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20 junge Menschen bereiten ihren Freiwilligendienst vor

Das Abi in der Tasche und Erfahrungen im Ausland sammeln: Auch in diesem Jahr entsendet die Karl Kübel Stiftung (KKS) 20 junge Menschen nach Indien und auf die Philippinen. Bevor sie ihre Reise antreten, werden die Freiwilligen in Seminaren der KKS auf den achtmonatigen Aufenthalt vorbereitet. Unter fachkundiger Anleitung setzen sie sich intensiv mit den Zielen und Möglichkeiten des Freiwilligendienstes auseinander.

Einblicke in ein weltwärts-Vorbereitungsseminar im Juni 2017

Bilder von der Veranstaltung in Seeheim-Jugenheim

Clementine, 18 Jahre alt, gehört zum Team der Bauingenieure. Der Trupp soll in einer Region namens Derdia eine Brücke bauen. Die Derdianer benötigen die Brücke zwar dringend, sind aber alles andere als begeistert über die Einmischung von außen. Clementine versteht die Derdianer nicht. Warum berühren sie sich ständig, wenn sie miteinander reden? Als Clementine nach einer Schere greift, wird ihr diese aus der Hand geschlagen. Aus heiterem Himmel lassen die Derdianer ihr Werkzeug drei Tage lang liegen, um zu singen und zu tanzen. Und das, obwohl die Zeit drängt und sich bereits ein Inspekteur zur Bauabnahme angekündigt hat. Ist das Brückenbauprojekt zum Scheitern verurteilt?

Im wahren Leben ist Clementine Abiturientin und Freiwillige des weltwärts-Freiwilligenprogramms der Karl Kübel Stiftung (KKS). Zur Vorbereitung ihres achtmonatigen Einsatzes in Indien, der im August 2017 beginnt, besucht sie ein Vorbereitungsseminar der Stiftung im südhessischen Seeheim-Jugenheim, an dem auch Freiwillige der Entsendeorganisation Ecoselva teilnehmen. Das Rollenspiel „Brückenbauprojekt“ fand Clementine „ganz schön herausfordernd“. Dabei simulieren die Teilnehmer, wie es ist, auf eine völlig fremde Kultur zu treffen mit Regeln, die einem niemand erklärt. „Bleibt dran“, ermuntert Dr. Kirsten Sames von der KKS die neuen Freiwilligen. Für die weltwärts-Referentin sind Hartnäckigkeit und eine große Portion Humor wichtige Eigenschaften, die ein Freiwilliger neben Geduld, Aufgeschlossenheit und Empathie mitbringen sollte.

Rückkehrer geben ihre Erfahrung an neue Freiwillige weiter

Hilfreiche Tipps erhalten die Freiwilligen während des gesamten Vorbereitungsseminars von drei Rückkehrinnen. „Greift euch eine Kontaktperson heraus und fragt die, wenn ihr etwas nicht versteht“, rät Annalena, die selbst erst kürzlich von ihrem Einsatz in Indien zurückgekehrt ist. „Beobachtet, fragt und tastet euch so langsam heran.“ 

Im Rollenspiel für den Einsatz im Projekt trainieren

Damit hat schließlich auch „Bauingenieurin“ Clementine beim Brückenbau-Spiel Erfolg. Sie übernimmt den Brauch der Derdianer, sich beim Sprechen zu berühren und wird so Teil der Dorfgemeinschaft. Vom Dorfältesten erfährt sie, dass in Derdia nur Männer eine Schere benutzen dürfen. Und sie begreift, dass die dreitägige „Auszeit“ der Dorfbewohner durch einen Trauerfall ausgelöst wurde. Indem sich die drei Bauingenieure auf das Tempo, die Bräuche und die Wünsche der Derdianer einlassen, schaffen sie es am Ende tatsächlich, eine symbolische Papierbrücke über eine simulierte Schlucht zu errichten. „Ich finde das Spiel einfach klasse“, sagt Annalena. „Auch wenn das Szenario gestellt ist, stehen Freiwillige im Globalen Süden häufig vor einer vergleichbaren Situation“, betont Kirsten Sames.

Das eigene Verhalten reflektieren

Das Brückenbau-Spiel ist Teil eines Seminartages, bei dem sich alles um die Rolle der Freiwilligen vor Ort dreht. Die Teilnehmenden machen sich in Kleingruppen Gedanken über ihre Motivation und diskutieren, wie man mit ungewohnten Situationen umgeht. „Ihr müsst zum Beispiel immer darauf vorbereitet sein, dass man euch auf einer Veranstaltung plötzlich auffordert, etwas zu singen oder vorzutanzen“, erzählt die ehemalige Freiwillige Melissa. „Wenn euch das nicht liegt, könnt ihr zum Beispiel ein kleines Spiel parat haben, das ihr gemeinsam spielt.“

Was ein Freiwilligendienst bringt

Annalena, Melissa und Lena, die drei Rückkehrerinnen des KKS-Freiwilligendienstes 2016, erzählen begeistert von ihren Erfahrungen im Globalen Süden und beantworten die vielen Fragen der neuen Freiwilligen zu ihrem Projekteinsatz. „In erster Linie seid ihr dort, um etwas Neues zu lernen und den Menschen am Einsatzort so viel wie möglich über eure Kultur zu vermitteln“, betont Melissa. „Unterschätzt das nicht. Ihr tragt das Neue auch mit, wenn ihr zurückkommt, das endet nicht mit dem Freiwilligendienst.“ Lena, Melissa und Annalena beispielsweise besuchen regelmäßig Schulklassen in Deutschland und berichten von den Lebens- und Arbeitssituationen in Indien und auf den Philippinen. So wächst auf beiden Seiten der Erde das gegenseitige Verständnis.

Blogs begleiten den Einsatz

Bis zu ihrer feierlichen Entsendung am 21. Juli absolvieren die 20 Freiwilligen der KKS insgesamt zehn Seminartage. Hier erhalten sie Einblicke in die Entwicklungszusammenarbeit, reflektieren ihre eigene kulturelle Prägung und üben, ihre Eindrücke in Berichten, Blogs und Videos zu dokumentieren. Wer mehr über die Erlebnisse von Clementine und den anderen Freiwilligen erfahren möchte, kann dies bald in den Blogs nachlesen.

Freiwillige werden intensiv betreut

Am 6. August starten die Freiwilligen dann bestens vorbereitet jeweils zu zweit zu ihrem Auslandsaufenthalt. „Diese intensive Begleitung auch vor Ort und nach der Rückkehr macht das weltwärts-Programm so wertvoll“, betont Kirsten Sames. Deshalb beteiligt sich die Karl Kübel Stiftung seit 2008 an dem Förderprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). 

Interessierte am Freiwilligeneinsatz der Karl Kübel Stiftung erfahren in den Blogs der Freiwilligen, was diese erlebt und gelernt haben.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Andrea Maier, Tel.: 06251 / 7005-39, oder an Dr. Kirsten Sames, Tel.: 06251 / 7005-76, oder Sie schreiben an weltwaerts(at)kkstiftung.de. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre vollständige Adresse mit an!

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