Hessischer Ministerpräsident besucht mit hochrangiger Delegation Projektgebiet von 'Hessen hilft den Flutopfern'

- Ralf Tepel (li.), Vorstandsmitglied der Karl Kübel Stiftung, informierte Ministerpräsident Koch (re.) über die Ergebnisse von 'Hessen hilft den Flutopfern'.


- Am Strand des neu errichteten Dorfs Paramankeni präsentiert ein Fischer dem hessischen Ministerpräsidenten stolz seinen Fang. Dank 'Hessen hilft den Flutopfern' konnten viele Fischer ihre Arbeit wieder aufnehmen.

- Ein Fokus der Hilfe aus Hessen lag im Aufbau von Bildungsmöglichkeiten und alternativen Einkommensquellen, um die Abhängigkeit vom Fischfang zu mindern und Kindern und Jugendlichen eine Perspektive zu verschaffen. Der Ministerpräsident besuchte in Paramankeni daher auch eine Bildungsstätte, die mit hessischer Hilfe errichtet worden ist.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat am Samstag (6.3.) gemeinsam mit einer Delegation aus Politik, Diplomatie und Medien das Projektgebiet von 'Hessen hilft den Flutopfern' im südost-indischen Bundesstaat Tamil Nadu besucht. An dem mehr als sechsstündigen Ortstermin haben unter anderem auch Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen), der Bergsträßer Landtagsabgeordnete Dieter Stephan (CDU), Regierungssprecher Dirk Metz und der deutsche Generalkonsul teilgenommen. Die Besucher haben sich anhand der Beispiele der Dörfer Devaneri und Paramankeni einen Eindruck vom Stand der Hilfsmaßnahmen und der erreichten Ziele gut fünf Jahre nach der Tsunami-Katastrophe verschafft. Ralf Tepel, im Vorstand der Karl Kübel Stiftung für den Bereich Entwicklungszusammenarbeit und damit auch für die Tsunamihilfe verantwortlich, hat der Delegation vor Ort anhand der konkreten Beispiele über Verlauf und Erfolge der spendenfinanzierten Hilfe berichtet.
'Hessen hilft den Flutopfern' ist Ende 2004 vom Land Hessen, HitRadio FFH, dem Verband Hessischer Zeitungsverleger und der Karl Kübel Stiftung ins Leben gerufen worden. Die Stiftung hat seinerzeit die Koordination der Hilfe und des Wiederaufbaus in Zusammenarbeit mit indischen Partnerorganisationen übernommen. Insgesamt sind durch "Hessen hilft den Flutopfern" mehr als 1,6 Millionen Euro an Spenden gesammelt und in den Wiederaufbau investiert worden. Um Hilfe gezielt und über vertrauenswürdige Kanäle zu leisten, wurden Anfang 2005 mit aktiver Beteiligung der indischen Partnerorganisationen fünf Gemeinden mit einer Bevölkerung von etwa 4.000 Menschen in einer Region südlich der Metropole Chennai an der indischen Ostküste ausgewählt, einer Region, in der bereits langjährige indische Partnerorganisationen der Karl Kübel Stiftung tätig waren.
Ansatz der ‚Hilfe zur Selbsthilfe' war erfolgreich
In Indien waren vorwiegend die südöstlichen Küstenstreifen von den Zerstörungen betroffen. Alles in allem hatten etwa 900.000 Menschen unmittelbar unter den Folgen des Tsunami zu leiden. Auch wenn die Zahl der Todesopfer mit knapp 8.000 Menschen im Vergleich etwa zu den Opferzahlen in Thailand und Indonesien eher gering war, richteten die Fluten massiven
wirtschaftlichen Schaden in der Region an: Knapp 123.000 Häuser und Hütten wurden zerstört, die dort lebenden Familien wurden obdachlos. Zudem wurde den Menschen, die sich vorwiegend vom Fischfang ernährten, die Existenzbasis entzogen, denn viele Boote gingen mit der kompletten Ausrüstung wie Motoren und Netze verloren, und zusätzlich blieben nach dem Seebeben und der anschließenden Flutwelle die Fischschwärme aus.
"Von Beginn an stand nicht nur die unmittelbare kurzfristige Katastrophenhilfe, sondern die langfristige Veränderung von Armutsstrukturen im Vordergrund. Die Menschen ganz im Sinne von 'Hilfe zur Selbsthilfe' einzubeziehen und nicht nur als Empfänger von Nothilfeleistungen
zu betrachten, war eine zweite Zielrichtung der Aktivitäten", erklärt Stiftungsvorstand Ralf Tepel. Bei 'Hessen hilft den Flutopern' habe man von Anfang an auf Kooperation gesetzt und daher die Chengalpattu Rural Development Society (CRDS), das Hilfswerk der katholischen Diözese von
Kanchipuram sowie die von katholischen Ordensschwestern geleitete Palliagaram Udayam Society (PUS) als Partner für das Vorhaben ausgewählt.
Durch regelmäßige Aufenthalte im Projektgebiet hat die Karl Kübel Stiftung seit Anfang 2005 die Maßnahmen koordiniert, die sachgemäße Verwendung der Spendengelder überwacht und Erfolgskontrollen durchgeführt. "Die erreichten Aufbauziele stimmen uns zufrieden. Heute stellen wir guten Gewissens fest, dass die Bevölkerung in den fünf Gemeinden ihr Leben wieder komplett selbst in die Hand nehmen kann. Weitere direkte Hilfen sind daher nicht notwendig. Wir werden jedoch weiterhin durch Beratung und Begleitung in der Region präsent sein", so Ralf Tepel.
Ministerpräsident Roland Koch, der bereits im Februar 2005, also nur wenige Wochen nach der verheerenden Katastrophe, die Tsunamigebiete bereist hatte, war von den Ergebnissen des Wiederaufbaus tief beeindruckt. "Den hessischen Bürgerinnen und Bürgern, den Unternehmen, Schulen und Kommunen, die für die Tsunami-Opfer gespendet haben, kann ich versichern, dass ihre Hilfe angekommen ist und den Menschen hier wieder eine stabile Lebensbasis geschaffen hat", so Roland Koch. Es habe sich als absolut richtig erwiesen, die Karl Kübel Stiftung mit ihrer langjährigen Erfahrung in Indien mit der Abwicklung des Projektes zu betrauen.
Weitere Hilfen sind nach der Ansicht aller Verantwortlichen in den von "Hessen hilft den Flutopfern" geförderten Gemeinden nicht mehr erforderlich. Der Ministerpräsident war vor allem von den Kindern begeistert, mit denen er beim Empfang in den Dörfern und beim Besuch einer Dorfschule sprechen konnte. Der Lerneifer und die Neugier seien für ihn ein beidruckendes Zeichen, dass hier eine Generation heranwächst, die sich zukünftig eine berufliche Perspektive außerhalb der traditionellen Fischerei schaffen werden. Die nach dem Tsunami aufgebauten Kindergärten und Nachhilfezentren haben hier einen entscheidenden Beitrag geleistet, um Schulabbruch und Kinderarbeit zu verhindern.
Überblick: Die Hilfsmaßnahmen von 'Hessen hilft den Flutopfern'
In den ersten Wochen nach der Katastrophe - bis etwa März 2005 - konzentrierten sich die Maßnahmen auf die unmittelbare Nothilfe.
Folgende Maßnahmen bzw. Leistungen wurden aus Projektmitteln finanziert:
• Verteilung von Kleidung und Hausrat (Bettzeug, Kochutensilien), von Essen und 10 kg Reis jeweils für 614 Familien
• Verteilung von Schulmaterialien an Kinder
• Bau von 18 Notunterkünften
• Einrichtung einer Elektrizitätsversorgung für 240 Notunterkünfte
• Einrichtung von Straßenbeleuchtung (42)
• Befestigung (Böden) für 60 Notunterkünfte
• Medizinische Versorgung (regelmäßige medizinische Camps) in allen Dörfern (einschließlich psychologischer Betreuung)
Ab April/Mai 2005 erfolgten die ersten Schritte zum Wiederaufbau bzw. zum Wiedereinstieg in die traditionellen Berufs- und Einkommensbereiche.
Es wurden schrittweise nachfolgende Programme umgesetzt:
• Einrichtung und Betrieb von 8 Nachhilfezentren für 541 Kinder
• Einrichtung und Betrieb einer Schneidereiwerkstatt (einschließlich Ausbildung)
• Bereitstellung von 187 Booten einschl. Netzen und Außenbordmotoren
• Bereitstellung von 6 Wassertanks mit jeweils 500 Liter Fassungsvermögen
• Bau von drei Gemeindezentren in Devaneri und Nachbargemeinden
• Bau von Gemeinschaftslatrinen in Devaneri
• Bau von Brunnen und Handpumpen in Devaneri und Nachbargemeinden
• Organisation und Aktivierung von 20 Selbsthilfegruppen (SHG), die gemeinsam sparen, abrechnen und Investitionen tätigen
• Einrichtung von Abendschulen für Schulkinder, Anlage eines Spielplatzes
• Bau von 424 Häusern (davon 163 in Devaneri, 44 in Edayurkuppam, 15 in Salvankuppam, 202 in Paramankeni), von den Häusern in Paramankeni wurden 26 von "Hessen hilft", 75 von der Andheri Hilfe und 101 von Caritas finanziert.







