Spendenprojekt Strahlemann-Kinderheim

Indien: Strahlemann-Kinderheim

Am 26. Dezember 2004 überspülte eine Flutwelle nach einem Seebeben die Küstenstreifen des indischen Ozeans. Eine der größten Naturkatastrophen vernichtete innerhalb kürzester Zeit ganze Fischerdörfer und zerstörte die Lebensgrundlagen tausender Menschen. Viele Kinder verloren mit ihren Familienangehörigen die Chance auf ein normales Kinderleben und auf eine Zukunft ohne Armut.

Auch aus Katastrophen erwachsen neue Chancen

Der 21. Juni 2006 war dafür ein Beispiel - 106 Kinder konnten bei der feierlichen Eröffnung endlich das neu erbaute Kinderheim in Besitz nehmen. "Es ist jetzt unser Haus", sagt Anbarasi, die glücklich über den Flur ins kühle Klassenzimmer läuft, "und heute ist es voller Musik!" Bunt geschmückt erwartet das eingeschossige Haus mit seinen neun geräumigen Sälen die Kinder. Zehn Monate dauerte der Bau. Auf dem Flachdach bietet eine große Dachterrasse zusätzlichen Auslauf und Ausblick aufs Spielgelände und umliegende Flussläufe. Am Ende der luftigen Terrasse befinden sich kleine Gästewohnungen für Dozenten und Besucher.

Dank des Engagements privater Förderer

Das Projekt der Karl Kübel Stiftung gehört zu den wenigen langfristigen Rehabilitationsmaßnahmen für Opfer der Flutkatastrophe in Nagapattinam. Die indische Partnerorganisation Peace Trust, die seit Jahren gegen Kinderarbeit und Kinderhandel kämpft, hat in dieser am schlimmsten betroffenen Region Südindiens seit den ersten Krisenwochen in der Nothilfe und am Wiederaufbau mitgearbeitet.

Aus Erfahrung weiß man, dass in Krisensituationen die Gefahr rapide zunimmt, dass Kinder mittelloser Familien ihrer Rechte beraubt werden. Deshalb wurden Kinder, die zu Waisen oder Halbwaisen wurden und auch Kinder, deren Familien alles verloren haben, in den Wellblechhütten der Übergangslager regelmäßig von Peace Trust besucht. Einer Gruppe von etwa 100 Kindern wollte man mit dem Kinderheim den Weg in eine bessere Zukunft sichern. Für diese Idee konnte die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie in Deutschland private Förderer gewinnen, deren Engagement es zu verdanken ist, dass das große Ziel jetzt Wirklichkeit werden konnte.

Unterstützer des Projekts

Bekannte hessische Unternehmen und kreative Kooperationen unterstützen das Projekt: Neben Fraport, der Strahlemann-Initiative und der Darmstädter Firma Döhler hat auch eine Schule, das Goethe-Gymnasium Bensheim, seine finanzielle Unterstützung eingebracht. Besonders engagiert hat sich die hessische Gemeinde Liederbach, deren Bürgermeister „europäisch" dachte und die französische und spanische Partnergemeinde gleich mit ins Boot holte, um das Kinderheim volle 3 Jahre zu unterstützen: Ein schönes Vorbild für wirkungsvolle Zusammenarbeit der europäischen Kommunen und für eine neue Umsetzung der europäischen Idee der Städtepartnerschaften.

Das Konzept

Das Kinderheim ist am speziellen Bedarf ausgerichtet. Täglich vier bis fünf Stunden werden die Kinder im Alter zwischen neun und 17 Jahren betreut, nach der Schule abgeholt, mit einer warmen Mahlzeit versorgt und unterrichtet. Die Fischerfamilien sollen über die Kinder gestärkt und nicht von den Kindern getrennt werden: Nur wer es selber wünscht, bleibt über Nacht. Von den 106 Jungen und Mädchen nehmen etwa die Hälfte (Mädchen) diese Möglichkeit in Anspruch, die restlichen Kinder werden in den Abendstunden zurück in ihre Dörfer und zu ihren Familien gebracht.

Am Wochenende steht das Haus mit vielfältigen Programmen auch anderen Kindern aus umliegenden Dörfern offen. Workshops zu Themen wie Kinderrechte, Umwelterziehung, Erste Hilfe, Katastrophenvorsorge, aber auch Sport und Spiel finden statt. Als Programmleiter arbeiten Vertreter lokaler und internationaler Nichtregierungsorganisationen (NGO's) und Lehrer aus den regionalen Schulen - immer wieder lehren auch internationale Gäste.

Die Eröffnung

Zur Eröffnungsfeier leitete Paul Baskar, Direktor der NGO Peace Trust, die Ehrengäste stolz durch das geschmückte Haus. Neben Frau Weber von der Karl Kübel Stiftung, die als Vertreterin der ausländischen Spender begrüßt wurde, waren Vertreter der regionalen Panchayats ("Gemeinderäte") von Velankanni und Seruthur sowie der Direktor des Karl Kübel Institute of Development, Coimbatore, Ehrengäste. Das Publikum war zumeist zu Fuß aus den umliegenden Dörfern gekommen. Auf der Tribüne, über die ein Sonnenschutz aus bunten Tüchern gespannt war, wurden zuerst Glückwünsche ausgesprochen.

Nach dem feierlichen "Anzünden des Lichts", bei dem alle wichtigen Personen ein Stück Docht entzünden, übernahmen dann die Kinder das Programm und zeigten selbst erfundene Theaterstücke und temperamentvolle Tanzeinlagen. Lehrer, Kinder und Familien genossen sichtlich die Auftritte samt kleiner Pannen: Lachende Gesichter überall. An diesem Tag schien es so, als seien die Opfer der Katastrophe zu stolzen Gewinnern geworden.

Weniger abhängig durch Bildung

Viele ehrgeizige Ideen können in den nächsten Jahren hier Gestalt annehmen. Paul Baskar möchte den Jugendlichen und Schulabgängern neben dem qualifizierenden staatlichen Schulabschluss auch eine berufliche Qualifikation ermöglichen, um die ökonomische Abhängigkeit der Familien vom Fischfang zu verringern. Die Unterbringung und Versorgung eines Kindes kostet dabei ca. 350,- Euro pro Jahr.

Es werden deshalb weiterhin Einzelspender, Firmen und Gemeinden gesucht, die das Kinderheim für Flutopferfamilien unterstützen möchten und mit dafür sorgen, dass das Projekt volle 10 Jahre gefördert werden kann. Auch die Förderung bestimmter Programminhalte nach Absprache ist möglich, wie z.B. die Einrichtung einer Bücherei mit Internetzugang, spezielle Berufsausbildung, einzelne Spielgeräte, fachlich besonders qualifiziertes Personal und vieles mehr.

Dr. Sigrid Maurer

Ihre Ansprechpartnerin:

Dr. Sigrid Maurer
Projektreferentin Indien

Tel: 06251/7005-40
E-Mail: s.maurer@kkstiftung.de


Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

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