Im Gespräch

Fünf Fragen zum Welt-Elterntag an Daniela Kobelt Neuhaus

Zum Welt-Elterntag am 1. Juni wollten wir von Daniela Kobelt Neuhaus vom Vorstand der Karl Kübel Stiftung wissen, was Elternschaft für sie bedeutet.

Daniela Kobelt Neuhaus hat vier Kinder, die zwischen 30 und 33 Jahre alt sind (© Karl Kübel Stiftung / Marc Fippel)

Daniela Kobelt Neuhaus, Vorstandsmitglied der Karl Kübel Stiftung, hat vier Kinder, die zwischen 30 und 33 Jahre alt sind (© Karl Kübel Stiftung / Marc Fippel)

Der Welt-Elterntag am 1. Juni lenkt den Blick darauf, wie wichtig es ist, Eltern und ihre gesellschaftliche Bedeutung zu stärken. Daniela Kobelt Neuhaus macht sich als Vorstandsmitglied der Karl Kübel Stiftung beruflich für Eltern stark, als Mutter von vier mittlerweile erwachsenen Kindern kennt sie die Herausforderungen des Familienalltags aber auch aus eigener Erfahrung. 

1. Elternschaft erleben wir zuerst als Kind. Das prägt und manches davon übernehmen wir. Was haben Sie sich bei Ihren Eltern mit Blick auf Ihre eigene Elternrolle abgeschaut?

Ich hoffe, es ist mir gelungen, die Fröhlichkeit meiner Mutter mitzunehmen, ihr Vertrauen in eine gute Entwicklung ihrer Kinder. Und was ich ebenfalls meiner Mutter abgeschaut habe: Geben müssen wir jetzt. Später ist es zu spät.

2. Elternschaft braucht auch Unterstützung. Welcher Mensch oder welche Einrichtung waren oder sind für Sie persönlich unverzichtbar?

In Anbetracht der Schwierigkeiten, die alle unsere vier Kinder zu Beginn ihres Lebens hatten, war es unglaublich wichtig, in den ersten Monaten im Krankenhaus Ansprechpartner zu finden, die geduldig unsere Fragen beantwortet haben, uns Eltern darin bestärkten, dass wir kompetent und handlungsfähig sind. Die französisch-reformierte Gemeinde war eine große Unterstützung, als ich praktisch zur Geburt meines ersten Kindes nach Deutschland kam. Dort fand ich die vertraute Sprache (Französisch) und optimistische Menschen. Später waren Nachbarn, Au-pairs, Freundinnen und Freunde und vor allem immer wieder mein Mann da.

3. Elternschaft ist immer ein Abenteuer. Was waren für Sie herausfordernde oder überraschende Momente als Elternteil?

Überraschend war, dass die Kinder trotz Rabenmutter (in den Augen der Nachbarn) zurechtkamen: in der Grundschule selbstständig kochen, gemeinsam Mittag essen, andere dazu einladen und selbstverständlich versichern: Meine Eltern haben nichts dagegen, dass du auch da bist. Die Offenheit für andere, die Nähe und Fürsorge der vier so unterschiedlichen Kinder untereinander, das berührt mich bis heute und macht mich sehr zufrieden. Spannend und herausfordernd war, die Bildungswege der Kinder zu begleiten. Die Entscheidungen den Kindern zu lassen, nicht zu beeinflussen, sondern zu stärken - das fand ich anstrengend. Jetzt haben alle einen spannenden Beruf. Zwei sind verheiratet und ein erstes Enkelkind (11 Monate) erlebt fantastische Eltern.

4. Wenn Sie Familienministerin wären und die Möglichkeit hätten, eine Maßnahme für Eltern umzusetzen, welche wäre das?

Ich würde für eine Umverteilung der Gelder kämpfen und in einem viel größeren Maße in Familien und Bildung investieren. Familien sollten belohnt werden dafür, dass sie Kinder großziehen. Diese Belohnung kann im Gehalt, in besserer Rente oder besseren Steuerbedingungen enthalten sein. Dann würde ich dafür sorgen, dass es von Anfang an für alle Familien und Kinder interdisziplinäre Anlaufstellen gibt, wo sie mit Fachleuten alle Fragen und Anliegen des Lebens ansprechen und Ressourcen tanken können. Die Orte können gerne in Präventionsketten verbunden oder vernetzt mit Fachstellen arbeiten.

5. Elternschaft ist ein 24-Stunden-Job. Da bleibt oft wenig Zeit fürs Auftanken. Was ist Ihr persönlicher Tipp, um zwischendurch mal aufzutanken und Kräfte zu sammeln?

Angebote von Freunden, die Kinder stundenweise zu hüten, wenn diese sie kennen und mögen, nutzen. Ein Einkaufsbummel oder ein Besuch beim Friseur entspannt. Dafür sorgen, dass immer Zeit ist für Sport - im Betreuungswechsel mit dem Partner oder einer Freundin - die eventuell auch Kinder hat. Sein Hobby nicht aufgeben und Kinder von Anfang an daran gewöhnen, dass es Mami- oder Papa-Zeiten gibt zum Zeitunglesen oder Musik hören. Das muss nur zehn Minuten sein, aber die Zeit ist für Kinder tabu.
 

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