„Geh‘ bitte nicht nach Indien zurück!“

Wie haben die indischen Freiwilligen ihren Aufenthalt in Deutschland erlebt? Ein Resümee.

Impressionen vom Freiwilligendienst  in Deutschland

Acht Monate zu Gast an der Bergstraße

Acht Monate haben unsere vier indischen Freiwilligen Ashima, Sheryl, Kanal und Dinesh an der Bergstraße verbracht. Nach einem ereignisreichen Aufenthalt feiern sie zum Abschluss in ihren Gastfamilien Weihachten, dann heißt es schon wieder Abschied nehmen. Am 28. Dezember fliegen sie voller neuer Eindrücke zurück nach Indien.

„Ich bin ein abenteuerlustiger Mensch“, sagt Ashima Mukherjee über sich. Die ersten Wochen in einer ganz anderen Kultur fand sie dennoch herausfordernd, vor allem was die Verständigung betrifft. Ungewohnt war für die 28-Jährige aus Bangalore auch die Topographie der Bergstraße: „Bei uns ist alles viel flacher – hier ist man ständig dabei, einen Hügel hochzusteigen.“

Lernen in den Einsatzstellen

Ashima absolviert ihren Freiwilligendienst bei der Behindertenhilfe Bergstraße in Bensheim. „Was ich hier mache, hat nichts mit dem zu tun, was ich im Studium gelernt habe“, sagt die Sozialarbeiterin. Sheryl, die in Lorsch behinderte Menschen bei der Montage von Kleinteilen betreut, fand es anfangs schwierig, sich im Alltag Respekt zu verschaffen. Trotz anfänglicher Sprachbarrieren hat sie gelernt, sich durchzusetzen. „Jetzt wollen mich die Menschen in meiner Einsatzstelle gar nicht mehr weglassen“, erzählt Sheryl lachend. „Nun heißt es: Geh‘ bitte nicht nach Indien zurück!“

Kanal Jothimani Manoharan hat in seiner Einsatzstelle, an der Darmstädter Tafel, viel über Lebensmittelmanagement gelernt. Wissen, dass er in Indien gut gebrauchen kann. „So etwas wie die Tafel gibt es bei uns nicht“, betont der 22-Jährige. „Ich möchte Organisationen in Indien darin unterstützen, etwas Vergleichbares bei mir zu Hause in Coimbatore aufzubauen.“ Sein Teampartner Dinesh Kumar Selvam, der in Indien als Lehrer tätig ist, möchte das Thema Lebensmittelrettung künftig im Unterricht aufgreifen, denn er ist der Ansicht: „Jede Veränderung der Gesellschaft fängt bei den Kindern an.“

Die Inder*innen erleben den Aufenthalt in Deutschland auch als persönliche Bereicherung. „Ich bin hier viel unabhängiger geworden als in Indien und habe ganz neue Erfahrungen gemacht“, sagt Sheryl, „zum Beispiel habe ich Geduld mit behinderten Menschen gelernt. Ich weiß jetzt, dass sie oft in ihrer eigenen Welt leben.“

Eintauchen in fremde Welten

Nicht nur in den Einsatzstellen, auch in den Gastfamilien findet Austausch statt, zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen am Abend. Ashima staunt, wie gesundheitsbewusst die Deutschen leben: „Sie essen eine Menge Salat und haben hunderte verschiedene Brotsorten – so wie es bei uns hunderte verschiedene Reissorten gibt. Faszinierend finde ich auch die Begeisterung der Menschen hier fürs Radfahren, unabhängig vom gesellschaftlichen Status.“ Die Gastfamilien ihrerseits erfahren Neues über Indien und die dortige Kultur.

Allerdings sind nicht alle Erfahrungen der indischen Gäste während ihrer Zeit in Deutschland positiv. Sheryl erzählt von einem Erlebnis im Supermarkt, dass sie persönlich als Diskriminierung empfunden hat: „Die Kassiererin hat alle in der Warteschlange freundlich gegrüßt – nur mich und einen Afrikaner, der hinter mir stand, nicht.“

Gäste aus Indien nehmen an Stiftungsaktivitäten teil

Für Fragen aller Art haben unsere weltwärts-Referentinnen Monika Gerz und Dr. Kirsten Sames immer ein offenes Ohr. Die beiden betreuen die indischen Freiwilligen und binden sie in die vielfältigen Aktivitäten und Veranstaltungen der Stiftung ein. Höhepunkt war sicherlich in diesem Jahr der Besuch von Königin Silvia von Schweden zur Verleihung des Karl Kübel Preises. „Das Mitwirken der indischen Freiwilligen ist eine Bereicherung für uns alle“, sagt Sames.

Wer Lust und Platz hat, im kommenden Jahr eine*n Freiwillige*n bei sich aufzunehmen, findet hier weitere Informationen zum Programm.

Der weltwärts-Freiwilligendienst wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.

Ansprechpartner


in Deutschland:
Monika Gerz
06251-7005-68
m.gerz(at)kkstiftung.de 

Kirsten Sames
06251-7005-76
k.sames(at)kkstiftung.de

in Indien:
Dr. T.K. Nathan und Dr. K.S. Malathi (kkfweltwaerts(at)gmail.com)
Karl Kübel Foundation for Child and Family – KKF KKID Campus, Anaikatti Road, Mankarai, Coimbatore-641 108, Tamil Nadu, India
 

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