Zwischen Murti und dem Jesus Kreuz - Ganesh Chaturthi im Konvent

Ronja Ritzel engagiert sich als weltwärts-Freiwillige bei der Society of the Helpers of Mary (SHM) in Mumbai/Indien. Hier erzählt sie von einem der bedeutendsten hinduistischen Feste, das sie mit den Einheimischen gefeiert hat.

Eine Gruppe Menschen mit Ganesh-Statue

Ronja (hintere Reihe, 2.v.l.) machte mit ihrer Teampartnerin Anna und den Kindern des Kinderheims einen Ausflug zu einer Murti. © privat

Ein Bericht von Ronja Ritzel

Laute Trommeln, die im Rhythmus der tönenden Lautsprecher-Musik mit pulsieren. Im Vordergrund, eine Gruppe von schillernd bunten Frauen, Männern und Kindern, die sich allesamt elegant im Takt der religiösen Hintergrundmusik bewegen. Hinter ihnen, ein großer Wagen, geschmückt mit leuchtenden Blumen, Lichterketten und Räucherstäbchen. Und mittendrin – die Ganesh Statue. Das ist Ganesh Chaturthi. Eines der bedeutendsten hinduistischen Feste Indiens, das besonders hier in Mumbai aufwendig gefeiert wird.

Fast alle hinduistischen Glaubensströmungen verehren Ganesha, den Gott mit dem Elefantenkopf, die Verkörperung von Weisheit, Glück und Erfolg. Für die meisten Menschen gilt er als die wichtigste Darstellung Gottes, die Hauptgottheit. Keine Tätigkeit und kein Gottesdienst kann hier ohne seinen Beistand beginnen.

Auftakt für viele Feiern im Herbst

An Ganeshas Geburtstag findet die Ganesh Chaturthi statt. Das Fest fällt auf den vierten Tag des Hindu-Monats Bhadrapad (nach dem hinduistischen Mondkalender, meist September). Der Tag ist der Auftakt von vielen Herbstfeierlichkeiten , nicht nur im religiösen, sondern auch im sozialen Bereich, die im Oktober und November folgen. Überall  –  in Haushalten, auf öffentlichen Plätzen, in Schulen ­–  werden in dieser Zeit geweihte Statuen, sogenannte Murtis, aufgestellt. Oft ist es Aufgabe der Kinder, diese Figuren aus Tonerde herzustellen. Die Statuen stehen dann eineinhalb, fünf, sieben, neun oder elf Tage auf den Altären. Jeden Tag kommt ein Priester und zelebriert den Gottesdienst (Puja) und viele Inderinnen und Inder strömen in die Tempel, nur um einen Blick auf die riesigen Statuen zu erhaschen. Anschließend singen und tanzen die Menschen. Am letzten Tag der Feierlichkeiten werden die Ganesha-Statuen unter Jubel verabschiedet und in fröhlichen Prozessionen zum Wasser getragen, wo sie versenkt werden.

Unterwegs zur nächsten Murti

Natürlich geht so ein großes, öffentliches Fest auch nicht an unserem Konvent vorbei. Denn auch wenn die „Society of the Helpers of Mary“ eine christliche Organisation ist, gibt es hier viele Kinder die hinduistisch sind. Und so machten auch wir uns mit den Kindern an einem Tag, pünktlich nach dem Mittags-Gebet auf den Weg zur nächst größten Murti. Dort angekommen schien die Tatsache, dass wir eigentlich in einem Konvent leben und viele von uns christlich sind, plötzlich wie weggepustet. Sofort strömten wir alle zur Statue und bestaunten die reichlichen Gaben, die vor der Ganesha niedergelegt wurden. Zwischen den Süßigkeiten, Blumen und Obst befand sich auch eine Schüssel mit roter Asche. Diese wird mit dem Finger üblicherweise bei hinduistischen Zeremonien oder Festlichkeiten auf die Stirn aufgetragen und steht als Kraftzeichen für „das dritte Auge“, ein Segenszeichen. Nachdem jeder von uns mit diesem Symbol gekennzeichnet wurde, bekamen wir am Ausgang noch Nüsse, süßes indisches Gebäck und Süßigkeiten. Dies ist ganz typisch beim Ganesh Chaturthi.

Als wir wieder im Konvent ankamen, standen auch dort viele verschiedene Süßigkeiten und die Kinder freuten sich über die süßen Gaben. Pünktlich zum abendlichen Beten waren allerdings alle Tilakas (die roten Punkte auf der Stirn) wieder weg gewaschen worden und der christlich geprägte Alltag nahm wie gewohnt seinen Lauf als wäre es nie anders. gewesen.

Alle Erfahrungsberichte auf einen Blick 

Ziel der Society of the Helpers of Mary

Die Kongregation der Society of the Helpers of Mary in Mumbai hat es sich zur Aufgabe gemacht, benachteiligte Menschen zu stärken und zu unterstützen. Sie fördert in der indischen Metropole vielfältige Aktivitäten und Einrichtungen wie ein Ausbildungszentrum, ein Hostel für benachteiligte Kinder, einen Kindergarten, eine Vorschule für Kinder des benachbarten Slums, Gesundheitsversorgung und -beratung, ein Heim für obdachlose alte Menschen, Einkommens schaffende Maßnahmen u.v.m.

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