»In den letzten 300 Jahren hat die industrielle Revolution vermocht, die Lebensbasis für Milliarden Menschen zu schaffen und nun steht die Menschheit am Rande des Abgrunds, weil das Wachstum in Blindheit geschieht. Wir müssen lernen, im Wachsen fruchtbar zu werden.« (Karl Kübel)

"Karl Kübel interessierte sich sehr für theologische Fragen."

Heribert Tigges
Heribert Tigges

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Ein Beitrag von Heribert Tigges, ehemaliger Leiter des Odenwald-Instituts

Vermutlich gibt es nicht viele, die zum ersten Mal mit einem Herrn Kübel in Kontakt kamen, und sich hinter diesem Herrn nicht Karl Kübel verbarg. Bedingt durch den Beruf meines Vaters - Gehörlosenlehrer - wuchs ich in Euskirchen auf. Hier leitete Wilhelm Kübel die Schule für Gehörlose und Hörbehinderte. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung geht es beim Umgang mit Hörgeschädigten nicht in erster Linie um Gesten, sondern: um Sprache. So bekam ich durch manche Fachgespräche zwischen Wilhelm Kübel und meinem Vater rudimentär mit, wie diffizil, vielschichtig, emotional aufbauend oder einreißend Sprache sein kann.

Ausgeprägte Sensibilität fürs Soziale, Familie und Bildung

Dass ich viel später im Odenwald-Institut die Aufgabe hatte, in Gestalt von Kursen u.a. die Kultivierung von Sprache zum Zweck des Aufbaus tragender zwischenmenschlicher Beziehungen auf den Weg zu bringen, ahnte ich als kleiner Junge Anfang der Fünfziger natürlich nicht.
Doch die Sprache als Kommunikationsmedium wie als Schafferin von Realitäten war auch und gerade im Kontakt mit KK fundamental wichtig und tragend. Karl Kübel interessierte sich sehr für theologische Fragen. Anfang der Neunziger standen Küng und Drewermann bei ihm hoch im Kurs. Manchmal rief Karl Kübel mich zu sich "rüber", stellte Fragen zur Anzahl bislang erwirtschafteter Teilnehmertage im OI (notabene in 1992: 30.000!) - ein Kaufmann hat natürlich ein Verhältnis zu Zahlen - kam dann aber häufig schnell zu Drewermann und Küng.

Man war gut beraten, bei bestimmten Fragen nicht zu passen. Seine Meinung nicht zu teilen, vielleicht gar einmal zu korrigieren, war dann manchmal mit "Enttäuschung" verbunden. Die Sensibilität für das Soziale, die Familie, die Bildung, die Entwicklung und die Transzendenz war in vielfachen Facetten nicht nur sehr ausgeprägt, sondern so authentisch, dass er viele Menschen begeisterte; doch für seine Sensibilität für Hierarchie galt das ebenso. (Hier war er anders als Drewermann und Küng.) Wäre dies anders gewesen, hätte ich mit Karl Kübel noch mehr Gespräche z.B. über theologische Sprache führen können. Ich hätte es schon gern getan.

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