aus der Ansprache von Herrn Dr. Gern beim Gottesdienst zum 1. Todestag Karl Kübels am 10. Februar 2007
Karl Kübels Frage war von Anbeginn: Womit kann ich dienen? Er wusste um das Verhängnis der Weltkriege, die ja mit Allmachtssehnsüchten geführt wurden und die Menschheit in den Abgrund führten. Er wusste um die Verantwortung des Unternehmers, dass Reichtum zum Segen werden muss - in einen Segenskreislauf einmünden muss. Er war den Prinzipien der katholischen Soziallehre verpflichtet, wie sie vor allem Oskar von Nell-Breuning geprägt hat. Und Nell-Breunings Überzeugung bedeutet heute für uns, dass soziale Marktwirtschaft kein Anhängsel ist, sondern eine kulturelle Errungenschaft darstellt, damit das Ganze im Gleichgewicht bleibt. Anfang der 50er Jahre führte er Partnerschaftsverträge in seinem Unternehmen ein. Gewinnbeteilung wurde selbstverständlich - die Kübel-Senioren können davon ein Lied singen.
Karl Kübel war dem Schöpferwillen Gottes verpflichtet, dass niemand für sich allein geschaffen ist, sondern einer stehe ein für den anderen. Mit dem Ziel, Menschen auf diesem Weg zu erreichen und zu begleiten, ist die Stiftung geschaffen worden. Es geht um Nächstenliebe - und um die Schärfung der Gewissen, damit Nächstenliebe sich in Verantwortung niederschlägt. Er nannte es Teilnahme an der Schöpfung.
Es stellte sich schnell heraus, dass die Stiftung keine Nische werden sollte und mit Karl Kübel auch nicht werden konnte. Die Institute entwickelten eine große Dynamik in der Familien- und Gemeinschaftspädagogik. Weil der Globus von ihm als interdependente Familie begriffen wurde, kamen die Entwicklungsprojekte in Indien und auf den Philippinen hinzu. Er hielt es mit Mahatma Gandhi, der uns lehrte, dass wir weltweit untrennbar miteinander verknüpft sind. Das ist die Globalisierung, die Zukunft hat - in Leidenschaft und Mitleidenschaft füreinander eintreten. Damit das Leben nicht ein Irrgarten sinnloser und machtbesessener Umtriebe wird. Auch das hat er von Bonhoeffer und Gandhi übernommen: "Der andere Mensch will geliebt sein als der, der er ist, als der, für den - ja, für den auch! - Gott Mensch geworden ist."
Dienen ist also keine bürgerliche Attitüde von altmodischen Unterwürfigen, sondern bedeutet Lebenserhalt des Ganzen im Sinne des Schöpfers.







