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»Es geht darum, die Existenznot der Menschen überwinden zu helfen, ihre Selbsthilfekräfte zu stärken und sie somit in die Lage zu versetzen, ihre Kinder zu ernähren und zu ihrer geistig-seelischen Entwicklung beizutragen.« (Karl Kübel)

Hannelore Rönsch, 1991 als Bundesfamilienministerin: "Zur Familie gibt es für mich keine überzeugende Alternative."

Hannelore Rönsch, KKP 1991
Hannelore Rönsch

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Auszug aus der Ansprache der damaligen Bundesfamilienministerin Hannelore Rönsch zur Verleihung des Karl Kübel Preises im Jahr 1991 (aus: Dokumentation zum Karl Kübel Preis 1991, S. 28-29, 35); Motto des Preises: "Von Familien getragen"

Es ist meine feste Überzeugung: Nur wenn die sozialen Fähigkeiten von Kindern und jungen Menschen in der Familie geweckt werden, sind sie später in der Lage, größere soziale Netze wie die heute ausgezeichneten Initiativen selbst mit aufzubauen. In der Familie finden sie dauerhafte und verlässliche menschliche Beziehungen und lernen die Fähigkeit, für andere Verantwortung zu übernehmen. Der bekannte Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeld hat dies einmal in einem Satz zusammengefasst: "Die menschliche Gesellschaft basiert auf Liebe und Vertrauen; und beides wird durch die Familie entfaltet." Zur Familie gibt es für mich keine überzeugende Alternative. Deshalb ist es die Aufgabe des Staates, die Familie in der Fürsorge für ihre Mitglieder - und insbesondere für die schwächsten Mitglieder, nämlich die Kinder - zu unterstützen. Die bringt auch Artikel 6 des Grundgesetzes zum Ausdruck, in dem es heißt: "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung."

Nun können und sollen aber nicht alle menschlichen Probleme im Bereich der Familie vom Staat gelöst werden. Es widerspricht geradezu meinem Verständnis von Familienpolitik, den Familien ihren eigenen Freiraum für die eigene Problembewältigung zu nehmen und die Lebensgestaltung von mündigen Erwachsenen zu reglementieren. Stattdessen vertraue ich stark auf die Fähigkeit der Familien, sich bestimmten Herausforderungen auch selbst zu stellen. Selbsthilfe und Eigeninitiative sollten grundsätzlich Vorrang haben vor staatlicher Bevormundung.

Karl Kübel Stiftung hat entscheidene Anstöße gegeben

Um aber private Initiativen dauerhaft lebensfähig zu machen, braucht es natürlich manchmal etwas der Hilfe von außen. Durch finanzielle oder andere Hilfsmaßnahmen kann "Hilfe zur Selbsthilfe" gegeben werden. Und die Karl Kübel Stiftung hat durch ihre bisherige Arbeit bereits ganz entscheidende Anstöße gegeben. Was sie durch die Verleihung des Karl Kübel Preises, aber auch durch andere Initiativen leistet, halte ich für ausgesprochen vorbildlich und beispielhaft.
Die Stiftung sieht - so sehe ich es - ihre zentrale Aufgabe darin, das ganzheitliche Wachstum von Kindern zu fördern. Vor allem in deren ersten Lebensjahren sollen Eltern darin unterstützt werden, ihren Kindern die Liebe, die Zuwendung und die Geborgenheit zu geben, die sie brauchen, um dann später eigenständige Persönlichkeiten zu werden. Die Stiftung unterstützt Aktivitäten zugunsten von Kindern und Familien, die diese Ziele modellhaft umsetzen.

[...] Zum Schluss darf ich Ihnen, sehr geehrter Herr Kübel, noch einmal ganz herzlich für Ihr gesellschaftspolitisches, für Ihr familienpolitisches Engagement danken. Denn ich weiß, gerade als Ministerin für Familie, wie zwingend erforderlich es in unserer Zeit ist, Familien mit Familienpolitik zu unterstützen. Ich danke Ihnen.

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