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»Die Qualität des Lebens kann sich nur verbessern, wenn der Mensch selbst sich in seiner Qualität verbessert. So gesehen kann unser Anliegen nur das sein, dem Menschen zu helfen, fähig zu werden, dass er selbstsicher, urteilsfähig, kreativ und aktiv für Solidarität wirkend im Leben steht.« (Karl Kübel)

Laudator

Prof. Dr. Franz Resch
Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind

Die Laudatio auf den Preisträger und die Nominierten hat in diesem Jahr Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind, gehalten.

In seiner Rede erläuterte er unter anderem, warum Eltern und Kinder im 21. Jahrhundert Bildungs- und Präventionsnetzwerke brauchen: "Familien sind anders geworden. Entgegen Prophezeiungen, die den Untergang der Familie ankündigen, im Gegensatz aber auch zu Bewertungen, die von der Unwandelbarkeit einer angeblich natürlichen Familiennorm sprechen, ist heutzutage eine große Vielfalt von Familienformen anzutreffen. Die Pluralisierung familiären Lebens ist ein Faktum, das zu den inzwischen weitgehend selbstverständlichen Merkmalen einer postmodernen Gesellschaft gehört.

Aber nicht nur Zusammensetzung und Form der Familien sind vielfältig geworden. Heute unterscheiden sich ebenso sehr die Herkünfte, Lebensstile und Milieus, die kulturellen Orientierungen und religiösen Überzeugungen der Menschen. Diese Vielfalt ist mit neuer Freiheit und der Möglichkeit verbunden, sich als Einzelner und auch als Familie immer wieder neu erfinden zu können. Zugleich wächst damit die Gefahr von Beliebigkeit und Unübersichtlichkeit, die zu mangelnder Orientierung und verzweifelter Sinnsuche führen kann.

Dieses unentrinnbare Dilemma der Moderne gilt auch für das Verhältnis zwischen den Generationen. Auf der einen Seite haben die Technisierung von Haushaltsvorgängen und die Entwicklung einer „Fast-food-Kultur" dazu geführt, dass die Familien von Alltagsaufgaben entlastet wurden. Auf der anderen Seite sehen sie sich neuen Belastungen gegenüber. Was an mühseliger Hausarbeit genommen wurde, haben sie an Beziehungsdruck dazu gewonnen. Verwandtschaftlich und nachbarschaftlich häufig isoliert, soll die Familie zentraler Ort emotionaler Geborgenheit und der Erfüllung von Liebesansprüchen sein. Schwankend zwischen Intimisierung und Beziehungsgleichgültigkeit ist die Familie jedoch nicht selten überfordert.

Familien heute sind viel in Bewegung. Die gesteigerte Mobilität in allen Lebensbereichen setzt sich auch in der Familie mit einem Mehr an Trennungen fort. Familiäre Stundentafeln und Absprachen gleichen immer häufiger komplizierten Wechselschicht-Dienstplänen. Nicht nur die Väter, sondern zunehmend auch die Mütter sind wenig zu Hause anwesend. Ein für Identifizierungsprozesse bedeutungsvolles Miteinander der Familienmitglieder ist für Kinder und Eltern stets seltener zu erleben.

Auch im Verhältnis der Eltern zum Kind hat ein Wandel stattgefunden. Erziehung wird nicht mehr als selbstverständlich hingenommen. Die pädagogische Euphorie früherer Jahre ist dahin, zurück bleibt ein Gefühl der Sisyphosarbeit, in dem sich die Eltern immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen fühlen und zugleich neue Ratgeber suchen. Niemals zuvor gab es eine Generation von Eltern, die so umfassend über Erziehung informiert war - von der Ratgeberliteratur bis zur Super Nanny - und zugleich gab es niemals zuvor so viele Eltern, die in ihrer Erziehung so sehr verunsichert waren wie heute."


Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

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