Von der Selbsthilfegruppe der Frauen profitiert die ganze Familie

Jeremias Meyer und Philipp Kowalski absolvieren ihren Freiwilligendienst im nordindischen Dholpur, wo unser Partner Prayatan gezielt Frauen unterstützt. Wie und warum das so wichtig ist, schildern die beiden in ihrem Bericht.

Die Frauen treffen sich einmal in der Woche, um sich auszutauschen und Geld in die gemeinsame Kasse einzuzahlen. Die Gewährung von kleinen Krediten ermöglicht den Frauen, neue Einkommensmöglichkeiten zu erschließen. © privat

Ein Bericht von Jeremias Meyer und Philipp Kowalski:

 

Unsere Nichtregierungsorangisation (NGO) Prayatn hat in den 60 umliegenden Dörfern von Dholpur über 100 sogenannte Women Self Help Groups initiiert. Jeder dieser Frauenselbsthilfegruppe gehören zehn bis 15 Frauen an. Sie treffen sich einmal in der Woche, um Probleme auszutauschen, Geld zu sammeln und so auf mikroökonomischer Ebene gemeinsam eine finanzielle Grundlage zu schaffen.

Die Treffen finden ohne Betreuung durch die NGO-Mitarbeiter*innen statt, allerdings kontrollieren diese in regelmäßigen Abständen die Buchhaltung  und sprechen mit den Frauen über Erfolge und Visionen. Mit einem gemeinsamen Gebet startet die Sitzung, eine der Frauen schlägt den Takt auf einer kleinen blechernen Truhe mit Vorhängeschloss, welche das Ersparte beinhaltet. Die anderen Frauen klatschen mit und singen hinter ihren über das Gesicht gezogenen Schleiern. Einige Frauen haben ihre kleinen Kinder mitgebracht. 10 oder 20 Rupien werden wöchentlich von jeder Frau eingesammelt und damit eine gemeinsame Rücklage gebildet.  Kommt eine von ihnen in eine finanzielle Notsituation, muss z.B. eine medizinische Behandlung bezahlt oder die Schneidemaschine für das Getreide repariert werden, kann sie die Gemeinschaft um einen Kredit bitten.

Die Position der Frauen innerhalb der Familie wird gestärkt

Darüber hinaus kann die Gruppe aber auch als Bürge eintreten. Möchte eine der Frauen beispielsweise mit der Haltung von Büffeln oder Ziegen beginnen, so bekäme sie als Einzelperson niemals genügend Geld für den Ersterwerb von einer Bank geliehen. Aber unsere NGO vergibt einzelne Kredite. Sie kann den Frauen nach teilweise mehreren Jahren Zusammenarbeit vertrauen. Durch die Selbsthilfegruppen, die die Frauen zu neuem Selbstbewusstsein führen, können sie neue Einkommensmöglichkeiten erschließen. In ihren Familien tragen die Frauen dann einen entscheidenden Teil zum Lebensunterhalt bei. Das stärkt sowohl ihre Position als Frau bei Entscheidungen innerhalb der Familie, aber auch die der Familie insgesamt. Davon sind die meisten dieser Gruppen allerdings noch weit entfernt, zunächst zählen kurzzeitige Kredite für Reparaturen, für Alltagsinvestitionen.

Büffelzucht sichert Einkommen und Schulbesucht der Kinder

Die Einzahlungen notieren die Frauen in einem rosafarbenen Buch, das im Kreis herumgegeben wird. Einige Frauen unterschrieben, andere drücken nur den Daumen vom Stempelkissen auf das Papier. Neben den Beitragszahlungen vermerken sie in dem Buch, wer einen Kredit erhalten und an der Sitzung teilgenommen hat. Eine der Frauen erzählt, dass sie sich Geld geliehen und Büffel gekauft hat. "Die Milch der Büffel verkaufen wir", sagt Esware Devi. Mit dem Verdienst konnte das Haus repariert und ein Tuk Tuk (kleines dreirädriges Auto) angeschafft werden. Auch der Schulbesuch ihrer Kinder ist gesichert, denn für Schuluniformen und -materialien hat die Familie nun genügend Geld. 

Alle Erfahrungsberichte auf einen Blick

Prayatn: für eine gerechte Gesellschaft

Die Organisation Prayatn mit Hauptsitz in Jaipur arbeitet derzeit schwerpunktmäßig bei Agra (Dholpur) und Varanasi. Zielsetzung der NGO ist es, die Lebenssituation benachteiligter Menschen nachhaltig zu verbessern. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Stärkung von Frauen und die Umsetzung von Kinderrechten.

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