Entwicklungszusammenarbeit

Existenzsicherung von Frauen in Äthiopien fördern

Die Karl Kübel Stiftung und ihr lokaler Partner MIRAF haben ein Projekt initiiert, damit 400 Frauen in der Hauptstadt Addis Abeba ihre Existenz und die ihrer Familie sichern können.

Frauen und Kinder in Äthiopien sind besonders stark von Armut betroffen. © Karl Kübel Stiftung

Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Trotz Wirtschaftswachstum lebt fast ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Dürreperioden und Konflikte veranlassen immer mehr Menschen, vom Land in die Stadt zu ziehen – in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch das finden sie dort nicht. Häufig ist das Gegenteil der Fall. Viele Familien leben in schwierigen sozialen Verhältnissen. Die Karl Kübel Stiftung startete deshalb mit ihrem äthiopischen Partner MIRAF im Mai 2019 ein Projekt, um die Lebensbedingungen von Frauen und Kindern zu verbessernDenn die trifft es besonders hart.

Ihr Leben ist geprägt von Armut, Analphabetismus, Unterernährung und Kinderarbeit. Außerdem werden Frauen häufig sozial und kulturell diskriminiert. Im Global Gender Gap Report 2018 des Weltwirtschaftsforums liegt Äthiopien bezüglich der Gleichstellung von Mann und Frau auf einem der hinteren Ränge: Platz 117 von 149. Ca. 40 Prozent der Mädchen werden vor Vollendung des 18. Lebensjahres verheiratet, obwohl das offiziell verboten ist. Nur 41,1 Prozent der Frauen können lesen und schreiben, bei den Männern sind es 57,2 Prozent. Auch der Gesundheitszustand vieler Frauen ist angesichts von Mangelernährung und beschränktem Zugang zu Gesundheitsdiensten sehr schlecht.

Viele Frauen müssen allein den Lebensunterhalt ihrer Familie bestreiten

Um gezielt Frauen und Kindern zu fördern und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen, initiierte die Stiftung mit ihrem Partner das Projekt in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Es richtet sich an 400 Frauen und 100 Kinder in zwei Stadtbezirken, in denen sehr große Armut herrscht. Die Frauen sind aus umliegenden Gegenden und Bürgerkriegsgebieten der Nachbarstaaten mit ihrer Familie hierher gezogen. Inzwischen leben viele von ihnen allein mit ihren Kindern, weil ihre Männer entweder verstorben sind oder in der Ferne als Tagelöhner arbeiten. Sie müssen daher allein das Überleben der Familie sichern. Ihren Lebensunterhalt versuchen die Mütter häufig mit Kleinhandel zu bestreiten, dabei verdienen sie aber nicht einmal einen Euro pro Tag. Ihre Kinder sind unter- oder mangelernährt, gehen z.T. nur unregelmäßig zur Schule und brechen sie vorzeitig ab.

Folgende Maßnahmen sind geplant, um die Frauen und Kinder zu stärken und ihnen bessere Zukunftschancen zu ermöglichen:

  • Unterstützung beim Aufbau einer Geflügelzucht oder Fladenbrot-Produktion: Insgesamt 240 Frauen schließen sich in Kleingruppen zusammen und erhalten ein Startkapital für ihr Business, um so ihr Einkommen zu erhöhen.
     
  • Förderung von Ausbildungsmöglichkeiten: 160 Frauen nehmen an  Berufsbildungskursen (Friseurin, Schneiderei, Stickerei, Herstellung von Seife und Nahrungsmitteln) teil und erhalten so eine qualifizierte Ausbildung. Auch sie erhalten einen Zuschuss bei der Existenzgründung.
  • Gründung und Stärkung von Spar- und Kreditkooperativen: Die Frauen werden dort im Bereich Vermarktung, Buchführung, Führungskompetenz geschult, um ihr Business, für das sie ein Startkapital erhalten haben, weiter auszubauen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Die Frauen zahlen deshalb monatlich einen kleinen Betrag in eine Gemeinschaftskasse ein, aus der dann Kredite an die Mitglieder bewilligt werden. Bei den Treffen der Kooperativen geht es aber nicht nur um berufliche und finanzielle Dinge, vielmehr bieten sie auch Raum, um die gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen zu thematisieren, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Dort können auch soziale Probleme wie z.B. Gewalt gegen Frauen oder Alkoholismus angesprochen werden.
  • Unterstützung von benachteiligten Schulkindern: 70 Mädchen und 30 Jungen im Alter von sieben bis 12 Jahren erhalten z.B. eine Zwischenmahlzeit, um sie zum regelmäßigen Schulbesuch zu motivieren und um ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Sie bekommen Schulmaterialien wie Bücher und Schreibutensilien sowie Schuluniformen und nehmen Bildungsangebote wie Nachhilfeunterricht und Bibliotheksbesuche in Anspruch.
  • Schulungen im Bereich Gesundheitsvorsorge: Den Frauen werden Kenntnisse im Bereich Gesundheitsfürsorge, Hygiene und Ernährung vermittelt. Dabei geht es um einfache Themen wie: nur sauberes Wasser trinken, Obst und Gemüse vor dem Verzehr waschen, Toiletten, Müll und Wasserquellen trennen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Schulungen zum Thema Ernährung und dem Anlegen von Küchengärten.

Das Projekt läuft bis Ende 2022 und wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, MIRAF und der Karl Kübel Stiftung finanziert.

Neben diesem Projekt fördert die Stiftung im äthiopischen Hochland ein Projekt, um Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen sowie ein Projekt zur Ernährungssicherung von Kleinbauernfamilien und zum Erhalt der Artenvielfalt dieser einzigartigen Region. Ein Teilaspekt ist die Einführung der nachhaltigen Honigproduktion.

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