Wie wachsen Kinder in Deutschland auf?
Fünf Tage weilte die indische Soziologin Dr. Malathi Kattampai kürzlich an der Bergstraße, um herauszufinden, wie Kinder in Deutschland erzogen werden, welche Förderung sie im Kindergarten erfahren und was schulische Ausbildung im Vergleich zu Indien bedeutet.
"Watermelon- Fruitsalat!" So tönte es durch den Lindenfelser Kindergarten Baur de Betaz. Mit Spaß und Leidenschaft spielten die Kinder mit ihrem orientalischen Gast ein englisches Bewegungsspiel, von Grenzen oder Vorurteilen keine Spur. Beeindruckt war die indische Expertin von der Ausstattung des Kindergartens, der sich in seiner freien Arbeit mit Spiel, Kreativität und Kleingruppenarbeit sehr von indischen Vorschuleinrichtungen unterscheidet. "Bei uns lernen die Kinder vor allem das Alphabet und die Zahlen", erklärte Malathi, "so werden sie auf den Schulanfang mit fünf Jahren vorbereitet."
Im Gespräch mit Lehrern und Eltern
Auch in der Carl-Orff-Grundschule in Lindenfels wurde die Soziologin zu einem Besuch empfangen. Sie konnte im Englischunterricht hospitieren und die Forscherwerkstatt besuchen. Deutlich wurde Malathi in beiden Einrichtungen, dass die Kinder vor allem zum selbstständigen Denken und Entscheiden erzogen werden. Eine solche pädagogische Herangehensweise ist in indischen Klassen mit bis zu 60 Schülern gar nicht möglich.
Malathi kam auf Einladung der Bonner VENRO-Tagung zum neuen Freiwilligendienst weltwärts nach Deutschland. In Indien betreut sie als Mitarbeiterin des Karl Kübel Institute for Development Education in Coimbatore, Südindien, junge Frauen aus dem Kreis Bergstraße, die im Rahmen dieses Programms für sieben Monate in Indien lernen und arbeiten. Die Altersgruppe der jungen Erwachsenen, ihre schulische Ausbildung und ihre Stellung in der Familie waren für die Soziologin besonders interessant. Sie besuchte die Oberstufenklassen im Bensheimer Goethe Gymnasium und war Gast in einer Familie.
Im Gespräch mit Eltern der gerade aus Indien zurückgekehrten ersten weltwärts-Freiwilligen konnten wichtige Erfahrungen reflektiert werden. "Nach meinem Besuch kann ich Verhalten und Herangehensweise der jungen Freiwilligen aus Deutschland viel besser nachvollziehen und unsere Partner in den Entwicklungsprojekten gut vorbereiten!" betonte die indische Expertin. "So kann die Betreuung der mit der Karl Kübel Stiftung nach Indien versandten Freiwilligen kontinuierlich verbessert werden!"








