Inlandsarbeit

Lernen mit Zeitung

Frühe Bildung im Kindergarten fördert Chancengleichheit

Zeitungsprojekt am Beispiel des Kindergartens Rodau, Zwingenberg

© Fotos: Karl Kübel Stiftung

Im Kindergarten Rodau in Zwingenberg schnippeln vier Kinder eifrig Fotos aus der Tageszeitung aus. Daraus bastelt dann jedes seine eigene „Zeitung“. Es ist Mittwochmorgen und damit Zeit für das Projekt „Lernen mit Zeitung“, das die Erzieherin Renate Kröbel gemeinsam mit den Vorschulkindern der Kita durchführt. Initiiert wurde das Projekt von der Karl Kübel Stiftung.

Ziel der Initiative ist es, Kinder frühzeitig ans Lesen heranzuführen. In ihrer Lokalzeitung entdecken die Fünf- bis Sechsjährigen ihr direktes Lebensumfeld und darüber hinaus die „große weite Welt“. Das funktioniert auch und gerade mit Kindern, die noch nicht lesen können. Denn jede Zeitung steckt voller Fotos, Bilder und Symbole, die die Neugier der Kinder wecken. Oliver beispielsweise hat gerade einen antiken Pferdekopf ausgeschnitten, der in Hessen ausgegraben wurde. „Besonders beliebt sind bei den Kindern Tierbilder und natürlich alles rund um den Sport“, berichtet Kröbel.

Bevor es ans Ausschneiden geht, schaut sich die Erzieherin gemeinsam mit den Kindern die Zeitung an und bespricht die Fotos der aktuellen Ausgabe. Die Kinder löchern Kröbel mit Fragen und sie berichtet, was es mit den Bildern auf sich hat. Hierzu wurde Kröbel, wie die anderen Projektteilnehmer*innen auch, speziell von der Karl Kübel Stiftung geschult.

Lernen mit Zeitung schult kognitiven und motorischen Fähigkeiten der Kinder

„Das Arbeiten mit der Zeitung macht den Kindern ungeheuer viel Spaß“, betont die Rodauer Erzieherin. Der Mehrwert ist enorm: Beim Schneiden und Kleben schulen die Kinder ihre feinmotorischen Fähigkeiten. Wenn sie eine eigene Titelseite gestalten, lernen sie, Bilder zu erkennen und in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Und sie machen erste Erfahrung mit Sprache. Wie Oliver, der gerade das Pferdekopf-Bild aufgeklebt hat. „Was soll ich zu dem Foto dazuschreiben?“, fragt ihn seine Erzieherin. Oliver überlegt eine Weile. Dann antwortet er: „Schreib: da mussten sie ganz lange graben, bis sie den gefunden haben!“ So erweitern die Themen der Tageszeitung das Blickfeld der Kinder und deren Wortschatz. „Lernen mit Zeitung im Vorschulbereich legt damit früh Grundlagen für die Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz“, betont Kobelt Neuhaus, Vorstandsmitglied der Karl Kübel Stiftung.

Gleichberechtigte Chance auf Bildung für alle Kinder

Wissenschaftliche Studien belegen, dass Kinder, die in der frühen Kindheit vielfältige Erfahrungen mit Sprache gemacht haben, in der Schule schneller Lesen und Schreiben lernen. In der Elementarpädagogik ist diese Form des Lernens unter dem Begriff "Literacy" bekannt. „Aber nicht alle Familien können Kinder im Umgang mit Texten, Geschichten und Bildern zuhause gut begleiten“, erklärt Kobelt Neuhaus, Initiatorin des Projekts. „Daher sollte Lernen mit Zeitung einen festen Platz in den Kindergärten bekommen, damit alle Kindergartenkinder eine gleichberechtigte Chance auf Bildung haben.“

Stiftung möchte Projekt bundesweit ausbauen

Entwickelt wurde „Lernen mit Zeitung“ in Bensheim in Kooperation mit dem Bergsträßer Anzeiger. Im Raum Bergstraße erhalten mehrere Kindergärten täglich die Tageszeitung. Auch im Saarland kooperiert die Stiftung zurzeit mit den regionalen Zeitungshäusern. Künftig möchte die Stiftung bundesweit mit Regionalzeitungen zusammenarbeiten, damit möglichst viele Kinder frühzeitig lernen, sich mit ihrem eigenen Lebensumfeld auseinanderzusetzen. 

Infoflyer Literacy

Ansprechpartner

Dr. Jürgen Wüst
Tel.: 06251 / 7005-54
E-Mail: j.wuest(at)kkstiftung.de

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