Gewalt gegen Frauen ein Ende setzen

So kämpft die Karl Kübel Stiftung gegen Frauendiskriminierung in Indien.

Ehemalige Zwangsprostituierte lernen im Frauenhaus Ujjwalla Home nähen (© Clementine Daub)

Ujjawalla ist indisch und bedeutet Lichtblick. Und ein Lichtblick ist das „Ujjawalla Protection and Rehabilitation Home“ in der südindischen Metropole Hyderabad für seine Bewohnerinnen in jeder Hinsicht: 21 ehemalige Zwangsprostituierte haben hier vorübergehend Unterschlupf gefunden. In dem Frauenhaus werden sie medizinisch versorgt und erlernen Fähigkeiten wie Nähen oder Körbe flechten, die ihnen später die gesellschaftliche Wiedereingliederung erleichtern. Betrieben wird das Frauenhaus von der NRO Bhumika Women’s Collective, einer Partnerorganisation der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie (KKS), die sich die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Abiturientin Clementine Daub hat das Ujjawalla Home im Rahmen ihres weltwärts-Freiwilligendienstes besucht. „Für mich erscheint am wichtigsten, dass sie dort den Frauen helfen, aus der Prostitution zu kommen und ihnen die Möglichkeit auf ein normales Leben geben“, fasst Daub die Eindrücke ihres Besuchs zusammen. Die meisten Frauen verbringen einige Monate im Ujjawalla Home, bevor sie Schritt für Schritt ein neues Leben beginnen.

Gewalttaten gegen Frauen mit langfristigen Folgen

Gewalt gegen Frauen in Indien hat viele Gesichter: sie reicht von der Abtreibung weiblicher Föten über häusliche Gewalt, Vergewaltigung bis hin zu Frauenhandel und Mitgiftmorden. In einer Studie des International Centre for Research gab jede zweite der befragten indischen Frauen an, mindestens einmal in ihrem Leben körperliche Gewalt erlitten zu haben.

Auch die Frauen im Ujjawalla Home sind in die Hand von Menschenhändlern geraten und so in der Prostitution gelandet. „Die Folgen, die die Frauen davontragen, sind vielfältig“, berichtet Daub auf ihrem Blog. „Viele fallen in ein soziales Loch, viele betäuben ihre Schmerzen mit Alkohol und die meisten leiden unter einer Vielzahl an gesundheitlichen Problemen wie Depressionen oder Geschlechtskrankheiten.“

Schritt für Schritt zur gewaltfreien Gesellschaft für Frauen in Indien

In ihrem Kampf gegen geschlechterspezifische Diskriminierung in Indien fährt die Stiftung zweigleisig: Zum einen fördert sie konkrete Hilfen für betroffene Frauen vor Ort. Hierzu zählen beispielsweise Telefon-Hotlines für Frauen in Not. Bewährt hat sich auch der Aufbau von Beratungszentren, die direkt an Polizeistationen angegliedert sind. So können die Beraterinnen den Gewaltopfern sofort helfen, ihnen ihre Rechte aufzeigen und die richtigen Ansprechpartner nennen. Doch die Stiftung möchte nicht nur Gewaltopfern helfen, sondern darüber hinaus das Bewusstsein der indischen Gesellschaft für Frauenrechte schärfen. "Unser Ziel ist es, einen Beitrag zur gewaltfeien Gesellschaft für Frauen und Mädchen in Indien zu leisten“, erklärt Heike Salvador, Referentin für Entwicklungszusammenarbeit der KKS.

Gezielte Überwachungsmaßnahmen zur Ahndung von Gewalt gegen Frauen

Hierzu arbeitet die Stiftung seit 2014 erfolgreich mit der indischen Frauenrechtsorganisation Bhumika zusammen. Die Partnerorganisation schult im südindischen Bundesstaat Telangana Interessensvertreter_innen auf allen gesellschaftspolitischen Ebenen, etabliert Überwachungsmechanismen auf Dorf- und Distrikt-Ebene und initiiert öffentliche Aktionen gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung und Gewalt.

Freiwillige lernen die indische Frauenrechtsorganisation Bhumika kennen

Seit 2016 entsendet die KKS außerdem im Rahmen ihres weltwärts-Programms junge Menschen wie Clementine Daub zu einem achtmonatigen Freiwilligendienst bei Bhumika. Dort vertiefen die Freiwilligen ihr Wissen über die Situation und die Rechte von Mädchen und Frauen in Indien und bringen dieses Wissen in ihrer Rolle als Multiplikator_innen nach Deutschland zurück.

„Die Stellung der Frau in jeder Gesellschaft ist der Indikator für Entwicklung und Fortschritt“, erklärt Salvador anlässlich des Internationalen Weltfrauentags am 8. März. „Mädchen sind die Frauen von morgen. Leider ist diese Perspektive noch nicht weit verbreitet und es gibt noch viel zu tun, in Indien und in Deutschland!“

Internet-Blogs weltwärts-Freiwillige berichten über ihren Einsatz in Indien und auf den Philippinen

Was die KKS für Frauen in Südindien bislang erreicht hat:

Die KKS engagiert sich seit 2008 in Indien für Frauenrechte. Derzeit führt sie das Projekt „Förderung einer gewaltfreien Gesellschaft für Frauen im Bundesstaat Telangana“ gemeinsam mit Bhumika in Hyderabad und Sarvodaya in Warangal durch.

Einige Erfolge des Projekts in Zahlen (Stand 2016):

  • 7.423 Frauen nahmen die Telefon-Hotline der Notrufstelle von Bhumika in Anspruch.
  • Über 6.000 College-Schülerinnen und Schüler haben ein Bewusstsein für geschlechtsspezifische Diskriminierung und Gewalt entwickelt
  • 863 Frauen haben das Beratungsangebot von Bhumika in Anspruch genommen.
  • 488 Interessensvertreter_innen auf allen gesellschaftspolitischen Ebenen wurden in Frauenschutzsystemen geschult.
  • 288 Kinderehen konnten verhindert werden.
  • Ein NRO-Forum mit 25 Mitgliedern auf Bundesstaatsebene ist eingerichtet und macht mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie Demonstrationen und Unterschriftssammlungen auf geschlechtsspezifische Diskriminierung aufmerksam.

Ansprechpartnerin für Projekte zur Frauenförderung in Indien

Heike Salvador
06251-7005-12
​​​​​​​h.salvador(at)kkstiftung.de​​​​​​​

 

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