Mangrovenwälder schützen die einzigartige Landschaft der Sundarbans
Geo schützt den Regenwald e.V. unterstützt seit 2007 ein integriertes Wiederaufforstungs- und Entwicklungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Karl Kübel Stiftung, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Tagore Society for Rural Development.
Südöstlich von Kolkata liegt das ausgedehnte Mündungsdelta des Ganges, Brahmaputra und Meghna - die Sundarbans. In diesem Labyrinth aus Wasserläufen und Inseln finden sich bis heute die größten zusammenhängenden Mangrovenwälder der Erde. Das Biotop ist Rückzugsgebiet für etliche, zum Teil vom Aussterben bedrohte Tierarten. Daneben hat sich durch die Eindeichung vieler Inseln eine einzigartige Kulturlandschaft entwickelt. In den Sundarbans leben heute etwa vier Millionen Menschen von Landwirtschaft und Fischfang.
Etwa 90 Prozent der Menschen leben unter der offiziellen Armutsgrenze; Süßwasser ist rar. In Anbetracht der Armut reagierten viele Menschen mit Skepsis, als sie im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojekts der Karl Kübel Stiftung dazu angeregt wurden, Mangroven zum Schutz der Deiche aufzuforsten. Für die Zielgruppen erschienen andere Maßnahmen notwendiger, als auf dem Wasser schwimmende Mangroven-Samen zu sammeln, sie in kleinen Baumschulen zu Setzlingen aufzupäppeln und diese dann im Schlick vor den Deichen anzupflanzen.
Doch die anfängliche Skepsis hat sich durch den verheerenden Wirbelsturm AILA in großes Interesse gewandelt; die Bilanz des Zyklons: hunderte Todesopfer, tausende verendete Nutz- und Wildtiere, mehr als eine halbe Million Obdachlose, ca. 500 Kilometer zerstörte Deichanlagen sowie teils irreversibel zerstörte Trinkwasserbrunnen und Felder. Bis zu 8.000 Menschen haben nach der Katastrophe täglich die Region verlassen.
Die Folgen von AILA haben sowohl der lokalen Bevölkerung als auch der indischen Regierung vor Augen geführt, wie extrem gefährdet die Siedlungsräume in den Sundarbans sind.
Die Lektion lässt sich einfach zusammenfassen: Ohne die Wiederaufforstung der Mangrovenbannwälder wird ein Überleben der Menschen in den Sundarbans nicht möglich sein. Überall dort, wo Mangroven den Dämmen vorgelagert sind, hielten die Dämme selbst der Jahrhundertflut stand.
Die Erfolge des Projekts beweisen, dass Mangrovenwälder aus lokalen Arten nur dann gute Regenerierungschancen haben, wenn die autochthone Bevölkerung in allen Schritten des Prozesses mit eingebunden wird und sich für den Schutz und Erhalt der jungen Wälder verantwortlich fühlt.
Passend zur Ausrufung des internationalen Jahres der biologischen Vielfalt 2010 durch die Vereinten Nationen hat die Tagore Society for Rural Development mit Unterstützung der Karl Kübel Stiftung zum Jahresbeginn einen Mangroven-Besucherpark auf einer kleinen Insel in den Sundarbans eröffnet. In den ersten Wochen haben lokale Führer schon fast 400 Gäste aus Nah und Fern begrüßt und sie sowohl über die Ökologie der Mangrovenwälder als auch über die aktuellen Bedrohungen aufgeklärt. mehr