden an, wie z.B.:

  • gezielter Förderunterricht für Kinder von Rückkehrenden
  • gemeinsames Lernen und Spielen mit Kindern anderer Volksgruppen in sogenannten Lernzentren und Schulen
  • Aufbau von Netzwerken und Stärkung der Roma-Gemeinden
  • berufliche Qualifizierung arbeitsloser Roma, z.B. in Elektroinstallation, Schweißen, Gastronomie, IT
  • mobile Kliniken zur besseren Gesundheitsversorgung der Roma-Gemeinden

„Mit diesen Maßnahmen gelingt es uns, step by step, die isoliert lebenden Rückkehrerfamilien in die kosovarische Gesellschaft zu integrieren“, sagt Maurer. „Dabei ist es uns im Sinne einer ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ besonders wichtig, nachhaltige Netzwerke zu etablieren.“ Als Beispiel nennt sie Roma-Frauen, die vor Ort zu Mediatorinnen ausgebildet werden. „Diese Frauen stellen für uns ein wichtiges Bindeglied zu den Mahallas dar. Sie nehmen den zurückgekehrten Roma-Frauen die Ängste, klären sie über ihre Rechte auf und helfen auch bei psychischen Problemen und der Anbindung an lokale Einrichtungen und Ämter."

Endlich auf eigenen Beinen stehen

Bei Projektbesuchen zeigt sich Maurer erfreut darüber, wie gut die Wiedereingliederung der Roma-Kinder in den allgemeinen Schulunterricht mittlerweile funktioniert. „Insbesondere gemeinsame Sportaktivitäten wirken hier Wunder.“ Weniger schnell greifen die Maßnahmen zur Integration der Roma in den Arbeitsmarkt. Berufsbildungskurse, Alphabetisierungskurse und Starthilfen zur Existenzgründung haben deshalb jetzt in den Projekten für uns Priorität.

Bei Faridin Dogani und seiner Familie ist die Freude groß: Nach drei Jahren Ungewissheit hängt die Familie nicht mehr länger in der Luft. Mit einem Startpaket in Höhe von 1.400 Euro kann der 46-Jährige ein Gerüst kaufen und sich als Verputzer selbstständig machen. „Endlich bin ich nicht mehr auf Hilfe angewiesen und kann wieder selbst für meine Familie sorgen.“

Mit Ihrer Spende schenken Sie Roma-Familien im Kosovo eine Zukunft im eigenen Land.

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