Erfolgreicher Auftakt des Bensheimer Präventionsnetzwerks
Reges Interesse an gemeinsamer Initiative von Stadt und Stiftung
Bensheim. Rund 30 interessierte und engagierte Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung der Stadt Bensheim und der Karl Kübel Stiftung gefolgt und hatten am 26. Mai im Bürgerhaus Auerbach an der Auftaktveranstaltung zum neuen Präventionsnetzwerk für den Kinderschutz teilgenommen. Begrüßt wurden die Anwesenden von Stadtrat Matthias Schimpf und Stiftungsvorstand Daniela Kobelt Neuhaus; beide hatten angesichts alarmierender Meldungen von Kindesvernachlässigung und -misshandlung im gesamten Bundesgebiet Ende 2007 beschlossen, das Netzwerk zu gründen.
Kinder benötigen unsere Aufmerksamkeit
Bei seiner Begrüßung erläuterte Stadtrat Schimpf, dass das Präventionsnetzwerk familiäre, gesellschaftliche und institutionelle Kräfte mit dem Ziel bündeln solle, um den Kinderschutz in der Stadt und der Umgebung zu verbessern. Es solle die Aufmerksamkeit für Bedürfnisse und Nöte von Kindern und ihren Eltern durch gezielte Informationen schärfen.
Daniela Kobelt Neuhaus brachte in ihrer Ansprache das mit dem Netzwerk verbundene Grundanliegen auf den Punkt. Sie erklärte: "Kinder benötigen in besonderem Maße unsere Aufmerksamkeit und bedürfen der Erziehung und der Bildung, aber auch der Fürsorge und des Schutzes. Auf dem Weg zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit soll jedes Kind angemessen gefördert, begleitet, wertgeschätzt und geachtet werden. Hierfür tragen in erster Linie die Eltern und die Familie die Verantwortung. Der Staat und geeignete Institutionen unterstützen die Eltern hierbei und haben gleichzeitig die Aufgabe, über das Wohl der Kinder zu wachen. Die überwiegende Zahl der Eltern erfüllt die sich ihnen stellenden Aufgaben mit Engagement und Liebe für ihr Kind." Angesichts der Fälle von Kindeswohlgefährdungen und -tötungen zeige sich jedoch, dass der Schutz von Kindern intensiviert und über die Privatsphäre der Familie hinaus zur Aufgabe der gesamten Gesellschaft und aller Institutionen vor Ort gemacht werden müsse. Das Präventionsnetzwerk werde nun Leitlinien erarbeiten, die aufzeigen, was Menschen an unterschiedlichen Stellen und in vielfältigen Positionen tun sollen, wenn sie vermuten oder wissen, dass das Wohl von Kindern in Gefahr ist.
Ansatzpunkte von Präventionsarbeit
Mit Dr. Andreas Eickhorst vom Institut für Familientherapie am Universitätsklinikum Heidelberg hatten die Veranstalter einen Vertreter der Wissenschaft eingeladen, der Erfahrungen aus der Arbeit mit Eltern und Kindern mit neuesten Erkenntnissen aus der Forschung verbindet. Eickhorst koordiniert beispielsweise das familienorientierte Projekt "Keiner fällt durchs Netz", das derzeit in den Landkreisen Bergstrasse und Offenbach durchgeführt wird. In seinem Impulsreferat zeigte er die Ansatzpunkte von Präventionsarbeit auf und informierte über Faktoren, die Misshandlung und Vernachlässigung begünstigen. Andererseits machte er deutlich, dass es in Familien nicht zu Fehlentwicklungen kommen muss, wenn die Familienmitglieder über geeignete Strategien verfügen, um besondere Belastungen auszugleichen.
Arbeitsgruppen gebildet
Nach diesen einführenden Informationen und der weiteren Sensibilisierung für häufig unpräzise verwendete Begriffe wie ‚Vernachlässigung', ‚Misshandlung' und 'Missbrauch' sind freiwillige Arbeitsgruppen gebildet worden, die sich bis Mitte September mit bestimmte Themen befassen werden; die Ergebnisse werden in einen Präventionsleitfaden in Form einer Broschüre fließen. Selbst gestellte Aufgabenfelder für die Gruppenarbeit sind unter anderem der Umgang mit Verdachtsmomenten, geeignete Anlaufstellen, das Erkennen von Gefahren für das Kindeswohl und Verhaltensregeln für Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Betreuungseinrichtungen für Kinder und Sportvereinen.
Prävention bedeutet nicht Überwachung
Daniela Kobelt Neuhaus und Matthias Schimpft betonten nochmals, dass das Präventionsnetzwerk nicht dazu diene, Ängste und Misstrauen zu schüren. Vielmehr solle es dazu beitragen, die Abschottung von verschiedenen Institutionen zu beenden, die sich bisher ohne gegenseitige Abstimmung für Kinder einsetzen sowie durch klare Richtlinien beispielsweise denjenigen mehr Sicherheit zu verleihen, die bei ihrer beruflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeit regelmäßig Minderjährige betreuen.
Damit das Präventionsnetzwerk zügig und zielorientiert arbeiten kann, werden die Stadt Bensheim und die Karl Kübel Stiftung bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für zusätzliche Unterstützung sorgen Sponsoren wie die Sparkasse Bensheim, die GGEW und die Odenwald Quelle. Dass bei dem Netzwerk Wert auf konkrete Ergebnisse gelegt wird, wird auch an der Tatsache deutlich, das sich die Verantwortlichen einen klaren Zeitplan vorgegeben haben: Der Präventionsleitfaden soll Anfang 2009 vorliegen und der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Infos und Kontakt
Wer sich für die Mitarbeit im Präventionsnetzwerk interessiert, kann sich melden bei Anja Köbe, Tel.: 0 62 51 / 70 05 63, E-Mail: a.koebe@kkstiftung.de.









