Aktuelles

Fachtag Kinder aus Flüchtlingsfamilien - Chancen und Herausforderungen für die Kita

1. Dezember 2016. Sozial- und Integrationsminister Stefan Grüttner: „Früher Zugang zu Bildungseinrichtungen und Kindertagespflege entscheidend für erfolgreiche Integration“

v.l.n.r.: Kreisbeigeordneter Matthias Zach, Jürgen Wüst, KKS, Anja Köbe, KKS, 1.500. Teilnehmerin Monika Zeiger, KiTa St. Peter Gelnhausen, Prof. Dr. Timm Albers, Uni Paderborn, Heike Hofmann-Salzer, HMSI, Christine Schaffer, HMSI (© Karl Kübel Stiftung)

Gelnhausen. Als „großen Erfolg“ hat der Hessische Sozial- und Integrationsminister Stefan Grüttner am 1. Dezember in Wiesbaden die Veranstaltungsreihe des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration zum Thema „Kinder aus Flüchtlingsfamilien - Chancen und Herausforderungen für die Kita“ bezeichnet. „Bildung und Sprachförderung beginnt in der Kita. Der Erwerb der deutschen Sprache ist der Schlüssel zu persönlicher und später auch beruflicher Integration. Das Land Hessen hat deshalb so genannte Schwerpunkt-Kitas allein im vergangenen Jahr mit 32 Millionen Euro gefördert und ich freue mich, dass wir im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe bereits die 1500. Teilnehmerin begrüßen konnten“, so der Minister.

Die Veranstaltungsreihe mit den insgesamt zehn Fachtagen stieß auf eine hohe Resonanz. Dies zeige das große Engagement und die hohe Bereitschaft des pädagogischen Personals der hessischen Kitas und der Tagespflegepersonen, sich beständig zu qualifizieren, um auch den besonderen Bedarfen von Kindern aus Familien mit Fluchthintergrund professionell zu begegnen, lautete das Resümee von Cornelia Lange, Leiterin der Abteilung Familie im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, beim heutigen Fachtag „Kinder aus Flüchtlingsfamilien und der BEP – Chance und Herausforderung für die Kita “ im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen.

Zuvor hatte sie die bereits 1500. Teilnehmerin an der Veranstaltungsreihe begrüßen können. Monika Zeiger, Erzieherin in der Kindertagesstätte St. Peter, in Gelnhausen konnte sich darüber hinaus über einen Blumenstrauß und ein Buchgeschenk freuen.

Nach Hessen kamen im Jahr 2015 im Zuge der Fluchtbewegungen rund 80.000 Menschen, unter ihnen viele Kinder. Um die Aufnahme und die Integration dieser Kinder und ihrer Familien bestmöglich zu gewährleisten, hat die Hessische Landesregierung schon früh ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen und auf den Weg gebracht. Dazu gehörte bereits im November 2015 eine erste Fachtagung für pädagogische Fachkräfte in Kitas, Fachberatungen und Trägervertretungen, um die hessischen Kindertageseinrichtungen auch über die Anforderungen im Umgang mit Familien mit Fluchthintergrund zu sensibilisieren und zu informieren.

„Das Interesse an dieser ersten Veranstaltung am 23. November in Wetzlar war überwältigend, so dass wir uns umgehend dazu entschieden haben, den Fachtag noch mehrfach in unterschiedlichen Regionen Hessens durchzuführen und auch auf den Bereich der Kindertagespflege zu erweitern. Die Tatsache, dass alle folgenden Termine ausgebucht waren und großes Interesse an der Fortführung der Veranstaltungsreihe besteht, bestätigt uns, dass es wichtig und richtig war, den in der Kinderbetreuung Tätigen mit dieser Veranstaltung frühzeitig fachliche Unterstützung anzubieten“, so die Bilanz von Cornelia Lange.

Seit Beginn des Jahres 2016 ist die Karl Kübel Stiftung als Kooperationspartner des HMSI mit der Vorbereitung, Durchführung und Moderation der Fachtage sowie der Durchführung eines Workshops betraut. „Kinder und Familien mit Fluchterfahrung – das ist ein wesentlicher Schwerpunkt auch unserer Arbeit“, erklärt Daniela Kobelt Neuhaus vom Vorstand der Karl Kübel Stiftung. „Die Stärkung von Familien mit jungen Kindern, unabhängig von ihrer sozialen, ethnischen oder geografischen Herkunft ist ein zentrales Ziel unserer Stiftung. Die Förderung der Zusammenarbeit mit den Eltern - auch in den Kindertageseinrichtungen - als Experten ihrer Kinder ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir beteiligen uns deshalb gerne als Partner des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration an dieser Veranstaltungsreihe“.

Auch die Veranstaltung im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen hatte wieder ein vielseitiges Programm zu bieten. In ihrem Grußwort dankte Cornelia Lange dem Main-Kinzig-Kreis als Gastgeber herzlich für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Unterstützung im Vorfeld. Der Kreisbeigeordnete, Matthias Zach, der die Veranstaltung am Morgen mit eröffnet hatte, zeigte sich erfreut, dass der Main-Kinzig-Kreis als einer der Veranstaltungsorte ausgewählt worden war. „Wir legen ein besonderes Augenmerk auf die Qualität der Kindertagesbetreuung. Dies gilt sowohl für die Einrichtungen im Kreis als auch für die Kindertagespflege, die uns besonders am Herzen liegt. Die Qualifizierung im Umgang mit Kindern mit Fluchthintergrund und ihren Familien ist dabei ein wichtiger weiterer Baustein der umfangreichen Ausbildung der Betreuungspersonen“, so Zach in seinem Grußwort.

Zwei wissenschaftliche Fachvorträge, von Prof. Dr. mult. Wassilios Fthenakis und Prof. Timm Albers vermittelten aktuelle Forschungsergebnisse und Impulse zum Umgang mit Vielfalt in der Kinderbetreuung. Vor allem der Aspekt „Familienkulturen“ stieß auf großes Interesse und Aha-Erlebnisse bei den Teilnehmenden aus der Praxis. „Ich fand es sehr aufschlussreich zu hören, worin die unterschiedlichen Erziehungsstile und Entwicklungsziele von Eltern begründet liegen. Dies hilft mir im Kita-Alltag, den Umgang mit Eltern unterschiedlicher Herkunft erfolgreicher zu gestalten und Missverständnisse zu vermeiden“, so eine der Teilnehmerinnen. In zwei Workshop-Durchgängen hatten die Teilnehmenden des Fachtags die Möglichkeit, einzelne Themen, z.B. mit dem Umgang mit Traumata, dem Spracherwerb, den Rechten der Flüchtlingskinder sowie mit der Zusammenarbeit mit Eltern zu vertiefen.

Kindertageseinrichtungen spielen für geflüchtete Familien – auch wenn sie im Herkunftsland wenig üblich sind – oft eine bedeutende Rolle als Willkommensorte im neuen Zuhause. Für Eltern und Kinder mit Fluchterfahrung sind Kontakte, die ihnen ein Ankommen in Deutschland erleichtern, sehr wichtig. Sie können dort Kontakte zu anderen Familien knüpfen, ihr neues Lebensumfeld kennenlernen, erste Freundschaften schließen und die deutsche Sprache lernen. Pädagogische Fachkräfte sind Schlüsselpersonen, die Zugänge zum deutschen Bildungssystem eröffnen und eine verlässliche und ressourcenorientierte Begleitung sicherstellen. Kindertageseinrichtungen bieten den Eltern auch Freiräume für eigene Belange, z.B. für den Besuch von Deutschkursen oder für Behördengänge.

Die Aufnahme von Kindern aus Familien mit Fluchterfahrung stellt Tageseinrichtungen für Kinder, Kindertagespflegepersonen, Träger und Fachberatungen im pädagogischen Alltag jedoch auch vor besondere Herausforderungen. Die Kinder und ihre Familien haben oft traumatische Erlebnisse zu verarbeiten; sie müssen den Verlust ihrer Existenz verkraften, eine neue Kultur verstehen, neue Beziehungen aufbauen und eine fremde Sprache lernen. „Mit dem Bildungs- und Erziehungsplan (BEP), der Grundlage der pädagogischen Arbeit vieler Einrichtungen ist, verfügen wir in Hessen bereits über eine hervorragende Ausgangslage“, erläuterte Cornelia Lange abschließend. „Er beinhaltet einen konsequent inklusiven Ansatz und begrüßt Vielfalt und Diversität als eine große Chance und Bereicherung für alle Kinder und leistet damit einen wichtigen Beitrag für das Gelingen von Integration.

Weitere Informationen zum Fachtag und zum Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan stehen im Internet unter https://bep.hessen.de.

Jede Spende hilft Jetzt spenden Initiative Transparente Zivilgesellschaft BIC HELADEF1BEN
IBAN DE41 5095 0068 0005 0500 00