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»In den letzten 300 Jahren hat die industrielle Revolution vermocht, die Lebensbasis für Milliarden Menschen zu schaffen und nun steht die Menschheit am Rande des Abgrunds, weil das Wachstum in Blindheit geschieht. Wir müssen lernen, im Wachsen fruchtbar zu werden.« (Karl Kübel)

"Seit meiner Einstellung als Möbelschreiner in das Möbelwerk in Worms verspürte ich eine Sympathie, die sich immer wieder erneuerte."

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Ein Bericht von Günther Reis

Seit meiner Einstellung als Möbelschreiner in das Möbelwerk in Worms, Alzeyer Straße, die Herr Kübel im Dezember 1945 persönlich vornahm, bis zu seinem Tod am 10. Februar 2006 auf der Tromm, verspürte ich eine gegenseitige Sympathie, die sich immer wieder erneuerte.

Ich war sein 31. Mitarbeiter. Unsere Verbindung dauerte 61 Jahre. Bei meiner Aufnahme sagte Herr Kübel: "Zur Zeit stellen wir ja niemand ein, aber arbeiten können sie ja." Mit meiner Strebsamkeit und meinem inneren Drang werde ich es beweisen, war meine innere Bereitschaft. Herr Kübel kannte meinen Lehrmeister.

Heute noch hängt ein großes Bild von Herrn Kübel an meinem Privatschreibtisch. So wie es auch 13 Jahre lang in meinem Betriebsleiter-Büro im Möbelwerk Biblis von 1963-1976 hing.

Erinnerungen an Herrn Kübel

1947
Beim Wiederaufbau des bombenzerstörten Möbelwerkes an der Hafenstraße in Worms.
Herr Kübel kommt im Eiltempo mit seinem Kleinwagen auf die Baustelle. Er legt seine Jacke ab und hilft beim Sand schaufeln.
Er sagt: "Wir müssen uns beeilen, damit wir vor der Währungsreform (1948) fertig werden. Herr Reis achten sie mir darauf, dass mir keiner leerläuft!" Reis war auch nur ein kleiner Bauschreiner von 20 Jahren.

1947

Beim Glasschneiden für die neuen Werksfenster macht der Altgeselle viel Glasbruch.
Am Abend sagt Herr Kübel zu Meister Dreyer: "Da muss ich ja wieder Schränke zu Glas eintauschen."
(Die Kompensationsgeschäfte liefen ohne Geld)
Reis übernimmt das Glasschneiden. Kein Glasbruch mehr. Herr Kübel sagt am Abend bei der Kontrolle: "Ab sofort darf nur noch der junge Reis mit dem Glasschneider arbeiten."

1953

Beim Unterzeichnen der Partnerschaftsverträge in Gras-Ellenbach im Odenwald. (Wir waren nur am Gewinn beteiligt, nicht am Verlust).
Reis fragt Herrn Kübel, was wir noch alles bauen wollen, nachdem wir das Werk an der Hafenstraße fertig hatten und in Kahl am Main und in Biblis ein Möbelwerk in Betrieb und das erste Spanplattenwerk in Worms in Bau war.
Herr Kübel sagt darauf: "Wir haben erst 30 Prozent von dem gebaut, was wir geplant haben und dann ist das so, je mehr man hat, je mehr man will. Dann lobte er den Handel, denn mit dem kleinen Finger gehandelt, ist besser als bis zum Ellenbogen gearbeitet."

1954

Das neue Spanplattenwerk in Worms ist angelaufen. Die Fertigung von Wohnmöbeln in den Werken Worms, Kahl und Biblis wird gesteigert. Ausgebildetes Personal für die Preiskalkulation (Vorgabezeitermittlung) fehlt.

1955

Reis zu Herrn Kübel bestellt.
Wir wollten sie als REFA-Mann ausbilden (Reichsausschuss für Arbeitsermittung).
Nach der Ausbildung steht Reis an der Blockbandsäge zur Vorgabezeitermittlung. Es werden überdimensionale Abachi-Stämme geschnitten.
Herr Kübel weiß alles und fragt: "Warum hat die Konkurrenz eine Ausbeute von 85-90 Prozent und wir nur 80 Prozent?" Reis: "Wenn in Rotterdam besseres Holz gekauft würde, dann wäre unsere Ausbeute auch höher."
Unsere Holzeinkäufer wurden gewechselt.

1965

Reis nun als Betriebsleiter des Möbelwerkes Biblis zu Herrn Kübel: "Mit den großen Wohnzimmerschränken haben wir große Platzprobleme." Darauf sagt Herr Kübel: "Ihr werdet die Schränke bald im "Schlaf" machen, wie ich im Traum Fabriken baue."
An einem Samstagvormittag, Reis zu Herrn Kübel: "Heute haben wir 25.000 DM Umsatz gemacht", (das war damals viel Geld). Herr Kübel antwortete: "Das ist schön, sie wissen aber auch, das wir 30.000 DM Umsatz machen wollten."

1966

Frau Margarete Kübel (aus erster Ehe) sagt zu Reis, in der Kübelwohnung in Auerbach: "Der Chef hat auf seinem Nachttisch einen Schreibblock liegen, in den er sich nachts Notizen macht."
Nach der Frage über das Wohlempfinden von Mitarbeitern sagt Herr Kübel: "Wenn sie sagen, es geht ihnen schlecht, dann geht es ihnen noch schlechter."

2005

Herr Kübel zu Reis: "Wenn wir wieder Möbel bauen, dann nicht mehr in Planplatten sondern in Vollholz."

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