weltwärts-Freiwillige sind wohlbehalten zurück

Ihr Einsatz wurde aufgrund der Corona-Krise um zwei Wochen verkürzt

Eigentlich wären die 16 weltwärts-Freiwilligen der Karl Kübel Stiftung erst Ende März aus ihren Einsatzorten in Indien und auf den Philippinen zurückgekehrt. Doch angesichts der Streichung von Flügen und Schließung von Flughäfen im Zuge der Corona-Krise hat die Stiftung schon frühzeitig Mitte März beschlossen, die jungen Frauen und Männer so schnell wie möglich zurückzuholen. Zwischen dem 16. und 21. März sind alle wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen. Wie sie die abrupte Abreise erlebt haben, schildern sie hier:

„Zuerst konnte ich gar nicht fassen, dass dieses Virus mir tatsächlich die letzten zwei Wochen des Freiwilligendienstes und damit auch das geplante Abschiednehmen von all den Menschen aus unserem Projekt, die ich so lieb gewonnen hatte, klauen würde. Dennoch war mir bewusst, dass eine frühzeitige Ausreise vernünftig war“, erzählt Hannah Reemtsma. Die 19-Jährige war seit August 2019 bei unserer Partnerorganisation Prajna Counselling Centre in Indien im Einsatz, die sich für die Rechte und den Schutz von Frauen, Kindern und Benachteiligten einsetzt.

Es gab keine andere Option

Auch Lasse Sieberth aus Bensheim fand es schade, zwei Wochen früher als geplant abzureisen. „Aber ich habe schnell eingesehen, dass es das Beste ist und keine andere Option gibt, denn es wurden immer mehr Flüge gecancelt“, so Lasse. Gemeinsam mit Merlin Müller aus Zwingenberg absolvierte er seinen Freiwilligendienst bei der Karuna Social Service Society (KSSS), die eine Schule und ein Internat für behinderte Kinder in Nordindien unterhält.

„Wir haben den Kindern bei den Hausaufgaben geholfen, mit ihnen gespielt sowie die Lehrer in der Schule unterstützt“, erzählt Lasse. Er ist froh, dass sie sich nicht Hals über Kopf von den Kindern verabschieden mussten, denn das hatten er und Merlin schon ein paar Tage zuvor gemacht. „Die Kinder hatten Ferien bekommen und waren zu ihren Familien gefahren.“

Eingewöhnung in Deutschland

Seit dem 18. März sind die beiden jungen Männer wieder daheim an der Bergstraße. Merlin: „Ich habe das Gefühl als befinde ich mich in einem Zwischenstopp, weil ich mein altes Leben noch nicht zurückhabe. Es wird wohl noch etwas dauern bis ich mich wieder mit Freunden treffen und Fußball spielen kann.“ Auch für Lasse ist das Social Distancing hier noch etwas gewöhnungsbedürftig. „In Indien war das noch kein so großes Thema wie in Europa. Wir haben in einer sehr ländlichen Region gelebt. Da gab es keine Fremden, die das Coronavirus hätten einschleppen können. Ich hoffe, dass es so bleibt und die Menschen dort vor dem Virus verschont bleiben“, so Lasse. Inzwischen hat sich die Situation auch in Indien geändert, dort wurde für 1,3 Milliarden Menschen eine Ausgangssperre verhängt.

Zeit zum Reflektieren 

Aufgrund des Social Distancing verlief das Wiedersehen für Hannah und ihre Freunde und Bekannten ebenfalls anders als geplant. „Trotzdem bin ich ganz gut angekommen“, sagt die Nürnbergerin. „Mir scheint als würde ich die Zeit in Indien durch die Verkürzung am Ende nochmal mehr schätzen. Vielleicht trägt auch die Tatsache, so tragisch der Grund dafür auch ist, dass wir gerade so viel Zeit zum Reflektieren und zum Lesen, zum Kreativ- und Aufmerksamsein geschenkt bekommen, dazu bei, dass es mir erstaunlich gut geht.“

Und Anne Grahl, die die vergangenen Monate bei der Society of the Helpers of Mary in Mumbai verbrachte, fügt hinzu: „Ein bisschen Zeit werde ich wohl noch brauchen, um zu verstehen, dass das Abenteuer Indien jetzt vorbei ist. Zeit scheinen wir aber alle gerade genug zu haben…“

Umsichtig und vorausschauend gehandelt

Dass die Rückholaktion so gut geklappt hat, ist den weltwärts-Verantwortlichen Dr. Kirsten Sames und Andrea Riehle zu verdanken. „Ihr umsichtiges, vorausschauendes und äußerst verantwortungsvolle Handeln, aber auch die Kooperation mit unseren Partnern in Indien und auf den Philippinen haben es ermöglicht, alle Freiwilligen zwar etwas überstürzt, aber dennoch gesund zurückzuholen“, so Ralf Tepel, Vorstandsmitglied der Karl Kübel Stiftung. 

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