'Bensheim hilft' und Karl Kübel Stiftung fördern die Wasserversorgung auf der Insel Samsernagar in den Sundarbans
Von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen, fegte der Wirbelsturm AILA am 25. Mai 2009 über die Sundarbans und führte dort zu entsetzlichen Verwüstungen. Auch neun Monate nach dem verheerenden Zyklon leben viele Menschen auf der abgelegenen Insel an der Grenze zu Bangladesh noch immer unter teils menschenunwürdigen Bedingungen. So überrascht es nicht, dass von den ehemals 1.900 Familien fast 60 Prozent die Insel auf der Suche nach einer neuen Heimat verlassen haben. Diese Suche endete für die meisten in den Slums von Kolkata.
Diejenigen, die zurückgeblieben sind, leben oft in einfachsten Behelfsunterkünften. Neben einer sicheren Unterkunft stellen die Versalzung der Böden und der Mangel an Trinkwasser die größten Probleme dar. Zudem berichten Dorfbewohner von regelmäßigen Tiger-Attacken. Seit dem Wirbelsturm kommen die Tiger immer häufiger aus dem geschützten Mangrovenwald in das Dorf auf der Suche nach Nahrung. Dem Sturm waren auch zahlreiche Wildtiere zum Opfer gefallen, so dass die natürliche Nahrungskette der Tiger unterbrochen wurde.
Die im Rahmen einer Dienstreise vor Ort befragten Dorfbewohner haben trotz aller Herausforderungen bestätigt, dass viele Flüchtlinge gerne wieder nach Samsernagar heimkehren wollen. Angesichts der meist elenden Verhältnisse in den städtischen Slums träumen die meisten davon, ihr Heimatdorf wieder aufzubauen und zu ihrem früheren Leben als Kleinbauern zurückkehren zu können.
Minimalvoraussetzung dafür ist jedoch, dass eine sichere Trinkwasserversorgung gewährleistet ist und dass die Landwirtschaft wieder möglich wird.
"63 Jahre nach der Unabhängigkeit Indiens wird unser Dorf nun endlich sauberes Trinkwasser bekommen..."
Obwohl noch niemand genau weiß, wie sich die unterschiedlich hohe Salinität im Oberboden auf die nächste Ernte auswirken wird, gehen viele lokale Experten davon aus, dass es etwa drei Jahre dauert, bis sich der Boden regeneriert hat und Landwirtschaft wieder weitestgehend flächendeckend möglich sein wird. Das funktioniert jedoch nur unter den Voraussetzungen, dass die teils noch instabilen Deiche befestigt werden und nicht erneut brechen und dass die jährlichen Monsunregen pünktlich und in ausreichender Stärke fallen; so wird das Salz ausgewaschen.
Viel schwieriger ist die Lösung des Wasserproblems. Traditionell wird während der Monsunzeit das Regenwasser in Haus- und Dorfteichen aufgefangen. Diese Regenwasserspeicher dienen den Menschen und Tieren sowohl als Trinkwasser- als auch als Brauchwasserreservoir. In Abhängigkeit von der Dauer der Regenzeit und der Niederschlagsmenge gewährleisten die Regenwasserspeicher eine unterschiedlich lange Versorgung der Haushalte mit Süßwasser.
Problematisch wird es in der Trockenzeit. Dann müssen oft drei bis vier Monate zwischen dem Austrocknen der Teiche und dem Beginn der Regenzeit durch alternative Wasserquellen überbrückt werden.
Trinkwasser ist in dieser Region meist erst ab einer Tiefe von 1.300 Fuß (ca. 400 Meter) zu finden. Trotz zahlreicher Versprechungen und einzelner, inzwischen wieder abgebrochener, Initiativen seitens der Lokalregierung beruht die Wasserversorgung des Dorfes auf einem alten Bohrbrunnen, dessen stark salzhaltiges Wasser schon seit seiner Inbetriebnahme nach allen sanitären Maßstäben als Trinkwasser ungeeignet ist. Die Folge sind häufige Durchfallerkrankungen und bisher undokumentierte Langzeitschäden durch den Konsum des verunreinigten Trinkwassers.
Dank einer großzügigen Spende von 'Bensheim hilft' und einigen Privatspendern gelang es der Karl Kübel Stiftung in Zusammenarbeit mit ihrem lokalen Partner nach schwierigen, teils bürokratischen Vorarbeiten und Verhandlungen einen neuen Brunnen in Samsernagar zu bohren. "63 Jahre nach der Unabhängigkeit Indiens wird unser Dorf nun endlich sauberes Trinkwasser bekommen", schwärmte ein alter Bauer als er das Wasser sprudeln sah.
Die Bohrung in unmittelbarer Nachbarschaft einer Schule ist inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Es ist weiter geplant, das abfließende Rest-Wasser des Brunnens für ein Schulgarten-Projekt zur Ergänzung der Schulspeisung zu nutzen.
Erschließung eines zweiten Brunnens
Nach Abschluss der Baumaßnahmen für den ersten Brunnen steht nun die Erschließung des zweiten Brunnens auf dem Programm. Nachdem die erste Bohrung erfolgreich war, sind alle Dorfbewohner optimistisch, dass auch die zweite Bohrung ein Erfolg sein wird. Die Erfahrungen aus dem ersten Bauabschnitt können genutzt werden, um den Bau- und Erschließungsprozess für den zweiten Brunnen effizienter zu gestalten.
Daneben steht das Schulkomitee der "Ramadhan SSK Schule", bestehend aus Lehrern, Eltern und Vertretern der lokalen Behörde bereit, um zeitnah mit der Erschließung der Schulgärten zu beginnen. Der lokale Projektträger Development Research Communication and Service Centre (DRCSC) hatte die längere Bauzeit erfolgreich genutzt, um das Schulkomitee zu etablieren, die Mitglieder für Fragen gesunder Ernährung zu sensibilisieren und in organischen Anbaumethoden auszubilden.









