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»In den letzten 300 Jahren hat die industrielle Revolution vermocht, die Lebensbasis für Milliarden Menschen zu schaffen und nun steht die Menschheit am Rande des Abgrunds, weil das Wachstum in Blindheit geschieht. Wir müssen lernen, im Wachsen fruchtbar zu werden.« (Karl Kübel)

31. Juli 2009: Nordost-Indien: "Bensheim hilft" und Stiftung setzen Engagement fort

Nach erfolgreicher Soforthilfe soll Brunnenbau langfristige Versorgung mit Trinkwasser sichern

Der Wirbelsturm AILA fegte am 25. Mai dieses Jahres über die Sundarbans, den größten Mangrovenwald der Erde, und richtete in der nordost-indischen Region verheerende Verwüstungen an. Der Zyklon wütete gut drei Stunden über der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft im Mündungsdelta des Ganges mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde, brachte sintflutartige Regenfälle und eine verheerende Sturmflut.

Kaum internationale Berichterstattung
Die offizielle Bilanz der in der internationalen Presse nur kurz erwähnten Katastrophe: Hunderte Todesopfer, eine halbe Million Obdachlose, Deichanlagen wurden auf knapp 500 Kilometer Länge fortgeschwemmt und dahinter liegende Trinkwasserbrunnen und Felder durch eintretendes Salzwasser zerstört.

Alte Natur- und Kulturlandschaft stark zerstört

Die Wucht des Wirbelsturms wird auch dadurch deutlich, dass die dabei zerstörten Deichanlagen aus Schlamm und vorgelagerten Mangroven zum Teil seit fast 100 Jahren den Fluten trotzen konnten. Da das Katastrophengebiet abseits liegt und ein verwirrendes Labyrinth aus Wasserläufen und Mangroveninseln besitzt, ist es in der Regel nur mit kleinen Booten zu erreichen; daher wurde das gesamte Ausmaß der Katastrophe erst nach und nach bekannt. Vor allem von den am weitesten vom Festland entfernten Inseln an der Grenze zu Bangladesch und nahe der Bucht von Bengalen kamen erst nach Tagen die ersten Meldungen.

Genau in diesem Gebiet liegt das Dorf Shyamsher Nagar mit seinen fast 1.900 Familien. Das Dorf befindet sich auf einer Insel direkt an der Grenze zu Bangladesch, nicht weit vom offenen Meer. Nachdem die Deiche an vielen Stellen gebrochen waren, stand das Brackwasser fast auf der gesamten Insel mehr als einen Meter hoch, zerstörte die einfachen Häuser und durch seinen hohen Salzgehalt auch viele Trinkwasserzisternen und Felder. Die wenigen Habseligkeiten der Menschen wurden oft weggeschwemmt oder durch das Wasser zerstört.

Erste Phase der unmittelbaren Nothilfe erfolgreich abgewickelt
Über eine gut bekannte lokale indische Hilfsorganisation wurde die Karl Kübel Stiftung auf das Schicksal der Menschen in Shyamsher Nagar aufmerksam. Da bis dahin von anderen Stellen kaum Hilfe bis zu den notleidenden Bewohnern im Dorf vorgedrungen war, entschloss sich die Stiftung zu einem ersten Spendenaufruf: Dank der spontanen Unterstützung in Höhe von 3.000 Euro durch den Verein „Bensheim hilft" konnte die Stiftung in dem Dorf ein Nothilfeprogramm anlaufen lassen. Die Hilfe kam innerhalb weniger Tage bei den betroffenen Dorfbewohnern an und wurde durch freiwillige Hilfskräfte verteilt. Um zuerst das unmittelbare Überleben zu sichern, erhielten alle Familien Gerste, Babynahrung und Mineralgetränke sowie einfache Kerosinlampen inklusive Brennstoff.

Lieber weniger, dafür aber für alle das gleiche
Die Hilfslieferung wurde gleichmäßig auf alle Familien verteilt. Durch die gerechte Vorgehensweise fielen die Einzelrationen zwar geringer aus, doch es kam nicht zu Verteilungskämpfen wie andernorts in der Katastrophenregion. Da die Siedlungsräume im Gangesdelta recht abgeschlossen und überschaubar meist auf kleinen Mangroveninseln liegen, können die Menschen dort schnell nachvollziehen, wer wie viel und von wem an Hilfe erhält. Bekommt nur ein kleiner Teil einer Inselgemeinschaft Unterstützung, kommt es regelmäßig zu Konflikten um diese von allen dringend benötigte Hilfe. Die Haltung der Dorfbewohner in Shyamsher Nagar gegenüber dem Hilfsangebot ist daher eindeutig: „Lieber weniger, dafür aber für alle das gleiche."

Sicherung der Trinkwasserversorgung - jetzt vorrangige Aufgabe

Inzwischen hat sich die Versorgungslage mit Nahrungsmitteln dank koordinierter Hilfsmaßnahmen der indischen Regierung verbessert. Eine enorme Herausforderung stellt aber weiterhin die Versorgung mit Trinkwasser dar: Die einzige Wasserquelle von Shyamsher Nagar ist derzeit ein mit einer Handpumpe ausgestatteter Brunnen, mit dem aus geringer Tiefe eine bräunliche Brühe gefördert werden kann. Neben dem leicht salzigen Wasser strömt auch Gas an die Oberfläche, das sich direkt am Bohrloch des Brunnens sogar abfackeln lässt. Das stark verschmutzte Wasser wird auch ohne vorheriges Abkochen für vielfältige Zwecke genutzt, etwa als Trinkwasser für Menschen und Tiere, zum Baden, zum Wäsche waschen oder für den Abwasch. Als Folge davon erkranken immer mehr Menschen an Durchfallerkrankungen, und viele sterben daran.

Um weiterhin möglichst alle Dorfbewohner mit einem Hilfsangebot erreichen zu können und über die unmittelbare Nothilfe hinaus mittelfristig zur Existenzsicherung des Dorfes beizutragen, hat die Karl Kübel Stiftung mit erneuter großzügiger Unterstützung durch eine Spende von „Bensheim hilft" in Höhe von 3.400 EUR beschlossen, sich dem dringenden Problem der Trinkwasserversorgung des Dorfes anzunehmen und zwei neue Brunnen zu finanzieren. Beide Trinkwasserbrunnen werden in unmittelbarer Nähe von zwei Schulen gebaut.

Privatspenden für Mittagessensversorgung an Schulen benötigt
Für die Schülerinnen und Schüler wird derzeit eine Maßnahme zur Unterstützung der Schulspeisung vorbereitet. Ziel ist es, den Schulbetrieb einschließlich eines Mittagessens so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Dank der eingegangen privaten Spenden kann diese Maßnahme von der Karl Kübel Stiftung in Angriff genommen werden. Die Dorfbewohner werden einen Eigenbeitrag dazu leisten, denn die Stiftung und „Bensheim hilft" folgen dem bewährten Konzept, dass Maßnahmen der Nothilfe - wo immer möglich - die mittelfristige Existenzsicherung und die Stärkung der Selbsthilfekapazitäten der Hilfsempfänger im Blick haben und dementsprechend geplant und durchgeführt werden.

Dennoch sind im konkreten Fall weitere Mittel notwendig, damit die Schulspeisung mit Hilfe von schuleigenen Gemüsegärten langfristig gesichert werden kann. Daher ruft die Karl Kübel Stiftung weiter zu Spenden auf - unterstützen Sie uns dabei, den betroffenen Schulkindern die Rückkehr in die Schule zu ermöglichen.

Bitte spenden Sie unter dem Stichwort "AILA"
auf das Spendenkonto der Karl Kübel Stiftung
bei der Sparkasse Bensheim,
Konto 50 50 000, BLZ 509 500 68.


Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

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