Schon 10-jährigen fehlt Zuversicht
Familien in Schleswig-Holstein sind überdurchschnittlich arm. Sie schultern höhere Kita-Kosten als Familien in jedem anderen Bundesland. Und bekommen dafür zu allem Überfluss auch noch am wenigsten Leistung: Der Norden ist Schlusslicht sowohl beim Betreuungsangebot für Kinder bis zu vier Jahren als auch beim Personaleinsatz in den Gruppen. "Ich wundere mich allen Ernstes, dass es hierzulande noch keinen Aufstand der Eltern gibt", kommentierte Familienexpertin Daniela Kobelt Neuhaus die ernüchternden Ergebnisse der aktuellen Bertelsmann-Studie anlässlich der Fachtagung "Familie - ImPuls der Zeit" im Osterberg-Institut bei Plön.
Einführung eines beitragsfreien Kita-Jahres gefordert
Die Fachfrau vom Vorstand der Karl Kübel Stiftung bekam Unterstützung von Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes: Es sei höchste Zeit, den Kindergartenbesuch beitragsfrei zu stellen, sagte Johns zum Abschluss der Tagung. "Es darf keine Verzögerung mehr geben", ermahnte sie die Landesregierung, die für 2009 angekündigte Einführung zumindest eines beitragsfreien Kita-Jahres endlich konkret zu beschließen. Die Landesregierung hat dafür zwar 50 Millionen Euro eingeplant, streitet aber noch, ob die Kostenbefreiung für die Drei- oder die Sechsjährigen gelten soll.
Vielfältige Angebote nach englischem Vorbild
Um die soziale Not vieler Familien zu lindern, sollten um die Kindergärten herum nach englischem Vorbild vielfältige Beratungsangebote ("Early Excellence Center") organisiert werden, empfahl Daniela Kobelt Neuhaus. Dort könne neben Hilfestellungen für den Alltag auch das Erziehungswissen geschult werden, über das viele Eltern nicht mehr ausreichend verfügten.
Bei der dreitägigen Tagung im Osterberg-Institut brachten Eltern, Pädagogen und Soziologen eine Fülle die Familien bedrängender Themen zur Sprache. Dazu gehörte auch die zunehmende Sorge um den Bildungserfolg der Kinder. "Das setzt Familien ungeheuer unter Druck", wissen die Expertinnen.
Und nicht nur die Eltern sorgen sich: Bereits jeder fünfte Zehnjährige fühlt sich "abgehängt" vom Glauben an die eigene "Selbstwirksamkeit" und Leistungskraft, wie Elisabeth Helming vom Deutschen Jugend-Institut (München) ausführte.
Frühe positive Orientierung bieten
Gegen diese soziale Deklassierung helfe nur eines: Die Gesellschaft müsse Kindern schon sehr früh positive Orientierung bieten. Helming betonte, dass zum Glück viele Kinder dies in ihren Familien erlebten: "Es gab noch nie so viele Väter und Mütter, die so wohlwollend, liebevoll und überlegt ihre Kinder erziehen." Aber, mahnte die Soziologin: "Die Spaltung zu denen, die das nicht können, wird immer größer."
Die Veranstaltung, die mit einem neuartigen Konzept Familien-Fachkräfte und Eltern mit Kindern gemeinsam tagen ließ, wurde sowohl vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren des Landes Schleswig-Holstein gefördert. Veranstalter waren in Kooperation die Karl Kübel Stiftung, der Kinderschutzbund und die Plöner akademie am see. Koppelsberg. In Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden setzen sich Eltern, Erzieher und Wissenschaftlerinnen mit Themen der Familien- und Frühförderung auseinander. Dieses Gesprächsforum soll beim nächsten Mal auch Politiker einbeziehen.
Kontakt:
Heidi Behrens
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Osterberg-Institut
Am Hang
24306 Niederkleveez
04523 / 99 29 0
www.osterberginstitut.de








