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»Sich selbst zu verwirklichen und anderen dabei zu helfen, ist Teilnahme an der Schöpfung Gottes.« (Karl Kübel)

Gewaltfreiheit fängt mit Kommunikation an

Gewaltfreie Kommunikation, Ruhpolding
Die Teilnehmer des internationalen Seminars "Gewaltfreie Kommunikation"

"Wir wollen für den Frieden arbeiten - jetzt haben wir erkannt, wie viel Gewalt in unserer Sprache ist. Und dass Gewaltfreiheit mit Kommunikation anfängt", sagt Amina.

Zum zweiten Mal hat die Sozialarbeiterin die weite Reise von den Philippinen nach Ruhpolding unternommen, um an einem internationalen Seminar für "Gewaltfreie Kommunikation" und "Restorative Circle" für Streetworker und Straßenkinder teilzunehmen. Doch diesmal sollte es mehr als eine Tagungswoche sein - "First call for children" ist das Motto dieses neu entstehenden Projektes, unter dem sich 45 Teilnehmer aus 13 verschiedenen Nationen kürzlich eine Woche lang zusammenfanden. 

"Die Arbeit unserer Teilnehmer gilt den Straßenkindern dieser Welt. Mit unserem Seminar möchten wir etwas zum Schutz und Wohlergehen der Kinder beitragen", sagt Gitta Zimmermann, Initiatorin dieser Zusammenarbeit, GfK-Trainerin und Mitarbeiterin der Karl Kübel Stiftung. Ziel ist es, die Teilnehmer zu Multiplikatoren der Gewaltfreien Kommunikation auszubilden und diese Methode an die Straßenkinder weiterzugeben. Gerade wurde das Projekt  von der UNESCO für den Wettbewerb "Ideen-Initiative Zukunft: für eine lebenswerte Welt" in Zusammenarbeit mit den dm-Märkten ausgewählt.

Strukturen für ein gegenseitiges Geben und Nehmen

Die Welt verändern durch Kommunikation - ein sehr idealistisches Ziel? Der 18jährige Annan, ein Straßenkind aus Indien, sprüht vor Energie, als er gestenreich und voller Begeisterung von seinen Erfahrungen in dieser Woche berichtet. "Hier habe ich gelernt, wie wichtig Liebe für ein Kind ist. Ich habe schon viel über Buddah und Ghandi gehört. Aber selber etwas für den Frieden tun, das ist etwas ganz anderes. Ich habe hier sehr viel in all den Übungen und Spielen gelernt", übersetzt der Sozialarbeiter, der Annand nach Deutschland begleitet hat. Für den indischen Jungen und seinen neuen Freund Ken aus Kenia ist deutlich: Diese neue Art, auf andere Menschen zuzugehen, diese Methode der Gewaltfreien Kommunikation, vermittelt ihnen Selbstvertrauen. Und ein Selbstbewusstsein, das sie noch nie hatten. "Das kann auch ein Weg aus der Drogensucht sein", ist sich der 20jährige Ken sicher, der aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, wovon er spricht.

"Das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg ist es, menschliche Verbindungen und gesellschaftliche Strukturen aufzubauen, die ein einfühlsames gegenseitiges Geben und Nehmen fördern", erläutert Gitta Zimmermann. "Wir wollen den Kindern mit Hilfe der GfK Wege aufzeigen, auf denen sie auch unter den konfliktreichen Gegebenheiten der Straße Verhaltensstrategien finden können, die ihre grundlegenden Bedürfnisse nach Versorgt-Werden, Geborgenheit, Respekt und Liebe erfüllen."  

Noch mehr Straßenkinder sollten gewaltfreie Kommunikation lernen

Viele neue Vernetzungen konnten angestoßen werden in diesen intensiven Tagen des Zusammenseins auf dem Labenbachhof. So soll ein Buch entstehen über all die Projekte, in denen die Teilnehmer bereits heute arbeiten. Per Facebook wollen sie miteinander in Kontakt bleiben. Viele wollen an ihren Schulen so genannte "Peacemaker", Friedensstifter, ausbilden. 
Eigentlich sollten noch viel mehr Straßenkinder den Weg nach Ruhpolding finden. Aber die Beschaffung von Ausweispapieren erwies sich als großes Hindernis. Und erweist sich die Reise in den europäischen Reichtum nicht auch als ein großer Kulturschock für die Betroffenen?

"Sie genießen diesen Aufenthalt hier. Diese Reise sollte ein ganz besonderes Geschenk sein, damit das, was sie hier lernen, einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen einnimmt. Und sie erkennen im Vergleich: Das, was ich zu Hause habe, ist auch schön", erzählt Zimmermann. Ken vermisst schon jetzt die Sonne und die Vögel. Hans Hartung, der den Jungen nach Deutschland brachte, hat ihm für seine Rückkehr einen Ausbildungsplatz als Gewächshausbauer besorgt. Für die neue Arbeit nimmt Ken ein Mitbringsel aus Ruhpolding mit: einen grünen Trachtenhut.
Organisiert wurde der Workshop von der Karl Kübel Stiftung in Bensheim in enger Kooperation mit der Arche Noah Stiftung. Beiden Organisationen ist dieses Thema ein wichtiges Anliegen in Ihrer täglichen Projektarbeit.


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