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»Die Qualität des Lebens kann sich nur verbessern, wenn der Mensch selbst sich in seiner Qualität verbessert. So gesehen kann unser Anliegen nur das sein, dem Menschen zu helfen, fähig zu werden, dass er selbstsicher, urteilsfähig, kreativ und aktiv für Solidarität wirkend im Leben steht.« (Karl Kübel)

"Der Unternehmer war bereit, einen Bereich, der bisher allein seinen Entscheidungen unterlag, den Arbeitnehmern mitzuteilen."

Karl Kübel als Unternehmer, 3-K-Werke
Karl Kübel als Unternehmer

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Dr. Magnus G. W. Staak, 1954, angehender Jurist - Auszug aus dem zweiten Teil des Berichtes über sein vierwöchiges Praktikum im Wormser Werk der Karl Kübel Werke im Jahr 1954

Wer den Inhaber der Karl Kübel Möbelwerke und seine engsten Mitarbeiter kennt, wird die Lauterkeit der Absicht, im Betrieb ein wahres und dem gemeinsamen Wohl aller förderliches, echtes menschliches Miteinander zu entwickeln, als gegebene Voraussetzung an den Anfang aller weiterführenden Überlegungen stellen. Das entbindet jedoch nicht von der Aufgabe, in einer kritischen Auseinandersetzung auch auf alle diejenigen Stellungnahmen einzugehen, die nicht auf dieser Voraussetzung, sondern lediglich auf dem äußeren Eindruck des Partnerschaftsbetriebes gründen.

Arbeitnehmer entfaltet seine Persönlichkeit nicht frei

Der Einführung des Partnerschaftsgedankens in den Betrieb ging die Feststellung voraus, dass der Arbeitnehmer heute in seiner Abhängigkeit und Gebundenheit seine Persönlichkeit nicht frei entfalten kann. Die Folgen reichen weit: Das Gefühl des Eigenwertes sinkt; das Vermögen, eigenständige Werte und Wertungen zu schaffen und zu erhalten, ist im Schwinden begriffen. Aus dem eingeengten Lebensraum zwischen Werkbank und Kleinstwohnung bleibt die Flucht ins Kino; das Motorrad ist die erste Stufe zur Erreichung eines Lebenszieles, dessen äußere Kennzeichen Musiktruhe und Eisschrank sind. Kinder, Familie und Heim stehen der Erreichung eines hohen Lebensstandards scheinbar im Wege - an ihre Stelle treten zahlreiche und kurzfristige sexuelle Bindungen und ein Leben in Tanzlokal und Bar. Das Heim wird zur bloßen Schlafstätte ohne bindende Kraft. Jedes eigene Gestalten unterbleibt; eine Leere tritt ein, die Langeweile, aus der nur starke Reize für kurze Zeit herausreißen können.
Das Bild mag übertrieben erscheinen - aber: Wo es noch nicht so deutlich in Erscheinung tritt, wird doch eine starke, in diese Richtung weisende Tendenz offenbar.

Arbeitgeber will Raum für Selbstständigkeit und Freiheit einräumen

Die Gefahren, die in dieser Entwicklung liegen, sind offensichtlich, eine Darstellung erübrigt sich. Was aber ist zu tun, um ihnen wirksam entgegenzutreten?

Der Gedanke der Partnerschaft erschien der Leitung des Unternehmens als der geeignete und erfolgversprechende Weg. Der Unternehmer war bereit, einen Bereich, der bisher allein seinen eigenen Entscheidungen und der Gestaltung seines Willens unterlag, den Arbeitnehmern, seinen "Partnern", mitzuteilen. Er wollte ihnen einen freien Raum zu selbstständiger und freier Betätigung einräumen. Das Ziel war, den einzelnen Arbeitnehmer aus seiner zu engen Bindung zu befreien, und ihn in diesem freien Raum Verantwortung und die damit notwendig verbundene Steigerung des Selbstwertbewusstseins empfinden zu lassen. Mit dem Wissen um die Möglichkeit selbstständiger Gestaltung des eigenen Arbeitsbereiches und darüber hinaus des gesamten Betriebslebens kann sich das Bewusstwerden von Pflichten verbinden: Es wird die allmähliche Entwicklung von Wertungen möglich, die über dem Betrieb hinaus in den freien Tag hineinwirken.

Neuer Wert und neue Bedeutung des Lebens

So kann der Gedanke der Partnerschaft angesehen werden als ein Versuch, nicht nur dem Betrieb, sondern dem ganzen Leben der Partner durch wieder neue Wertungen neuen Wert und neue Bedeutung zu gehen.

Die freiwillige Hingabe von bisher eigenen Freiheiten und Rechten an andere ist im Grunde unbedingt. Aber sie ist mit ganz bestimmten Erwartungen verbunden. Sollen sie erfüllt werden, soll wirklich dieses wahre menschliche Miteinander erreicht werden, dann genügt allein die Hingabe nicht.

Jeder Mensch will sich frei fühlen, frei in jeder Richtung und in jedem Ausmaß. Aber mit der Hingabe des freien Raumes an ihn ist es nicht getan, wenn er ihn nicht erfüllen kann. Das vergebliche Opfer ist sinnlos und enttäuschend. Die Hingabe der Freiheit ist nur gut, wenn der, der sie besaß, den Weg zeigt, wie sie zu nutzen ist.

Diese Wegweisung ist der wesentlichste Moment in der Durchführung der Partnerschaft im Betrieb. Versagt sie, dann missglückt dieser vielversprechende Versuch, Gegensätze zu überbrücken und Frieden zu schaffen.

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