In der Adventszeit gleicht Janssenville einer Märchenwelt

Weihnachten bei 30 Grad im Schatten? Marit Bösemann berichtet, wie sie die Adventszeit auf den Philippinen beim Projektpartner JPIC erlebt. Die 18-Jährige ist in Janssenville im Einsatz, einem Umsiedlungsprojekt für Menschen, die früher auf Müllhalden gelebt haben.

Ein Bericht von Marit Bösemann

Weihnachten bei Temperaturen um die 30 Grad? Für die meisten Deutschen ein sehr ungewohntes Gefühl. Doch Weihnachtsstimmung kommt auch ohne Wintermantel, Glühwein und weiße Schneelandschaften auf. Schon im September wurden hier die ersten Straßen mit Sternen und Lichterketten geschmückt und seitdem ertönt in den Einkaufszentren ein Weihnachtsklassiker nach dem anderen.

Verkäufer*innen laufen nur noch mit Weihnachtsmützen auf dem Kopf rum, Kinder gehen von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder auf Visaya und täglich wird einem gut fünf Mal „Merry Christmas“ oder „Malipayong Pasko“ gewünscht.

Auch in Saint Arnold Janssen Village, kurz Janssenville, ist die Vorfreude auf das wohl wichtigste Fest im Jahr stark spürbar. In der Kapelle hängen Lichterketten und aufwendig gebastelte Sterne. Vor der Kapelle wurde zudem aus geflochtenen Palmenblättern und selbstgebastelten Figuren, die Maria und Joseph darstellen sollen, eine Krippenszene aufgebaut. Sie begrüßt Besucher direkt am Eingang und trägt gut zur weihnachtlichen Atmosphäre bei.

Doch damit nicht genug der Dekoration: Geht man durch die beiden Straßen des Villages, kann man seinen Augen vor lauter Farben, Formen und Lichtern kaum trauen. Jede Häuserreihe ist für ihre eigene Dekoration verantwortlich und es verschlägt einem die Sprache, wenn man sieht, auf was für Ideen manche Menschen kommen. Aus gesammelten Plastikflaschen, -deckeln und -verpackungen, Palmenblättern, Stöckern und Styropor werden Sterne, Blumen, Weihnachtsbäume, Girlanden, Weihnachtssträucher, Schilder und viele weitere Kunstwerke gezaubert, die bei Dunkelheit größtenteils beleuchtet werden. Das Village gleicht dann einer Märchenwelt. Es berührt mich sehr, zu sehen, aus wie wenig man so viel machen kann. Außerdem wird aus dem Basteln immer eine Gemeinschaftsaktion gemacht. Die Leute treffen sich vorm Haus, sitzen zusammen, basteln, quatschen und essen.

Auch meine Teampartnerin Sandra und ich haben unsere Wohnung etwas geschmückt und uns gegenseitig einen Adventskalender gebastelt. Außerdem läuft den ganzen Dezember über unser „Christmas for Kids“ Programm. Wir haben z.B. eine Kinonacht organisiert und zweimal mit den Kindern Plätzchen gebacken. Gar nicht so einfach, wenn 30 aufgeregte Kinder gleichzeitig Teig ausstechen wollen. Wir hatten trotzdem viel Spaß. 

Ein weiteres Angebot von uns heißt "Arts & Crafts“. Dahinter verbirgt sich eine Bastelaktion, bei der wir aus Klopapierrollen kleine Weihnachtsmänner und Schneemänner gebastelt haben. Die haben die Kinder dann stolz mit nach Hause genommen. Für das nächste Treffen müssen wir uns noch was Schönes überlegen, planen aber wieder, etwas aus recyclebarem Material herzustellen, da das in unserer Organisation JPIC-IDC sehr groß geschrieben wird.

Vom 16. bis 24. Dezember findet täglich um 4 Uhr morgens eine Messe statt. Trotz der eher unchristlichen Uhrzeit wird sie von Jung und Alt gut besucht, der Jugendchor macht auch mit. Die Messe am 24. Dezember wird Father Heinz, der Gründer von JPIC-IDC, halten. Tagsüber passiert an Heiligabend nicht viel, hat man uns gesagt. Um 22 Uhr wird es dann eine weitere Messe geben und um Mitternacht soll das Feuerwerk beginnen. Dann werden alle Menschen draußen sein und gemeinsam in den eigentlichen Festtag, den 25. Dezember, reinfeiern. Ich freue mich schon riesig auf die Feierlichkeiten und bin gespannt, ob sich meine Vorstellungen und Erwartungen bestätigen.

Alle Erfahrungsberichte auf einen Blick 

JPIC /Janssen Village: Umsiedlungsprojekt auf der philippinischen Insel Mactan

In dem Projekt "Saint Arnold Janssen Village", Mactan /Lapulapu, auf den Philippinen entsteht und wächst mit Unterstützung unseres Projektpartners JPIC - IDC eine selbstverwaltete Gemeinde für Menschen, die zuvor auf Müllhalden oder in Slums gelebt haben. Zielsetzung der gemeinnützigen Organisation JPIC (Justice, Peace & Integrity of Creation - Integrated Development Center) ist die Förderung von benachteiligten Bevölkerungsgruppen 

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