aus dem Buch zum 85. Geburtstag Karl Kübels "Aus der Kraft einer Vision"
Lieber Karl,
als ich Dich 1971 kennenlernte, hattest Du knapp zwei Jahre davor Deinen 60. Geburtstag. Du warst in Umbruchstimmung: Noch mitten in einem durch intensivsten Einsatz gekennzeichneten Unternehmerleben und kurz vor der Gründung der Stiftung, die Deinen Namen trägt, sprachst Du häufig über "Loslösen". Heute scheint dieser Begriff für Dich keineswegs an Aktualität verloren zu haben.
Unsere Zusammenarbeit und unser Zusammenwirken über die zurückliegenden 23 Jahre in den Aufgaben der Stiftung und des Odenwald-Instituts sind stets eine spannungsgeladene Angelegenheit gewesen. In dieser Spannung verbargen sich manchmal dunkle Seiten - ich bin aber der Überzeugung, dass die hellen Seiten überwiegen: Kreativität, Risikobereitschaft, Flexibilität, avantgardistisches Handeln, Mut zur innovativen Konzepten, Durchhaltevermögen. Übrigens, um eine Spannung (= Energie, Kraft) zu erzeugen, sind Polaritäten notwenig.
Daher sind wir auch den "dunklen" Seiten einen würdigen Dank verpflichtet.
Wir sind tatkräftige Mitstreiter geworden, selbst - oder gerade deshalb - wenn der Begriff "Streit" uns manchmal zu schaffen machte.
Unsere Beziehung ist gleichzeitig Schulung für uns geblieben. Wir konnten einer anhaltenden Stagnation in unserer Beziehung ausweichen, indem wir miteinander reflektierten, neue Einsichten gewannen, Fachliteratur und Fachpersonen konsultierten, anderes Verhalten wagten, kreative Pausen einlegten. Dies alles war keineswegs "geplant". So erlebten und erleben wir einen gemeinsamen Weg, der (oft ganz produktive) Umwege einschließt. Die Tatsachen, dass das Thema "Beziehung" so zentral wurde in dem sich entwickelnden Konzept des Odenwald-Instituts und dass dieses Konzept zurzeit in zwei weiteren Bildungsinstituten der Stiftung multipliziert wird, stehen in direkter Verbindung mit unserem Prozess als Paar und als Familie.
Mir macht es Freude, einige ausgewählte Etappen und Aspekte dieser Zusammenarbeit im Aufbau des Odenwald-Instituts aus meiner Sicht zu schildern.
Ganz herzlich,
Deine
Mary Anne








