»Die Qualität des Lebens kann sich nur verbessern, wenn der Mensch selbst sich in seiner Qualität verbessert. So gesehen kann unser Anliegen nur das sein, dem Menschen zu helfen, fähig zu werden, dass er selbstsicher, urteilsfähig, kreativ und aktiv für Solidarität wirkend im Leben steht.« (Karl Kübel)

Fünf Jahre nach der Tsunami-Katastrophe

Fünf Jahre nach dem Tsunami
Fischer in einem ihrer neuen Boote

Ministerpräsident Koch: "Wir können zufrieden auf das Erreichte blicken. Das Geld ist angekommen und nachhaltig eingesetzt worden."

Den 26. Dezember 2004 wird wohl kaum jemand vergessen. Viele erinnern sich daran, dass sich die Schreckensmeldungen innerhalb weniger Stunden von einer kleinflächigen Küstenüberflutung hin zu einer der größten bekannten Naturkatastrophen entwickelten. Der Begriff "Tsunami" ist seit dem zu trauriger Berühmtheit gelangt. Hunderttausende verloren vor fast genau fünf Jahren am 2. Weihnachtsfeiertag 2004 innerhalb von Minuten ihr Leben. Kinder, wenn sie die mörderischen Wellen überlebt hatten, blieben als Waisen oder Halbwaisen zurück. Millionen Menschen in Süd- und Südost-Asien blieb nur das, was sie am Leibe trugen, der Rest wurde von den zurückgehenden Fluten mitgerissen.

Damals gründeten sich auch in Hessen zahlreiche Initiativen. Vereine, Schulen und Kindergärten sammelten und unzählige Menschen spendeten für die Opfer in Süd- und Südostasien. Eine davon war die von der Hessischen Landesregierung, HitRadio FFH, dem Verband Hessischer Zeitungsverleger und der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie ins Leben gerufene Aktion "Hessen hilft den Flutopfern".  Ministerpräsident Roland Koch: "Wir können nach fünf Jahren zufrieden auf das Erreichte blicken. Das Geld ist angekommen und nachhaltig eingesetzt worden."

Bilder aus dem ehemaligen Katastrophengebiet

"Hilfe zur Selbsthilfe"

Von Beginn an stand nicht nur die unmittelbare kurzfristige Katastrophenhilfe, sondern die langfristige Veränderung von Armutsstrukturen im Vordergrund. Die Menschen mit einbeziehen und nicht nur als Empfänger von Nothilfeleistungen betrachten war nach der Maßgabe der "Hilfe zur Selbsthilfe" eine zweite Zielrichtung.

Weit über 1,6 Millionen Euro Spendengelder wurden gesammelt und in den Wiederaufbau von fünf nahezu völlig zerstörten Gemeinden in Südindien investiert. Der Wiederaufbau der Fischerei aber auch Wohnungsbau, Kindergärten, Frauenförderung, Förderung alternativer Einkommensquellen und berufliche Ausbildung für die Jugend waren und sind Schwerpunkte der Programme. "Hilfe zur Selbsthilfe", d.h. nicht nur Hilfen kostenlos verteilen, sondern Eigenleistungen der Menschen beim Wiederaufbau einfordern - ganz nach dem Prinzip des Stiftungsgründers Karl Kübel - war eines der Hauptmerkmale der Hilfsprogramme.

Auch wenn die Maßnahmen weitgehend abgeschlossen sind, so begleitet die Karl Kübel Stiftung zusammen mit ihren örtlichen indischen Partnerorganisationen die Maßnahmen weiter.

187 Boote wurden wieder beschafft, Netze und Außenbordmotoren, die ebenfalls von den Fluten des Tsunami zerstört worden waren, wieder ersetzt. Darüber hinaus wurden 20 Frauenselbsthilfegruppen gegründet, die heute nahezu eigenständig ihren verschiedenen Aktivitäten - Spar- und Kreditprogramme, Betreib eigener kleiner Geschäfte, Handwerk und Kleinhandel - nachgehen. Mit Berufsausbildungskursen wurden gerade für junge Menschen aus den Fischergemeinden neue berufliche Perspektiven geschaffen. In Kindergärten und Abendschulen werden ca. 700 Kinder betreut, die ansonsten wahrscheinlich zum Großteil in die Kinderarbeit abgerutscht wären. Neben Wasserpumpen, Toiletten und mehreren Gemeindezentren wurden insgesamt 417 Häuser fertig gestellt. Die Caritas und die Bonner Andheri-Hilfe steuerten gerade zum Hausbau zusätzliche Mittel bei, so dass das zunächst sehr ehrgeizige Ziel, fünf Gemeinden vollständig wieder aufzubauen, letztlich erreicht werden konnte. Die aktive Mithilfe der betroffenen Menschen aber auch die enge Kooperation mit den örtlichen Gemeindeverwaltungen stehen ebenfalls für den Erfolg des Projektes.

Basis für eine sichere Zukunft geschaffen

Die Karl Kübel Stiftung und die Aktion "Hessen hilft den Flutopfern" als auch die mehr als 10.000 Einzelspender, die die Aktion erst möglich gemacht haben, können zufrieden sein. Die Fischer haben wieder eine Lebensgrundlage und Zukunftsperspektive. Auch die nach der Tsunami-Katastrophe zunächst zurück gegangenen Erträge haben sich wieder stabilisiert. Das breite Engagement hessischer Bürger, Unternehmen und Schulen hat sich gelohnt und kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Die mit der Aufschrift "Hessen hilft den Flutopfern" versehenen Häuser und Boote entlang der indischen Ostküste sind augenfälliger Beweis für die Hilfe.

Aber am 26. Dezember wird es auch wieder viele Tränen geben, über den Verlust von Menschen, die nicht das Glück hatten, die Katastrophe zu überleben. Dann werden Gedenkfeierlichkeiten an den verschiedenen Mahnmalen, die in den Tsunami-Gemeinden errichtet wurden, stattfinden. Kinder werden eine Blume für ihre verstorbenen Eltern, Geschwister und Freunde niederlegen. Der Blick wird wieder mit gemischten Gefühlen hinaus aufs Meer gehen, das für die meisten Menschen in den Fischergemeinden immer noch Lebensgrundlage ist, das aber vor fünf Jahren innerhalb von wenigen Minuten Leben zerstörte, Familien auseinander riss und Zukunft zerstörte. Die Basis für eine sichere Zukunft ist dank der Aktion "Hessen hilft den Flutopfern" wieder geschaffen. Alte Wunden und Erinnerungen werden aber sicher wieder für einige Tage aufbrechen.

Hinweis: Aktuelles Bildmaterial zur Aktion "Hessen hilft den Flutopfern" können Sie bei uns im Internet unter www.hessen.de herunterladen.


Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

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