Freiwilligendienst weltwärts

Erfahrungsberichte

Bild von einem Rückkehrer im Einsatz

Rückkehrer im Einsatz

Eine zweite Heimat in der Fremde - acht Monate Freiwilligendienst in Indien

Ein Bericht von Robin Sogalla

Ich stehe auf dem Markt in Hassan. Um mich herum preisen die Obsthändler lautstark ihre Ware an. Rikschas bahnen sich hupend ihren Weg durch die Menschen, und Ochsenkarren beliefern die Stände mit Nachschub. Alltag in Hassan und mittendrin stehe ich. Alles ist anders als in Deutschland, doch ich fühle mich nicht fremd. Ich versuche am Stand neben mir vergeblich den Preis für ein Fußkettchen zu ermitteln. Während ich versuche, die Frage "Was kostet das?" pantomimisch darzustellen, stellt sich ein Mann neben mich und legt mir einen Arm um die Schulter. Er fragt mich, wie ich heiße. Ich antworte in der lokalen Sprache Kannada, was ihn in absolute Ekstase versetzt. "Er spricht Kannada!", schreit er über den ganzen Markt. Nun kommen immer mehr Menschen, reden auf mich ein und ein Obsthändler schenkt mir eine Banane. Ich stehe völlig überrascht mitten in dem ganzen Trubel. Eigentlich wollte ich doch nur ein Fußkettchen kaufen.

Situationen wie diese sind es, die meinen Freiwilligendienst unvergessen machen. Acht Monate habe ich in einem Kinderheim für Straßenkinder und Kinder aus armen Familien in Indien gelebt. Ich habe mit ihnen gemeinsam auf dem Boden dreimal täglich Reis gegessen, mit ihnen gespielt, herumgealbert und ihnen Nachhilfe gegeben. Ihr Alltag und Zuhause wurden auch zu meinem. Obwohl unsere Lebensgeschichten so unterschiedlich sind, habe ich eine sehr starke Bindung zu ihnen aufgebaut. Wenn ich auf der Wiese mit den älteren Kindern Volleyball gespielt habe, dann hatte ich nicht das Gefühl Betreuer zu sein, sondern meine Mitspieler waren Freunde.

Doch nicht nur der Alltag im Kinderheim auch die Gastfreundschaft und Offenherzigkeit, mit der ich überall empfangen wurde, haben mich tief beeindruckt. Niemals schlug mir Fremdenhass entgegen. Im Gegenteil, ich habe Bananen geschenkt bekommen, weil ich ein paar Wörter Kannada spreche, wurde von Fremden zum Tee oder zum Essen eingeladen.

Die Kühe mitten im chaotischen Verkehr, der Chai (indischer Tee) am Straßenrand, der tägliche Reis, die Gespräche mit meinem Gegenüber im Zug, Bus oder beim Einkaufen - all das ist mir vertraut geworden. Als unser Direktor am Morgen unserer Abreise sagte: "Genießt das letzte Mal Reis zum Frühstück, ab morgen müsst ihr wieder Brot essen", erschien auch mir ein Brötchen zum Frühstück seltsam fremd. Indien ist für mich während meines Freiwilligendienstes zu einer zweiten Heimat geworden.

Jede Spende hilft Jetzt spenden Initiative Transparente Zivilgesellschaft BIC HELADEF1BEN<br />IBAN DE41 5095 0068 0005 0500 00