Erinnerungen verändern sich, verblassen, manche bleiben. Es müsste vor cirka zehn oder zwölf Jahren gewesen sein.
An einem seiner Geburtstage besuchte Karl Kübel die Stiftung in Bensheim. Es gab eine Versammlung im Treppenhausflur der Vorstandsetage. Man stand im Kreis, nebeneinander, hintereinander, dicht gedrängt, teilweise auf Treppenstufen, in den Türen, in den angrenzenden Räumen.
Seine Hand fühlte sich groß an, kräftig, warm
Nach entsprechender Begrüßung und mehreren Ansprachen begann Karl Kübel jedem Anwesenden die Hand zu geben. Er widmete jedem Einzelnen ohne Eile etwas Zeit und Aufmerksamkeit, der Reihe nach in der Runde. Diese Runde begann sich dabei allmählich aufzulösen, zunehmend entstand Bewegung, Gedränge, es wurde laut, turbulent. Als unser Stifter bei mir angekommen war, wir uns die Hände gaben - das Gedrängel hatte inzwischen chaotische Züge angenommen - gerieten Andere zwischen uns, sprachen ihn an, wollten gratulieren und obwohl wir beide nicht zu den Kleinsten zählten, ging der Augenkontakt verloren, er hielt aber noch meine Hand. Freundlich bemühte er sich dabei jeden zu beachten, Worte wurden gewechselt, währenddessen hielt er meine Hand fest. Meine Versuche, los zu lassen, scheiterten, also hielt ich auch einfach nur fest. So verging wohl etwa eine Minute. Seine Hand fühlte sich groß an, kräftig, warm, angenehm, sympathisch. Schließlich ergab sich wieder Augenkontakt, er lächelte, nickte mir kurz zu, wir ließen los.









