Eigene Entscheidungen treffen und dazu stehen

Die vier Freiwilligen aus Indien haben während ihres Einsatzes an der Bergstraße viele Eindrücke und wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Impressionen vom Einsatz der Inder*innen

zwei Inderinnen und zwei Inder in der Abflughalle eines Flughafens
Eine junge Inderin vor Kästen mit Schrauben
Arun Maruthachalm, indischer Freiwilliger auf dem Hofgut Oberfeld (© Karl Kübel Stiftung).
Eine Gruppe von sechs Personen

„Das war eine meiner besten Entscheidungen“, sagt Christable Britto über ihren weltwärts-Freiwilligendienst. Seit Mai sind die 24-Jährige Inderin und drei weitere Süd-Nord-Freiwillige der Karl Kübel Stiftung an der Bergstraße im Einsatz. Am 28. Dezember heißt es Abschied nehmen, dann geht der Flieger zurück nach Indien. Welche Eindrücke und Erfahrungen nehmen sie mit?

„Ich habe viel gelernt, insbesondere auch im Umgang mit behinderten Menschen“, erzählt Christable, die bei der Behindertenhilfe Bergstraße in Lorsch im Einsatz war. „Die Menschen mit Behinderung können hier arbeiten und ein selbstständiges Leben führen. Sie werden auch darin unterstützt, eigene Entscheidungen zu treffen. Das finde ich gut.“ In Indien sei das nicht selbstverständlich.

Auch Frauen, die Gabelstapler fahren, sind in ihrer Heimat die Ausnahme. Arun Maruthachalam, Freiwilliger am Hofgut Oberfeld in Darmstadt, war ganz erstaunt, als er in Deutschland zum ersten Mal ein Mädchen am Steuer eines Gabelstablers sah: „Hier gibt es keine Diskriminierung von Frauen“, meint der 21-Jährige. Arun hat auf dem Hofgut  viel über biologischen Anbau gelernt und ausprobiert, welche indischen Gemüsesorten hier wachsen. Die Flaschenkürbisse und Bittermelonen wuchsen in Darmstadt prächtig!

Sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln gelernt

Im Alltag haben die indischen Freiwilligen vor allem die Eigenverantwortlichkeit zu schätzen gelernt. „Bei Diskussionen hat jeder die Möglichkeit, seine Meinung einzubringen“, betont Pavithra Kandasamy. Sie und Sujay Kiran halfen bei der Darmstädter Tafel mit. Dort ist ihnen bewusst geworden, wie wichtig es ist, sorgsam mit Lebensmitteln umzugehen. „Ich überlege jetzt zweimal, bevor ich etwas wegwerfe“, sagt Pavithra. Die 23-Jährige ist hier auch auf den Geschmack von deutschem Essen gekommen. „Wenn ich nach Hause fliege, werde ich vor allem den Käse vermissen – und die Maultaschen.“  

Alle vier Freiwilligen sehen in ihrem Einsatz eine persönliche Bereicherung. „Ich habe gelernt, meine Arbeit gut zu planen“, sagt Sujay. Christable betont, dass sie unabhängiger geworden ist. „Ich habe gelernt, eigene Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen. Das war ich aus Indien nicht gewohnt. Dort bekommt man immer genau gesagt, was man tun soll.“

Untergebracht sind die Inder*innen während ihres Aufenthalts in deutschen Gastfamilien. „Für mich ist es eigentlich keine Gastfamilie“, berichtet Arun, „sondern eine richtige Familie.“ Gasteltern und Freiwillige unternehmen viel zusammen, kochen füreinander und lernen so viel übereinander und über die andere Kultur. „Ich finde es schön, dass Familien in Deutschland die Möglichkeit haben, so viel Freizeit miteinander zu verbringen“, sagt Christable. „Es gibt hier sehr gute gesellschaftliche Voraussetzungen für Familien.“ 

Vom interkulturellen Austausch profitieren alle Beteiligten

Zu sehen, wie die vier Inder*innen, aber auch die Einsatzstellen und Gastfamilien von dem interkulturellen Austausch profitieren, freut die beiden Mentorinnen Kirsten Sames und Monika Gerz von der Karl Kübel Stiftung. Neben dem interkulturellem Austausch und Lernen ist ein weiteres Ziel des weltwärts-Freiwilligendienstes Süd-Nord, dass die Teilnehmer*innen sich in ihrem Heimatland mit dem erworbenen Wissen und neuen Erfahrungen für andere Menschen einsetzen und Denkanstöße geben. Das werden Christable, Arun, Sujay und Pavithra sicherlich tun. "Ich möchte gern im Bereich Katastrophenhilfe arbeiten", sagt Christable. Und auch Pavithra hat schon  eine konkrete Idee: Sie möchte gern für eine Hilfsorganisation arbeiten, die sich um Kinder kümmert. 

An den Rückflug mögen sie noch gar nicht so recht denken. Pavithra: „Ich gehe mit sehr gemischten Gefühlen. Natürlich bin ich glücklich, meine Eltern wiederzusehen, aber ich bin auch traurig, von hier wegzugehen.“ Über eines sind allerdings alle vier sehr froh: Sie haben Schnee gesehen! „Wir haben sogar eine Schneeballschlacht machen können“, erzählt Christable strahlend – und freut sich schon darauf, mit ihrer Familie in Indien gemeinsam Silvester zu feiern. 

Gastfamilien gesucht

Auch 2019 werden vier Inder*innen ihren Freiwilligendienst an der Bergstraße absolvieren. Die Karl Kübel Stiftung sucht daher Gastfamilien zwischen Heppenheim und Darmstadt, die von Mai bis Dezember 2019 eine/n Inder*in aufnehmen möchten. Die Freiwilligen werden während ihres Einsatzes von zwei Mentorinnen betreut, die auch den Gasteltern bei Fragen zur Seite stehen und sich um Organisatorisches wie z.B. Anmeldung der Freiwilligen bei der Gemeinde kümmern. 

Kontakt
Kirsten Sames, Tel.  (06251) 700576, E-Mail: k.sames(at)kkstiftung.de 
Monika Gerz, (06251) 700568, E-Mail: m.gerz(at)kkstiftung.de

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