Die Marys helfen krebskranken Menschen auf der Straße

Die Schwestern im Konvent von der Society of the Helpers of Mary unterstützen benachteiligte Menschen in Mumbai. Unsere Freiwilligen Anne und Nina haben sie auf der Fahrt zu einer Krebsklinik begleitet.

Anne Grahl (l.) und Nina (4.v.l.) helfen den Schwestern von SHM beim Verteilen von Hilfspaketen an Krebspatient*innen. © KKS / Grahl

Ein Erfahrungsbericht von Anne Grahl

Es ist 6 Uhr morgens, als wir den Konvent der Society of the Helpers of Mary (SHM), in Andheri West, einem Stadtteil von Mumbai verlassen. Wir, das sind drei Schwestern, Nina - meine Projektpartnerin - und ich, Anne. Nachdem ich im Sommer 2019 mein Abitur gemacht habe, begann ich meine Reise von Braunschweig in Niedersachsen nach Indien und lebe nun schon seit sieben Monaten hier in Mumbai. 

Wir sind auf dem Weg zum Tata Memorial Hospital, einem zwölfstöckigen, staatlichen Krankenhaus, das sich auf die Behandlung und Erforschung von Krebs spezialisiert hat. Dort verteilen wir Pakete an Krebspatient*innen und deren Angehörige, die nach Mumbai kommen, um hier eine kostenfreie Chemotherapie zu erhalten. Allerdings ist das Krankenhaus völlig überlastet und kann die Erkrankten nicht alle aufnehmen. Die Menschen warten endlos auf einen Termin beim Arzt, auf einen Test, Ergebnisse einer Untersuchung, oder eine Operation. Eine Unterkunft können sie sich nicht leisten, weshalb sie auf dem Bürgersteig vor dem Krankenhaus leben.

SHM hat sich dazu entschlossen, Spendengelder, Lebensmittel und Decken bereitzustellen, um die betroffenen Menschen zu unterstützen. „Die Marys“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, benachteiligten Personen zu helfen. In diesem Fall ist eine Schwester über die Gemeinde auf die Situation vor dem Krankenhaus aufmerksam gemacht geworden. Insgesamt haben die Schwestern 150 Pakete an drei Tagen verteilt.

Als wir in die Jerabai Wadai Street einbiegen, die einmal rund um das Krankenhaus führt, sehen wir auf den Bürgersteigen auf beiden Straßenseiten Hunderte Menschen liegen, in kleinen Grüppchen von zwei bis drei Personen. Obwohl es noch früh ist, herrscht schon reges Treiben. Die Menschen stehen an kleinen Essensständen an, um zu frühstücken oder stellen sich in einer Schlange vor dem Krankenhaus an. Wir parken am Bürgersteig und steigen aus. Die Menschen werden auf uns aufmerksam, als wir anfangen, die Pakete zu verteilen. Sie stehen teilweise auf, werden aber nicht aufdringlich. In den Paketen sind Decken, Saris, Hygieneartikel, wie zum Beispiel Zahnpasta, und Nahrung. Die Menschen sehen sehr schwach aus. Viele haben sichtbare Lymphknoten, Wunden von kürzlich durchgeführten Operationen, die nicht richtig verbunden sind, oder haben Schläuche in den Armen.

Die Schwestern fragen die Menschen auf Hindi, woher sie kommen und wie lange sie schon hier sind. Eine junge Frau mit Kleinkind auf dem Arm erzählt, dass sie schon über drei Monate vor dem Krankenhaus lebe, sie komme aus Uttra Paresh, einem Bundesstaat im Norden Indiens. Sie sei hier, weil es dort keine Behandlungsmöglichkeit gebe. Andere erzählen ähnliches. Sie kommen aus verschiedenen Teilen Indiens nach Mumbai, da es in ihren Heimatdörfern keine ausreichende Gesundheitsversorgung gibt. Um nach Mumbai kommen zu können, müssen die meisten sich Geld leihen, zudem geben viele ihre Arbeit auf. Auch einige Kinder sind dabei. Sie sind mit ihren Eltern mitgekommen, da niemand in ihrer Heimat auf sie aufpassen kann. Während sie hier sind, können sie nicht zur Schule gehen.

Normalerweise helfen Nina, meine Projektpartnerin, und ich die meiste Zeit in „unserem“ Konvent. Wir geben Nachhilfeunterricht im Kinderheim oder verteilen Essen im Altersheim. Ausflüge wie dieser geben uns die Chance, noch mehr über Mumbai, bzw. Indien und seine Probleme zu lernen.

NGO Society of the Helpers of Mary

Die Society of the Helpers of Mary ist in Mumbai tätig. Unsere Partnerorganisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, benachteiligte Menschen in  Mumbai zu stärken und zu unterstützen. Die Society fördert vielfältige Aktivitäten und Einrichtungen wie ein Ausbildungszentrum, ein Hostel für benachteiligte Kinder, einen Kindergarten, eine Vorschule für Kinder des benachbarten Slums, Gesundheitsversorgung und  Gesundheitsberatung, ein Heim für obdachlose alte Menschen, Einkommens schaffende Maßnahmen u.v.m.

Der weltwärts-Freiwilligendienst wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.

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