Merkel: "Wichtigkeit von Nichtregierungsorganisationen im Entwicklungsbereich nimmt zu, besonders in Zeiten wie diesen."
Berlin/Bensheim. Am 19. Februar traf sich der Vorstand des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (VENRO) zu einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Berliner Kanzleramt. Zu den Teilnehmern des Meinungsaustauschs gehörte Ralf Tepel, Vorstand der in Bensheim ansässigen Karl Kübel Stiftung und zugleich Vorstandsmitglied von VENRO.
Auf der Agenda des Treffens standen insbesondere die Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise auf die Entwicklungsländer: Die Krise trifft vor allem die armen Länder und dort die besonders armen Bevölkerungsgruppen. Aufgrund hoher Nahrungsmittelkosten müssen immer mehr Menschen hungern. Große Landflächen dienen Großinvestoren zur Biokraftstoff- und Nahrungsmittelproduktion. Die Folgen des Klimawandels sind in den meisten Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas schon jetzt bedrohlich.
Dürren, vermehrter Starkregen und steigende Meeresspiegel sind nur einige Beispiele.
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"Die Wichtigkeit und Bedeutung von Nichtregierungsorganisationen im Entwicklungsbereich nimmt zu, besonders in Zeiten wie diesen", war eines der Kernstatements, das die Kanzlerin in ihren Eingangsbemerkungen formulierte. Die massive Reduzierung von Kapitalflüssen und der weitgehende Stopp von Investitionen mache sich bereits jetzt massiv auf den Arbeitsmärkten der Entwicklungs- und Schwellenländer bemerkbar. Die Zahl der Armen steige kontinuierlich.
"Aktuell spüren wir mehr denn je: Wir sitzen buchstäblich alle in einem Boot", so Angela Merkel. Es sei abzusehen, dass die Flüchtlingsströme nach Europa massiv anwachsen, wenn nicht in den Ländern selbst gegengesteuert wird. Hier sei auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit ihren bewährten und erfolgreichen Konzepten gefragt. Merkel sagte den VENRO-Vertretern in diesem Kontext zu, keine Abstriche an ihren Zielen im Rahmen der Entwicklungsfinanzierung zuzulassen.
Die Kanzlerin pflichtete den Forderungen von VENRO bei, jetzt nicht bei den Partnern und Projekten im Süden zu sparen, die Armut nachhaltig bekämpfen, die die Armen direkt erreichen und zur Nahrungsmittelsicherung beitragen.
Strategie der Karl Kübel Stiftung bestätigt
In diesen Bereichen ist die Karl Kübel Stiftung laut Stiftungsvorstand Ralf Tepel bereits stark engagiert: "Hier liegt eines unserer originären Arbeitsfelder. Von uns geförderte und begleitete Maßnahmen wie die Unterstützung von Kleinbauern in Indien und den Philippinen haben sich als erfolgreich und nachhaltig bewährt. Ich denke dabei insbesondere an den Aufbau von Kleinkreditsystemen, die Einführung angepasster Anbaumethoden und neuer Anbauprodukte in der Landwirtschaft, verbesserte Bewässerungssysteme, die Schaffung von Lagerkapazitäten
und fairer Vermarktungsmöglichkeiten. Damit kann die Ernährungssicherung von Kleinbauernfamilien gewährleistet und in den Regionen eine nachhaltige Ernährungsbasis geschaffen werden."
Durch die Förderung von Kleinkrediten und so genannten Einkommen schaffenden Maßnahmen wie Kleinviehhaltung und Kleinhandel könne auch für Frauen eine stabile Lebensgrundlage geschaffen werden. "Auch hier leistet die Karl Kübel Stiftung nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe einen wesentlichen Beitrag zu Entwicklung und Stabilität. Nahezu in allen von uns geförderten Projekten in Indien und den Philippinen sind Spar- und Kreditfonds die Basis für einen dauerhaften Prozess", erklärt Tepel.
Frauen treiben insbesondere durch ihr hohes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Familie und der Gemeinschaft die Entwicklung auf ideale Weise aktiv voran, so die Erfahrung von Ralf Tepel. Die Kleinkredite für den Kauf von Vieh und Saatgut oder die Einrichtung von kleinen Läden und Produktionsstätten würden nahezu überall zu fast 100 Prozent pünktlich zurückgezahlt. Die Rückzahlungsmoral sei vorbildlich, dies werde gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise mit ihren Kreditausfällen nochmals besonders deutlich.
Die Kanzlerin bestärkte die Teilnehmenden noch einmal darin, gemeinsam die aktuellen Herausforderungen anzugehen. Entwicklungshilfe, die auch wirklich die Armen erreicht, sei heute notwendiger denn je.










