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»Heute gehen wir neuen Verhältnissen entgegen, weil viele Menschen blind sind für die Werte, die für den Bestand der menschlichen Gesellschaft unverzichtbar sind und für Werte, die der Person Würde verleihen.« (Karl Kübel)

Der Stifter Karl Kübel hat im buchstäblichen Sinne den Kindern und Eltern gegeben, was er besaß

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Ein Beitrag von Daniela Kobelt Neuhaus, Mitglied des Stiftungsvorstands

Daniela Kobelt Neuhaus
Im Jahre 1999 erschien ein Buch mit dem Titel "Dem Menschlichen einen Nährboden geben - Das Anliegen von Unternehmer und Stifter Karl Kübel". Neben Fotos zum Thema "Wachsen und Gedeihen" sind in diesem Buch kleine Texte berühmter Persönlichkeiten und auch mir unbekannter Menschen zusammengetragen worden. Leider habe ich Karl Kübel nicht mehr persönlich kennengelernt, aber dieses Büchlein lag zum Beginn meiner Arbeitszeit in der Stiftung auf meinem Schreibtisch - zur Einstimmung, wie eine Kollegin mir sagte. Natürlich habe ich neugierig geblättert und gelesen. An einem Satz bin ich hängen geblieben und er begleitet mich heute noch - auch mit einem mahnenden Zeigefinger. Die Zeilen von Louise Nevelson lauten:
 
"Wir waren so darauf bedacht, unseren Kindern zu geben, was wir nicht besaßen, dass wir darüber vergessen haben, ihnen zu geben, was wir besaßen."

Karl Kübel ist für mich in der Tat ein Vorbild

Der Stifter Karl Kübel hat im buchstäblichen Sinne den Kindern und Eltern gegeben, was er besaß. Darüber hinaus hat er aber über das Materielle hinaus gelebt, was ihm im einzelnen Moment als richtig und wichtig schien. Und er hat vor allem darauf geachtet, dass er die Werte, die ihm etwas bedeuteten, im hier und jetzt mit den Menschen teilen konnte, die um ihn herum waren.
 
Damit ist Karl Kübel für mich in der Tat ein Vorbild. Janus Korczak hat es ein bisschen anders formuliert und gesagt, dass jeder Mensch "ein Recht auf seinen Tag" hat. Wenn wir es schaffen, Kinder so zu begleiten, dass wir täglich ihr Expertentum als  Kinder ernst nehmen und ihre exzellenten Kompetenzen würdigen, dann haben wir vermutlich mehr bewirkt, als wenn wir ihnen versichern, sie sollten es in Zukunft mal besser haben als wir. Kinder brauchen täglich Hoffnung, Zuversicht und Liebe, die Erwachsene mit ihnen teilen. Sie brauchen Menschen mit Ohren, die gut zuhören können und nicht alles besser wissen. Sie brauchen Erwachsene, die bereit sind, in der Gegenwart zu leben und die jetzt die Grundlagen bzw. den Nährboden dafür legen, dass Kinder später selbständig ihren Weg gehen können und selbstbestimmt ihre Zukunft bewältigen. Und sie müssen auch nicht besser werden oder sein als wir es je sein konnten. Sie sind ohnehin anders und unvergleichlich.
 
Ich bin sicher, dass Karl Kübel das Projekt, Modellstandorte für Kinder- und Familienzentren zu entwickeln, begrüßt hätte: Modellstandorte für Kinder und Familien nach dem Modell von early excellence, d.h. Menschen und Räume, in denen Kinder heute wert geschätzt werden, damit sie morgen anderen weitergeben, was sie bekommen haben.

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