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»Die Qualität des Lebens kann sich nur verbessern, wenn der Mensch selbst sich in seiner Qualität verbessert. So gesehen kann unser Anliegen nur das sein, dem Menschen zu helfen, fähig zu werden, dass er selbstsicher, urteilsfähig, kreativ und aktiv für Solidarität wirkend im Leben steht.« (Karl Kübel)

Indien: Kleinbauernförderung muss weiterhin Förderschwerpunkt bleiben

Delegation in Indien
MdB Peter Bleser mit Schwester Magi Maria und den Frauen von Saunther

Infos

Zur Unterstützung der Indienprojekte sind Spenden willkommen:

Spendenkonto:
Sparkasse Bensheim
BLZ 509 500 68
Konto-Nr. 50 50 000

Ansprechpartner:
Ralf Tepel, Mitglied des Vorstands
r.tepel@kkstiftung.de  
Tel: 0 62 51 / 70 05 0

Delegation in Indien
MdB Dr. Max Lehmer im Gespräch mit Frauen in Saunther
Delegation in Indien
Lakshmi Bhai, Mitglied einer Frauengruppe, zeigt stolz die Speicherbehälter der Saatgutbank
Delegation in Indien

Nur mit breit angelegter landwirtschaftlicher Förderung können Hunger und Unterernährung dauerhaft bekämpft werden

Eine hochrangige Delegation unter der Leitung der Bundestagsabgeordneten Peter Bleser (CDU) und Dr. Max Lehmer (CSU) besuchte Mitte November im Rahmen einer einwöchigen Indien-Reise ein ländliches Entwicklungsprojekt der Karl Kübel Stiftung in Indien. Neben den beiden Landwirtschaftsexperten aus dem Deutschen Bundestag nahmen Vertreter der deutschen Wirtschaft, der Deutschen Botschaft in Neu Delhi, Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Vertreter des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und Journalisten an dem Besuch teil.

Die Delegation besuchte zwei Dörfer in der Nähe der zentralindischen Metropole Bhopal, der Hauptstadt des Bundeslandes Madhya Pradesh, die 1984 durch die Giftgaskatastrophe weltweit bekannt geworden war. Hier unterstützt die Karl Kübel Stiftung seit vier Jahren mit finanzieller Beteiligung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein ländliches Entwicklungsprojekt.

Madhya Pradesh ist das Armenhaus Indiens: Nach Angaben des kürzlich veröffentlichten Global Hunger Index waren 2008 ein Viertel der Bevölkerung des Bundesstaates unterernährt, 60 Prozent der Kinder unter fünf Jahren untergewichtig, und knapp zehn von 100 Kindern sterben vor ihrem fünften Geburtstag. Die Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln pro Person ist zwischen 1990 und 2007 drastisch zurückgegangen. Laut dem Hungerindex steht Madhya Pradesh heute etwa auf dem gleichen Niveau wie Äthiopien. Auch die indischen Bundesstaaten, die aktuell durch ihre großen Industrieansiedlungen und hohe wirtschaftliche Wachstumsraten auf sich aufmerksam machen, stehen keinesfalls wesentlich besser da. Fortschritt und wirtschaftlicher Aufschwung gehen an breiten Teilen der Bevölkerung vorbei.

Stabilisierung der Nahrungsmittelproduktion, Verbesserung der Wasserversorgung und der hygienischen Verhältnisse, der Zugang zu fairen Krediten und landwirtschaftlichen Betriebsmitteln für Kleinbauern und insbesondere die Stärkung der Rolle der Frauen in Familie und Gesellschaft stehen daher weiterhin im Fokus der Maßnahmen der Karl Kübel Stiftung.

Eigene Ansparungen helfen über Krisenzeiten

Begleitet von Ralf Tepel vom Vorstand der Stiftung, sprach die Delegation mit Frauengruppen, sogenannten Selbsthilfegruppen, über die in den letzten Jahren erzielten Veränderungen. Diese Frauengruppen tragen nach dem Prinzip der Mikrokreditvergabe der Grameen Bank regelmäßig eigene Ersparnisse zusammen und gründen damit kleine dörfliche, selbstverwaltete Kreditsysteme. Aus den Ersparnissen werden Kredite an Gruppenmitglieder vergeben. Damit konnte zunächst die Abhängigkeit von lokalen Geldverleihern weitgehend abgebaut werden, die Kredite zu Zinsätzen zwischen 48 und 60 Prozent an die Bevölkerung vergeben. Früher wurden die spärlichen Gewinne aus der Landwirtschaft immer wieder von den Wucherzinsen der Geldverleiher abgeschöpft. Den Bauern blieb bis dahin kaum eine andere Möglichkeit, denn der Zugang zu staatlichen Banken war ihnen, die mehrheitlich Analphabeten sind, verwehrt. Sie konnten weder die bürokratischen Hürden überwinden, noch die nötigen Sicherheiten bereitstellen. Heute haben die Frauen in den Selbsthilfegruppen ansehnliche Sparguthaben zusammengetragen, die in Krisenzeiten genutzt werden. Darüber hinaus haben nun alle Gruppen ein eigenes Konto bei einer lokalen Bank und sind damit auch für die Banken kreditwürdig geworden.

Auf die Frage eines Delegationsmitglieds, ob sie auch nach Ende der Förderung durch die Karl Kübel Stiftung ihre Aktivitäten weiterführen würden, gaben die Frauen eine klare Antwort: „Wir bekommen von den privaten Geldverleihern Kredite zu einem Zinssatz von bis zu 60 Prozent, von den Banken und aus unseren eigenen Einlagen bekommen wir Kredite zum Zinssatz von 12 bis 24 Prozent. Warum sollten wir da zu den Geldverleihern zurückgehen?"
„Mit unseren Ersparnissen können wir uns in Notzeiten die nötigen Nahrungsmittel am Markt kaufen. Mit unserer eigenen ‚Getreidebank‘ können wir jetzt den Bedarf an Saatgut selbst decken", antwortet Nanni Bhai, eine Frau Mitte 40 und Leiterin einer Frauengruppe, auf die Frage, ob ihre Familie heute noch zu bestimmten Jahreszeiten Hunger leiden müsse.

Das Saatgutprogramm ähnelt einem kleinen Genossenschaftsmodell: Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe können aus einem selbst verwalteten Getreidespeicher Saatgut entnehmen, das sie zur Erntezeit mit einem Aufschlag von 50 Prozent wieder zurückgeben. Die Gewinne werden dann genutzt, um das Grundkapital der Gruppe aufzustocken und somit das Potenzial der internen Kreditvergabe zu erhöhen. Die jeweils erste Rückzahlung fließt in einen gemeinsamen Fonds, aus dem weitere Frauengruppen in umliegenden Dörfern nach dem gleichen Prinzip unterstützt werden. Aus Projektmitteln finanziert werden lediglich die Saatgutbehälter - jede Gruppe erhält zwei Stahlbehälter mit einem Fassungsvermögen von jeweils 500 Kg - und die Schulung der Gruppen, unter anderem in Buchführung.

Vorrangiges Problem der Menschen ist weiterhin die Verfügbarkeit von Wasser. Immer wieder taucht in den Beiträgen der Frauen der Begriff „Pani" (Wasser) auf. Nur durch eine sichere Wasserversorgung können auch die landwirtschaftlichen Erträge stabilisiert werden. Gerade in den letzten Monaten hat die anhaltende Trockenheit zu einem kompletten Ernteausfall im Sojaanbau und damit zu Einkommensverlusten von bis zu 60 Prozent geführt. Maßnahmen zur Sicherstellung der Wasserversorgung haben daher absoluten Vorrang. Ansonsten droht - trotz aller Fortschritte - die weitere Verarmung der Menschen.

Großes Entwicklungspotenzial mit Hilfe Dritter

„Der heutige Besuch hat gezeigt, dass erfolgreiche Hilfe zur Selbsthilfe möglich ist. Ich bin tief beeindruckt vom Willen der Menschen, insbesondere der Frauen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Zudem habe ich hier hoffnungsvolle Ansätze zur Bildung eines Genossenschaftssystems gesehen, die weiterentwickelt und gefördert werden müssen", so das Resümee des Bundestagsabgeordneten Peter Bleser. Es habe sich gezeigt, dass deutsche Fördergelder hier gut und sinnvoll angelegt sind. „Die Zusammenarbeit zwischen einer indischen Nichtregierungsorganisation (NRO), der Karl Kübel Stiftung und der Teil-Förderung durch das BMZ machen hier absolut Sinn. Gerade die hohe Motivation, Integrität und Akzeptanz der indischen Organisation Cyrias Elias Voluntary Organisation for Women and Children (CEROWC) unter der Leitung der katholischen Ordensschwester Magi Maria und die kompetente Begleitung durch die Karl Kübel Stiftung haben mich überzeugt."

In einem abschließenden Pressegespräch mit Vertretern indischer Medien betonte Bundestagsabgeordneter Dr. Max Lehmer (CSU): „Die ländlichen Gebiete, die ich heute gesehen habe, verfügen meiner Ansicht nach über ein großes Entwicklungspotenzial. Dennoch, die Menschen hier brauchen sichere Wasserversorgung, landwirtschaftliche Beratung und Zugang zu fairen Krediten und Betriebsmitteln. Hier ist der indische Staat gefordert. Aber auch die Unterstützung durch Projektförderungen, wie sie die Karl Kübel Stiftung und CEROWC leisten, sind weiterhin erforderlich."

Fazit des Besuchs ist es, dass nur mit einer breit angelegten landwirtschaftlichen Förderung, die die Bereiche Wasserversorgung, angepasste Bodennutzung, landwirtschaftliche Beratung und gezielte Kleinbauernförderung beinhalten, Hunger und Unterernährung in derartig entlegenen Gebieten dauerhaft bekämpft werden können. Der indische Staat aber auch die NROs in Indien und Deutschland haben hier weiterhin ihren Betrag zu leisten. Hoffnungsvolle Ansätze, dass Hilfe zur Selbsthilfe möglich ist, sind sichtbar - insbesondere erkennbar ist die hohe Motivation und Zuversicht der Menschen, selbst ihre Zukunft verantwortlich zu gestalten.


Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

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