»In den letzten 300 Jahren hat die industrielle Revolution vermocht, die Lebensbasis für Milliarden Menschen zu schaffen und nun steht die Menschheit am Rande des Abgrunds, weil das Wachstum in Blindheit geschieht. Wir müssen lernen, im Wachsen fruchtbar zu werden.« (Karl Kübel)

Erreichung der Millenniumsziele

Indien: Integriertes Entwicklungsprojekt, Wasserturbine
Eine wasserbetriebene 15 KW Turbine sorgt in Keshkeri für Strom

Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele (MDG) durch integrierte Entwicklungsprojekte

Nach Rückkehr der Referentinnen und Referenten aus den Projektgebieten in Indien liegen Berichte und Ergebnisse vor - unter anderem zum Thema Erneuerbare Energien und Armutsbekämpfung.

Erneuerbare Energien und Armutsbekämpfung in Orissa, Indien
Ende März dieses Jahres wurde die Dunkelheit aus dem Dorf Keshkeri vertrieben. Seitdem sorgt eine wasserbetriebene 15 KW Turbine für elektrisches Licht. Als die 180 Dorfbewohner nach über einem Jahr harter gemeinsamer Arbeit das Licht zum ersten Mal einschalteten, tanzten sie die ganze Nacht im Schein der Energiesparlampen. Nicht weit entfernt liegt das Dorf Ushabali, das sich seit Ende 2007 ebenfalls mit seiner vorhandenen Stromversorgung von der finsteren Umgebung abhebt. Hier versorgt ein kommunales 1 KW Solarkraftwerk 150 Menschen mit Strom.

Beide Dörfer liegen im Bezirk Kashipur, einer abgelegenen Region in den Bergen nördlich von Rayagada im indischen Bundesstaat Orissa. In diesem Bezirk ist nur der Hauptort Kashipur an das störungsanfällige nationale Stromnetz angeschlossen. Die neue Stromversorgung ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen aller Dorfbewohner, der örtlichen Nichtregierungsorganisation AGRAGAMEE und der Karl Kübel Stiftung.

Ergebnisse nach zwei Jahren Projektlaufzeit
Das elektrische Licht ist nur ein erstes sichtbares Ergebnis des Projekts; die Energieversorgung steht nicht unbedingt im Zentrum des Interesses. Die in kommunaler Selbstverwaltung installierte Stromversorgung ist nur Mittel zum Zweck. Ziel ist eine nachhaltige sozioökonomische Entwicklung und ein Beitrag zur Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele, allen voran die Armutsbekämpfung. Die Dorfbewohner in Keshkeri und Ushabali gehören zur Gruppe der indischen Ureinwohner, die mit weniger als einem US-Dollar am Tag überleben müssen und besonders von Armut und Benachteiligung betroffen sind.

Weitere Zwischenergebnisse
Weniger sichtbar, aber in der Wirkung umso relevanter, sind nach etwas mehr als zwei Jahren Projektlaufzeit zahlreiche andere Zwischenerfolge:

  • Der Verbrauch von teurem und umweltschädlichem Lampenöl hat sich sehr stark reduziert. Die dadurch frei gewordenen Mittel werden regelmäßig von allen Familien in einen dorfeigenen Instandhaltungsfonds eingezahlt. Aus dem Fonds werden sowohl laufende Kosten der Stromversorgung als auch eventuell langfristig notwendige Ersatzbeschaffungen finanziert. Und es bleibt immer noch ein Plus in der Haushaltskasse, das für andere grundlegende und dringende Anschaffungen genutzt werden kann.
  • Der Unterhalt der technischen Infrastruktur und die Verwaltung des Instandhaltungsfonds werden von den Dorfbewohnern selbst organisiert und gewährleistet. Die notwendigen Kompetenzen konnten sie sich in Schulungen im Rahmen des Projekts aneignen.
  • Des Weiteren wurden in jedem Dorf ein Energiekomitee und Frauen-Selbsthilfegruppen gegründet, die auch weiter intensiv von AGRAGAMEE betreut und fortgebildet werden.
  • Besonders Frauen werden nun ermutigt und geschult, damit das Licht am Abend auch sinnvoll genutzt werden kann. Kinder haben angefangen, im Lampenlicht ihre Schulaufgaben sorgfältiger zu erledigen, Frauen organisieren sich in Kleinkreditgruppen, und Haushalte haben mit Einkommen schaffenden Maßnahmen begonnen - vor allem in der Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Es ist zu erwarten, dass diese Maßnahmen bis zum Ende der Projektlaufzeit im Dezember 2009 zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensgrundlage der Dorfbewohner führen wird.
  • Die hygienischen Verhältnisse in den Hütten haben sich nach dem Einzug elektrischer Beleuchtung sichtbar verbessert.
  • Besonders stehen die Schonung der Umwelt und der sparsame Umgang mit natürlichen Ressourcen im Zentrum des Projekts.
  • Nicht zuletzt ist das neue Selbstvertrauen der Dorfbewohner, ihr Glaube an die eigenen Entwicklungspotentiale und ihre Fähigkeit zur Selbsthilfe das wohl nachhaltigste Zwischenergebnis des Projekts.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Michael Holländer, m.hollaender@kkstiftung.de, Tel.: 06251 - 70 05 24.


Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

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