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Flüchtlingskinder in Kitas: "Erst die Wärme, dann die Formulare"

19.06.2017. Die Integration von Kindern aus Flüchtlingsfamilien stellt Erzieher und Erzieherinnen vor vielfältige Herausforderungen. Deshalb gingen Ende 2016 in Hessen auf Initiative des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration drei Flüchtlings-Beratungsstellen für Kitas und Tagespflegekräfte unter der Gesamtkoordination der Karl Kübel Stiftung an den Start. Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni 2017 ziehen die Beratungsstellen eine erste Bilanz und berichten aus ihrem Beratungsalltag.

Mira Sackeyfio von der Flüchtlings-Beratungsstelle für Kitas und Tagespflegekräfte in Südhessen (© Karl Kübel Stiftung)

„In Mittelhessen erreichen uns viele Anfragen von Fachberatungen, aber auch von Kitas und aus der Kindertagespflege“, sagt Cornelia Brings von der Flüchtlings-Beratungsstelle Mittelhessen. Viele Fragen drehen sich um die Vermittlung und Finanzierung von Dolmetschern. Dies zeigt, dass noch nicht überall Netzwerke von Übersetzern vorgehalten werden. Die Hauptherkunftsländer sind hessenweit Syrien, Afghanistan, Eritrea sowie der Iran und der Irak. Entsprechend groß ist hier die Nachfrage nach Hilfen bei der Verständigung.  

Verständigungshilfen für den Kita-Alltag

„Oft wird auch nachgefragt, welche methodischen Hilfen es gibt, um mit Eltern und Kindern ‚ins Gespräch‘ zu kommen“, berichtet Brings. Hier stellen die Beratungsstellen ein großes Angebot an Materialien und Literaturtipps zur Verfügung. Dieses reicht von mehrsprachigen Aufnahmebögen über Lese-Materialien bis hin zu kurzen Erklärvideos für Fachkräfte. Andere Anfragen betreffen gesundheitliche Aspekte wie Impfungen oder Speiseregeln, berichtet Mira Sackeyfio von der Beratungsstelle Südhessen. 

Am Anfang steht die Beziehungsarbeit

Viele Kita-Teams wollen wissen, wie sie geflüchteten Kindern das Ankommen erleichtern können. „Erst die Wärme, die Freundlichkeit und dann die Formulare“, zitiert Andrea Löher von der Beratungsstelle Nordhessen aus einem Pädagogikfilm. Am Anfang steht also die Beziehungsarbeit. Dazu gehört, das Kind und die Familie über Regeln und Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Kita zu informieren. Nach Ansicht von Cornelia Brings sind deshalb Dolmetscher bei wichtigen Gesprächen wie Aufnahme- und Entwicklungsgesprächen unerlässlich – auch, um Traumata rechtzeitig erkennen und damit umgehen zu können. Die Beratungsstellen ermuntern Fachkräfte auch, Verhaltensweisen und Abläufe in der Kita zu hinterfragen. Brings nennt als Beispiel den Blickkontakt, der in Deutschland von Erziehern und Erzieherinnen oft eingefordert wird. In anderen Kulturen gilt es hingegen als frech, wenn ein Kind einen Erwachsenen direkt anschaut.

Das Ankommen erleichtern

Die Beraterinnen geben hilfreiche Tipps, wie Kitas oder Tagespflegekräfte die Familien der zugewanderten Kinder einbeziehen können. „Gut geeignet sind Aktionen, die mit wenig Sprache auskommen, wie Bewegungsspiele oder gemeinsames Kochen.“ Feste und Feiern sind ein erster Zugang, die Familien teilhaben zu lassen. Dann muss es jedoch weiter gehen, indem die Familien möglichst schnell ins Tagesgeschehen eingebunden werden.

Berührungsängste abbauen

Die Beratungs- und Servicestellen leisten erfolgreiche Aufklärungsarbeit nicht nur für Kita-Teams und Fachberatungen, sondern auch für die geflüchteten Familien selbst. Oftmals ist eine außerfamiliäre Kinderbetreuung in den Hauptherkunftsländern nicht bekannt oder wird je nach dem gesellschaftlichen Status der Familien unterschiedlich angenommen. Die Kindertagesbetreuung in Deutschland bedarf deshalb einer grundsätzlichen Erklärung. Hier stellen die Beratungsstellen Leitungen und Fachkräften mehrsprachige Filme zur Verfügung, die den Eltern aus anderen Ländern unsere Betreuungsangebote kurz und anschaulich präsentieren.

Mit ihrem breiten Beratungs- und Serviceangebot tragen die Beratungsstellen erfolgreich dazu bei, Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen und Familien mit Fluchthintergrund schneller in unserer Gesellschaft zu integrieren. 

Die drei Beratungs- und Servicestellen im Überblick

Trägerübergreifende Beratungs- und Servicestelle Regierungsbezirk Nordhessen:
DAKITS e.V. (Dachverband der freien Kindertageseinrichtungen)
Motzstraße 4, 34117 Kassel
Tel.: +49 (0) 561 7663884
Email: nordhessen(at)beratungsstelle-kinder-flucht-hessen.de
Internet: www.dakits.de

Trägerübergreifende Beratungs- und Servicestelle Regierungsbezirk Mittelhessen:
Magistrat der Universitätsstadt Marburg
Karlsbader Weg 5, 35039 Marburg
Tel.: +49 (0) 6421 4875619
Email: mittelhessen(at)beratungsstelle-kinder-flucht-hessen.de
Internet: www.marburg.de

Trägerübergreifende Beratungs- und Servicestelle Regierungsbezirk Südhessen:
DRK-Kreisverband Darmstadt-Stadt e.V.
Mornewegstraße 15, 64293 Darmstadt
Tel.: +49 (0) 6151 3606656
Email: suedhessen(at)beratungsstelle-kinder-flucht-hessen.de
Internet: www.drk-darmstadt.de

Koordination
Franziska Korn
Tel.: +49 (0) 6251 /7005-67
E-Mail: koordination(at)beratungsstelle-kinder-flucht-hessen.de

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