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Wiederaufbau und Einsatz der Spendengelder auf den Philippinen

Bei einer Projektreise auf die Philippinen besuchten Mitarbeiter und Spender der Karl Kübel Stiftung die vom Taifun Yolanda (Haiyan) mit am stärksten betroffene Insel Bantayan. Sie sprachen mit den Menschen und konnten sehen, wie weit fortgeschritten der Wiederaufbau ist und dass die Gelder sinnvoll eingesetzt werden.

Wiederaufbau und Einsatz der Spendengelder auf den Philippinen - Familie Caballero vor ihrem neuen Haus

Familie Caballero vor ihrem neuen Haus (© Karl Kübel Stiftung)

"Als Yolanda kam, sind wir alle ins Haus meiner Mutter geflüchtet."


Bei einer Projektreise auf die Philippinen Anfang Februar besuchten Mitarbeiter und Spender der Karl Kübel Stiftung die vom Taifun Yolanda (Haiyan) mit am stärksten betroffene Insel Bantayan. Sie sprachen mit den Menschen und konnten sehen, wie weit fortgeschritten der Wiederaufbau ist und dass die Gelder sinnvoll eingesetzt werden.

Mit lächelnden, man könnte meinen stolzen Gesichtern stehen Margie Caballero und ihr Mann Norberto mit ihrem jüngsten Sohn Romnick vor ihrem neuen Haus in Guiwanon. In drei Etagen angeordnete Blumentöpfe zieren die Front des kleinen Hauses, ein Gartenzaun aus Bambus auf der einen, aus Draht auf der anderen Seite begrenzen ihr neues Reich, ein Bild des heiligen Santo Niño hängt an der Haustür. Die überdachte Terrasse hat die Familie selbst angebaut. Sie bietet mit zwei Bambusliegen weitere Schlafplätze für alle zehn Familienmitglieder. Denn acht Kinder, Mutter und Vater finden auch im neuen 20 Quadratmeter großen Haus nicht ausreichend Platz zum Schlafen. Aber das ist kein Problem, es ist warm, sie sind geschützt und wollen vor allem eines nicht: sich beklagen. Ganz im Gegenteil: Sie sind glücklich und dankbar, dass sie endlich wieder ein festes Dach über dem Kopf haben.
Ein gutes Jahr ist es her, als ihr altes Haus innerhalb von zwei Stunden bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Nichts war mehr da, außer Schutt. Das war am 8. November 2013, an dem der Taifun Yolanda (in Deutschland auch Haiyan genannt) über die kleine Insel Bantayan - nordwestlich von Cebu gelegen - fegte.

Wiederaufbau und Einsatz der Spendengelder auf den Philippinen - Familie Caballero vor ihrem neuen Haus
Im Gespräch mit Margie Caballero (Mitte) (© Karl Kübel Stiftung)
Noch immer sind die Zerstörungen zu sehen. (© Karl Kübel Stiftung)
49 Häuser sind bisher fertiggestellt. (© Karl Kübel Stiftung)
Zerstörungen im "no-build-area" (© Karl Kübel Stiftung)
Das zerstörte Haus eines Fischers direkt am Strand (© Karl Kübel Stiftung)
Die Frauenkooperative von Guiwanon mit ihren Gästen aus Deutschland (© Karl Kübel Stiftung)

Zuflucht in die wenigen sicheren Orte

"Als Yolanda kam, sind wir alle und noch weitere Familien ins Haus meiner Mutter geflüchtet. Dort haben wir uns - zusammen waren wir 20 Personen - in die Toilette und deren Vorraum gezwängt, denn das waren die sichersten Orte, da sie zementiert sind", berichtet Margie. Zuvor haben sie all ihre Sachen im Haus unterm Tisch in Sicherheit gebracht. "Es war so schrecklich - dieser Lärm, diese Angst. Zum Glück wurde niemand verletzt. Aber unser Haus war komplett zerstört." Sie erzählt weiter, dass sie direkt nach Yolanda aus dem Schutt und den Überresten ihres Hauses eine Notunterkunft gebaut haben. Unter einen einfachen Verschlag haben sie ein Bett gestellt und mussten im Grunde abwechselnd dort schlafen, denn ein Bett reicht nicht für zehn Leute. Wenn es geregnet hat, wurden sie nass und der Boden wurde schlammig. Diese Zeit war hart - bis sie am 15. Juli vergangenen Jahres ihr neues sturmsicheres Haus beziehen konnten. "Ich mag das Haus sehr. Wir sind endlich wieder geschützt vor dem Regen und Wind. Es ist sehr komfortabel, hier zu schlafen", so Margie. Und auch ein geregeltes Einkommen haben sie. Margie verkauft Schönheitsprodukte, ihr Mann Norberto Fisch oder Hühner, die er mit dem Fahrrad zum nächsten Markt fährt, die Kinder gehen in die Schule.

Ein ganzes neues Dorf ist mit den Mitteln aus der Spendenaktion Hessen hilft entstanden. Insgesamt haben bis jetzt 49 Familien auf Bantayan ein neues Haus bekommen, jedes ist von den Menschen ganz individuell gestaltet worden; und die Häuser sind in einer Entfernung von einem Kilometer zum Meer gebaut. Direkt am Strand darf seit Yolanda nicht mehr gebaut werden; das Gebiet 40 Meter zum Strand wurde von der Verwaltung zur "no-build-area" erklärt. Bis Ende 2015 sollen mit Mitteln aus der Aktion Hessen hilft insgesamt 152 Häuser wiederauf- und neugebaut sein. Wer ein Haus bekommt, entscheidet die Frauenkooperative von Guiwanon, denn ihre Mitglieder, zum größten Teil selbst Betroffene, können am besten einschätzen, wer am bedürftigsten ist. Sie verteilt auch Kleinkredite für die Einkommen fördernden Maßnahmen, die für Bootsmotoren und Netze für den Fischfang, für die Wiederaufnahme der Schweine- und Geflügelzucht und für den Aufbau kleiner Handwerksgeschäfte vergeben werden. Durchschnittlich 150 Euro erhält jeder Haushalt, 50 Prozent davon werden als Kredit vergeben, 50 Prozent als Schenkung. Die Kreditrückflüsse gehen in einen Fonds ein, der von der Frauenkooperative verwaltet wird. Die Karl Kübel Stiftung hat sehr gute Erfahrung mit der Kooperative gemacht, seit mittlerweile knapp 13 Jahren arbeitet sie erfolgreich mit ihr zusammen. Auch das Gebäude der Kooperative wurde massiv vom Taifun beschädigt, konnte aber auch dank der Hilfe aus Hessen wiederaufgebaut und kürzlich eingeweiht werden.

"Hessen hilft"

Die rein Spenden finanzierte Aktion Hessen hilft erreicht 609 Familien auf Bantayan und wird unterstützt von der Hessischen Landesregierung, dem Verband Hessischer Zeitungsverleger, Hit Radio FFH und den Kirchen in Hessen. Zudem haben etliche Firmen und Belegschaften, Schülerinnen und Schüler, Vereine und Privatpersonen aus ganz Hessen die Initiative finanziell unterstützt. Ohne sie wäre die schnelle Hilfe nicht möglich gewesen. Ein Schild an jedem reparierten oder neuen Haus weist auf die Hilfe aus Hessen hin. Das Gesamtspendenaufkommen der Aktion beläuft sich auf etwa 550.000 Euro, von denen bis heute bereits ca. 300.000 Euro verbraucht wurden. Das Projekt läuft bis Ende Oktober 2016. Da noch immer Tausende Familien in Notunterkünften hausen, ist Hilfe weiterhin dringend nötig. Ab Herbst dieses Jahres werden zwei junge Menschen aus Deutschland im Rahmen eines "weltwärts"-Freiwilligendienstes für acht Monate den Wiederaufbau und die nachfolgenden Entwicklungsmaßnahmen auf Bantayan begleiten.

Die Karl Kübel Stiftung und die Aktion "Hessen hilft" werden den Wiederaufbauprozess langfristig begleiten. Auch wenn viele Schäden bereits beseitigt sind, wird es noch lange dauern, bis alle Wunden verheilt sind. Angesichts der flächendeckenden Zerstörung bleibt weiterhin viel zu tun. Helfen Sie uns weiter, die Not zu lindern und den Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen. Danke!

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